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Nordfriesland Tageblatt

18. Oktober 2017 | 09:59 Uhr

Niebüll : Neuer Glanz in alten Schränken

vom

Corinna Krömer ist Diplom-Restauratorin für Metallobjekte. Im Friesenmuseum kümmert sie sich um die rostigen Schlösser von fünf Schränken.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 08:49 Uhr

Niebüll | Woher er stammt, weiß niemand. Legenden besagen, dass der schwere Eichenschrank, er stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert, einst im Watt geborgen wurde. Jetzt steht er im Pesel des Niebüller Friesenmuseums. Liebevolle Schnitzereien zieren die sogenannte Schenkschieve, einen damals verbreiteten, norddeutschen Schrankmöbeltyp. An der linken Seite ist eine Malerei zu erkennen. Stand der Schrank einst in einer der bei Sturmfluten untergegangenen Kirchen in der Region? Hatte er seinen Platz in einem Altar-Anbau, und waren in ihm die Utensilien für das Abendmahl aufgebaut? Karl-Wilhelm "Kalli" Teske vom Friesenvereins hält es für möglich. Aber beweisen kann das niemand mehr. Heute jedenfalls wird hier die steinzeitliche Sammlung des Museums aufbewahrt.

"So große Möbel waren meistens irgendwo eingebaut", sagt auch Corinna Krömer. Sie hat sich des hochwertigen Stückes angenommen, genauer gesagt der Schlösser und Beschläge. Die Kielerin ist selbstständige Diplom-Restauratorin für Metallobjekte. "Meines Wissens die einzige in Schleswig-Holstein", sagt sie. Ihre Werkzeuge sind Pinsel, Wattestäbchen, Ethanol und einige Dinge mehr. So ausgestattet kümmert sie sich um die Restaurierung der Schlösser und Beschläge. Im Niebüller Friesenmuseum sind es fünf Schränke, die Corinna Krömer aufarbeiten soll. Sie kommt zum Einsatz, bevor die Holzrestauratoren anrücken. Der Grund ist einleuchtend: "Ich mache eben eine Menge Dreck", erklärt die junge Frau. "Und den haben die Holzrestauratoren nicht so gerne." Ihre Vorgehensweise: Sie entfernt den groben Rost, reinigt die Objekte, ohne sie zu demontieren. "Um neue Schäden zu verhindern. Alles, was fest ist, bleibt im eingebauten Zustand." Dann werden die behandelten Flächen mit Konservierungswachs versehen und so erhalten.

Nicht alles an dem Eichenschrank ist mehr original. Einige Beschläge sind deutlich neueren Datums. Irgendwann im Laufe der Zeit hat jemand, wohl, um ihn besser öffnen zu können, neue von außen mitten durch die kunstvollen Holzschnitzereien getrieben, die Eisenhaken auf der anderen Seite des Schrankes umgebogen. "Da gehört schon eine Menge Kraft zu", kommentiert Corinna Krömer das Werk des unbekannten Handwerkers. Einige Beschläge wurden mit Spaks befestigt.

In den Händen hält sie das verrostete, altdeutsche Schnappschloss eines anderen Schranks. "Dass es jetzt noch funktioniert, spricht für die Schmiedekunst." Sie wird es konservieren, nutzen kann man es aber trotzdem nicht mehr. "Viele Schlüssel gingen, wie bei diesem hier, irgendwann verloren. Das ist schade", sagt Corinna Krömer. Damit waren die Schlösser schon damals unbrauchbar und sogar nicht mehr zu öffnen. Also wurden sie ausgebaut, um den Schrank trotzdem nutzen zu können. Die fehlenden Schlösser durch neue ersetzen geht gar nicht, findet die Fachfrau. Die einzige Hoffnung ist, dass passende Schlüssel doch noch auf Dachböden herumliegen.

Rund zwei Tage ist die Restauratorin mit ihrer Arbeit beschäftigt. Und so nebenbei hat sie für die Mitglieder des Friesenvereins wertvolle Tipps, wie sie mit "Hausfrauen-Methoden" Messing-Gefäße rückstandslos und frei von Putzmittel-Ablagerungen sauber bekommen. "Ohne die Gefäße kaputt zu scheuern", sagt Corinna Krömer.

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