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Neugestaltung des Bahnhofs Niebüll : Neues Entree für den Bahnhof

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Stadt und Bahn favorisieren zwei unterschiedliche Entwürfe – Aufwertung des inneren Wartebereichs weiter nicht in Sicht.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2017 | 03:12 Uhr

Niebüll | Endlich kommt Bewegung in die Aufwertung des Niebüller Bahnhofs, der als Tor nach Sylt besonders in den Sommermonaten zu den am stärksten frequentierten Stationen des Landes zählt. Die Aufenthaltsqualität im inneren Wartebereich bezeichnet Bürgermeister Wilfried Bockholt schon seit einiger Zeit als „grenzwertig“. Doch mit deutlich in die Jahre gekommenem Interieur, Schrammen und muffigem Geruch werden sich die Reisenden dort wohl noch einige Zeit abfinden müssen. Weit gediehen ist dagegen mittlerweile die Neugestaltung des Außenbereichs – des Eingangs und auch der Fläche davor. Die Pläne dazu stellte Udo Petersen vom Amt Südtondern in der Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses vor.

Acht Varianten gibt es mittlerweile für eine neues Bahnhofs-Entree, darunter einen klaren Favoriten der Nah.SH und auch einen klaren Favoriten der Stadt Niebüll. Doch leider handelt es sich dabei um verschiedene Entwürfe. „Die Nah.SH hat klar signalisiert, dass sie die Variante sieben favorisiert und unterstützen würde“, sagt Udo Petersen. Unterstützen heißt auch finanzieren würde. Doch dieser Vorschlag sieht neben einem breiten, großzügigen Treppenabgang in der Mitte der neuen großen Glasfront, die den Eingangsbereich des Bahnhofs künftig prägen soll, nur eine gut 1,20 Meter breite Rampe vor, und zwar Richtung Gather Landstraße. Auf der rechten Seite führen ebenfalls Treppenstufen hinunter auf den Bürgersteig.

„Das ist nicht nachvollziehbar und auch nicht akzeptabel“, betont Bürgermeister Wilfried Bockholt. Für ihn steht fest: „Wir brauchen eine zweite Rampe in Richtung Parkhaus. Von dort kommen und dorthin gehen genauso viele Menschen mit Rollis, mit Gehhilfen oder im Rollstuhl wie in die andere Richtung.“ Müssten all diese einen Umweg über die andere Rampe machen, so würde es auf dieser zu Stoßzeiten ganz schön eng werden. Das sieht das Schienenunternehmen anders, die zusätzlichen Kosten von 22  500 Euro für die zweite Rampe müsste die Stadt selbst zahlen. Doch selbst mit Blick auf dieses finanzielle Risiko fand sich im Fachausschuss eine breite Mehrheit für die Variante acht, die die vom Bürgermeister geforderte zweite Rampe vorsieht. Vorsitzender Holger Jessen freute sich über ein einstimmiges Votum für die Variante acht. Diese Entscheidung wurde sofort an das Schienenunternehmen weitergegeben. „Man sollte versuchen nachzuverhandeln. Die guten Gründe für eine zweite Rampe nochmal deutlich machen“, schlug Wilfried Bockholt vor. Und zwar, um die Bahn als Bauträger dazu zu bewegen, über das Stationsprogramm auch einen Zuschuss für die zweite Rampe zu bekommen.

„Werden durch die Neugestaltung des Eingangs Parkplätze wegfallen?“ Diese Frage von Ausschussmitglied Bettina Sprengel löste eine Diskussion mit überraschendem Ausgang aus. An sich sei laut Ansicht des Bürgermeisters vor dem Bahnhof auf keinen Parkplatz verzichtbar. Es sei denn – so ein Fazit der Diskussion – dieser Bereich wird nicht weiter von Dauerparkern blockiert, die mehrfach ihre Parkscheibe umdrehen. Dafür müsste die Stadt Niebüll an ein Thema ran, über das genauso wie über das Bahnhofsgebäude schon jahrelang diskutiert wird – eine konsequente Überwachung des ruhenden Verkehrs. Gebe es nur noch Kurzzeitparker, die ihr Auto zudem für eine halbe Stunde kostenlos im Parkhaus abstellen können, könnte auf einige Stellplätze verzichtet werden. Dadurch würde ein offenerer Platzcharakter mit einer höheren Aufenthaltsqualität geschaffen werden können. Ein Vorschlag aus dem Ausschuss lautete: Die derzeitigen Parkplätze in Querrichtung vor dem Bahnhofs-Eingang durch einige wenige Längsparkplätze für Taxen zu ersetzen, die derzeit auf der anderen Seite der Straße stehen. Dort wiederum könnten Pkw-Kurzzeitplätze in Längsrichtung angelegt werden. „An sich gehören die Taxen auch direkt am Ausgang eines Bahnhofs hin“, sagte Holger Jessen. Südtonderns Bauamtsleiter Udo Schmäschke zeigte sich sichtlich angetan von der Diskussion: „Bisher gab es keine Offenheit für eine großzügigere Platzgestaltung, die einige Parkplätze kosten würde. Falls sich das nun ändert, sind wir gerne bereit, für die Gestaltung Vorschläge zu erarbeiten.“

Unzufriedenheit herrscht dagegen weiterhin mit den inneren Zuständen des alten Bahnhofsgebäudes, die das Warten auf einen Zug weder für Sylt-Urlauber noch für die vielen Pendlern zu einem Vergnügen macht. Vor sechs Jahren wurden für 7,5 Millionen Euro – sieben Millionen davon wurden vom Bund und vom Land gefördert – die Gleise des Niebüller Bahnhofs erhöht und mit einer neuen Überdachung versehen. An sich sollte danach zeitnah auch das Bahnhofsgebäude saniert und neu gestaltet werden. Doch trotz regelmäßiger Nachfragen wird die Stadt seitdem von der DB Station&Service AG immer wieder vertröstet. Großes Interesse an einem attraktiven Bahnhof hat dagegen die landeseigene Verkehrsgesellschaft Nah.SH, die möglichst viele Urlauber dazu bewegen möchte, nicht mit dem Auto, sondern mit dem Zug nach Sylt zu reisen. Doch auch dort wird seit Langem auf den Finanzierungsantrag der DB Station&Service AG gewartet.

Holger Jessen hofft, dass „nachdem eine so große politische Einigkeit für die Neugestaltung des Eingangs- und Außenbereichs des Bahnhofs gefunden ist – inklusive der Übernahme der Kosten für eine zweite Rampe –, muss es doch endlich auch einen Schub für die Sanierung und Umgestaltung des Bahnhofsgebäudes geben.“ 

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