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Landwirtschaft im Blick : Neue Wege in der Landwirtschaft

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit Erschließung neuer Geschäftsfelder zeigt ein Familienbetrieb in Klintum, wie Landwirtschaft auch im kleineren Rahmen erfolgreich sein kann

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2015 | 12:55 Uhr

Der Bestand von Bauernhöfen ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Innovation heißt das Schlagwort für eine sichere Existenz. Klaus und Markus Schmidt haben das erkannt und in ihrem landwirtschaftlichen Betrieb in Leck-Klintum neue Wege eingeschlagen. Mehrere Standbeine mit Milchkühen, Hofmeierei, Kartoffeln, Pferdepension und erneuerbaren Energien, mit Regionalvermarktung und einer breiten Öffentlichkeitsarbeit haben zum Erfolg geführt und zeigen nicht zuletzt, wie eine „offene Landwirtschaft“ funktioniert.

Die Landwirtschaft befindet sich seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in einem stetigen Wandlungsprozess. Grund sind steigende Kosten für Betriebsmittel bei zunehmendem Preisdruck für die Erzeugnisse. Viele Landwirte zwang und zwingt das zu der Entscheidung „wachsen oder weichen“. „Mein Ziel war es, in diesem Beruf zu bleiben und damit meine Familie und Mitarbeiter ernähren zu können. Dazu gehört, sich zukunftsorientiert auszurichten“, begründet Klaus Schmidt den Schritt in die Vielfalt. Der Betrieb nahe der Mühlenteiche ist seit über sechs Jahrzehnten in Familienhand, Vater Herbert bewirtschaftete seinerzeit 16 Hektar. Klaus Schmidt übernahm den Hof 1973, vor 22 Jahren stieg Sohn Markus mit ein. Und die nächste Generation steht fast schon in den Startlöchern: Der 17jährige Matthies möchte gern Landwirt werden, wenn denn die Rahmenbedingungen durch Regelungen nicht noch mehr eingezwängt werden. „Wenn Landwirte heute aufgeben, liegt es daran, dass sie vor der Bürokratie resignieren“, bemängelt Markus Schmidt die Landespolitik und Vater Klaus meint: „Unser Berufsstand wird missbraucht, um in anderen Bevölkerungsschichten auf Stimmenfang zu gehen!“ Um die komplizierten Regelungen einzuhalten und bürokratischen Hindernisse bewältigen zu können, sei Fachberatung wichtiger denn je, erklären beide Landwirtschaftsmeister. Sie bilden sich stetig fort und holen Meinungen von Experten über die Beratungsringe ein. Von allein und nicht durch den Druck der Politiker hätten die Landwirte die Produktion steigern können durch verbesserte Bedingungen, hieß es. „Wir wollen ja gesunde Tiere haben“, geben die Landwirte ein Beispiel. 85 Milchkühe plus weiblichen Nachwuchs stehen heute in ihrem Stall beziehungsweise auf dem Grünland, jede Kuh liefert im Schnitt 10  300 Liter Milch. Als die Milchquote vor rund 30 Jahren eingeführt wurde, lieferte das den Grund, ein freies Handelsgut ohne Preisbindung zu produzieren: Die Speisekartoffel wurde angebaut. Leyla, Belana oder Afra heißen die Sorten und haben alle seit Anfang an jedes Jahr ohne Unterbrechung das Gütezeichen für Schleswig-Holstein erhalten. Zunächst wurden nur kleinere Kaufleute in der Region beliefert, heute verkaufen auch Handelsketten die Klintumer Kartoffeln, die insgesamt im Bereich bis nach Husum, Schafflund und auf den Inseln zu haben sind. In die Gastronomie werden zusätzlich geschälte Kartoffeln geliefert. Die Nachfrage ist nach wie vor gut.

Ein weiteres Standbein entstand vor etwa acht Jahren mit der Hofmeierei. Joghurt, Frischkäse, Kakao und Milchreis ohne jegliche Chemie werden hergestellt und gelangen ebenso wie die Kartoffel in den Handel. Das hat allerdings seinen Preis und leidet unter der Konkurrenz billigerer, fabrikhergestellter Ware. „Der Wunsch nach Regionalität und frischen, hochwertigen Produkten ist vorhanden, aber das Kaufverhalten spiegelt sich in diesen Wünschen nicht wider“, bedauert Klaus Schmidt. Wenn zukünftig in diesem Betriebszweig keine schwarzen Zahlen geschrieben werden, wird man die „Klintumer Frische“ einstellen müssen.

Der landwirtschaftliche Betrieb hat sich in den vergangenen Jahren ausgeweitet. Die Betriebsleiter Klaus und Markus Schmidt bewirtschaften 200 Hektar: 34 ha Speisekartoffeln, 22 ha Tritticale (Getreideart, Kreuzung zwischen Weizen und Roggen), fünf Hektar Roggen, vier Hektar Hafer, 55 ha Grünland, auf dem sich von Frühjahr bis Herbst die Kühe befinden, sowie 80 ha Mais als Futter für die Rinder als auch zur Belieferung der Biogasanlage. Diese wird gemeinsam in Leck-Eng mit Volker Storm betrieben. Sie liefert Wärme für 135 Wohneinheiten sowie die Grundschule an der Linde in Leck. Außerdem sind die erneuerbaren Energien wie Photovoltaik und Windkraft wesentliche Betriebsbereiche. Seit einigen Jahren hinzu gekommen ist der Betriebszweig „Pensionspferde“ mit Reithalle.

Bei all dem werden die beiden Betriebsleiter von drei langjährigen Voll- sowie sechs Teilzeitkräften unterstützt. „Wir haben vertrauensvolle Mitarbeiter, die auch zum Betriebserfolg beigetragen haben“, will Klaus Schmidt verstanden wissen. Mit ihnen und einer großen Helferschar präsentieren die Schmidts ihren Betrieb alle zwei Jahre der Öffentlichkeit. Der „Tag des offenen Hofes“ erfreute sich bereits drei Mal großer Resonanz. Aber auch Praktikanten und Schulklassen wird der Einblick in die moderne Landwirtschaft gern gewährt.


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