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Bürgerwindpark : Neue Windmühlengeneration nutzt die Windstille

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In der Gemeinde Süderlügum entsteht derzeit in dem Gebiet westlich der B 5 und nördlich der Grenzstraße ein Bürgerwindpark mit zwölf Windmühlen

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2014 | 05:15 Uhr

In der Gemeinde Süderlügum entsteht derzeit in dem Gebiet westlich der B 5 und nördlich der Grenzstraße ein Bürgerwindpark mit zwölf Windmühlen. Hierbei handelt es sich um getriebelose direkt angetriebene Siemens-Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 36 Megawatt (MW).

Im Vergleich zu konventionellen Anlagen bestehen sie aus halb so vielen Bauteilen und deutlich weniger beweglichen Komponenten. Das steigert ihre Effizienz und reduziert die Betriebskosten, so der Hersteller. Die Gesamtkosten betragen 54 Millionen Euro, davon werden 42 Millionen Euro als Fremdkapital aufgenommen. Das Eigenkapital des „Bürgerwindparks Süderlügum GmbH & Co. KG“ von 12 Millionen Euro stammt aus 492 Anteilen von gut 400 Kommanditisten, überwiegend Bürgern und Landeigentümern aus Süderlügum. Dank spezieller Ausrüstung wird der Windpark nicht nur bei starkem Wind Strom produzieren. Auch bei Windstille stabilisiert er das Stromnetz. Dies sichert zusätzliche wirtschaftliche Vorteile für die Betreiber.

„Dieser Windpark ist ein wichtiges Projekt für unsere Bürger vor Ort, die einen gemeinschaftlichen Beitrag zur Energiewende leisten“, erklärt Reinhard Christiansen, einer der drei Geschäftsführer und weiter: „Wie unsere anderen beiden Windparks Grenzstrom Vindvedt und Ellhöft in der Nachbarschaft liefert auch der neue Windpark sauberen Strom, der komplett aus Bürgerhand finanziert wird.“ Für die Region Nordfriesland bezeichnet er den Bau des neuen Bürgerwindparks außerdem ein wichtiges Infrastrukturprojekt. Die je drei MW-Windmühlen werden sogar bei Flaute die erneuerbaren Energien fördern. Möglich macht das die Technologie „Reactive Power at No Wind“. Dank dieser Option stabilisieren die Windturbinen bei Windstille das Wechselspannungsnetz. Der Windpark produziert die sogenannte „Blindleistung“ – den Anteil der elektrischen Leistung in einem Stromversorgungssystem, der zum Aufbau elektrischer Felder verbraucht wird und daher nicht zur tatsächlichen Leistung beiträgt – und speist sie ins Netz ein. Das reduziert die Betriebskosten des regionalen Versorgungsnetzes und macht den Einsatz so genannter Phasenschieber überflüssig. Für den Windparkbetreiber bringt auch die Blindleistungskompensation Vergütungen ein. Denn mit dieser Leistung löst die Anlage ein technisches Problem der dezentralen Energieerzeugung: Wenn industrielle Kunden große Mengen Leistung aus den Netzen entnehmen, treten oft Störungen der Netzfrequenz auf, die eine Erwärmung der Leitungen verursachen, so die Experten. Mit der Option „Reactive Power at No Wind“ wirkt der Bürgerwindpark Süderlügum dieser Probleme somit entgegen.

Die je nach Bodengüte jeweils 17 bis 27 Meter tiefen Fundamente für die zwölf Mühlen-Türme sind bereits fertig gestellt. Jeder Turm wird von 240 Bolzen im Fundament gehalten und drum herum verlaufen unter einer Steinschicht Drainagen für das Oberflächenwasser. Derzeit werden die letzten Kabeltrassen verlegt, sodass Ende August die erste Mühle aufgestellt werden kann. Man hofft somit Ende diesen Jahres mit dem Windpark an das Netz gehen zu können. „Die Baumaßnahmen laufen zeitlich und kostenmäßig voll nach Plan“, freut sich ein zuversichtlicher Geschäftsführer Reinhard Christiansen. Und um einen langfristig wirtschaftlichen Betrieb des Bürgerwindparks abzusichern, hat man die Herstellerfirma Siemens auch mit Service und Wartung über einen Zeitraum von 20 Jahren beauftragt.

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