Ausstellung : Neue Schau: „Trau Deinen Augen“

Zahlreiche spannende Arbeiten sind im Kulturcafé zu sehen.
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Zahlreiche spannende Arbeiten sind im Kulturcafé zu sehen.

Die Kulturstation Zollhäuser zeigt besondere Frauenporträts, die aus aus dem Zusammenspiel zweier Künstlerin entstanden sind.

shz.de von
10. August 2018, 06:00 Uhr

In der Kulturstation Zollhäuser ist eine neue Kunst-Ausstellung zu sehen. Die Ausstellung „Trau Deinen Augen – Fotos Elke Nord – Übermalung Ellen Fuhr“.

Ellen Fuhr war Meisterschülerin an der Akademie der Künste bei Gerhard Kettner in Dresden, lebte und arbeitete in Berlin und auf Hiddensee. Im Vorjahr ist die enge Freundin von Elke Nord überraschend gestorben. Für Nord ist es ein Stück Trauerarbeit, Bewältigung und auch der Grund aus dem Hintergrund zu treten. Bislang hat die Berlinerin, die seit 1985 in Nordfriesland ansässig ist, andere Künstler in der Kulturstation gemeinsam mit Barbara Schmidt-Tychsen gezeigt. Ihre eigenen Arbeiten, die sie als Fotografin in den 80er und 90er Jahren in Berlin realisiert hat, blieben bislang eher im Verborgenen.

Mit Ellen Fuhr hat sie bereits damals gemeinsam Ausstellungen verwirklicht, unter anderem die Schau „Konvergenzen“ in der Festspiel-Galerie in der Nähe der Gedächtniskirche. Die Übermalungen, die nun in Rodenäs zu sehen sind, sind das Ergebnis eines Zufalls. Die beiden Frauen hatten eine Doppel-Ausstellung „Übergänge“ in der Kunsthalle Berlin organisiert. Gezeigt wurden Fotografien und Bilder. „Es sind Großstadt-Gesichter, die an die zwanziger Jahre erinnern, und doch Gesichter unserer Zeit, die hier für sich einnehmen“, hieß es dazu in der Berliner Morgenpost. „Um das Publikum anzulocken, übermalte Ellen Fuhr einige meiner Frauenporträts für den Schaukasten“, berichtet Elke Nord. Das kam so gut an, dass 1998 die Serie „Trau Deinen Augen“ entstand.

Elke Nord hat hier Freundinnen auf sehr berührende Weise fotografisch eingefangen. „Ich kannte die Frauen recht gut“, so Elke Nord, „sonst hätten sie sich kaum so geöffnet.“ Tatsächlich ist der Betrachter von dem direkten Blick eingefangen, kann nicht wegschauen. Die Frauen schauen mal fröhlich, mal ernst oder skeptisch – aber jede auf eine sehr eigene Weise. Sie verbreiten ein sehr persönliches Flair. Ellen Fuhr hat künstlerisch frei gestaltet. Mal sind es die Lippen, die deutlich hervorgehoben sind, mal sind die Haare, die plötzlich rot erscheinen. Auch ein Gitter verändert wie ein Raster den Blick auf die Person. „Eine Erklärung gibt es nicht“, meint Elke Nord, „das muss jeder für sich selbst herausfinden.“

Ellen Fuhr, die in Pankow und am Prenzlauer Berg gelebt hat, gehörte zum Kreis der zirka 4000 Künstler der DDR. Staatliche Beeinflussung gab es in den 80er Jahren immer weniger; private Sammler kauften ihre Arbeiten – zumal sie jedes Jahr in einer jurierten Ausstellung vertreten war. Die Künstlerin, die ein großes Werk hinterlässt, stand in der Tradition des Dresdener Expressionismus. Hier wurde die Farbe der Zeichnung untergeordnet.

Ihre Übermalungen vermitteln nun einen ersten Eindruck, der Anlass sein könnte, sich näher mit Ellen Fuhr zu beschäftigen. Aber auch die Fotografien von Elke Nord machen neugierig und „Lust auf mehr“. Dauer der Ausstellung: bis zum 14. Oktober, geöffnet Donnerstag, Freitag, Sonnabend und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.


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