Infrastruktur : Neue Ideen für alte Spielplätze

Bauland oder doch lieber Mehrgenerationenplatz? Viele Gemeinden sind auf der Suche nach geeigneten Nachnutzungsmöglichkeiten

shz.de von
27. Januar 2015, 05:00 Uhr

Lange ist es her, dass auf ihnen noch gespielt, gebalgt und getobt wurde. Zu Zeiten der geburtenstarken Jahrgänge herrschte auf den Spielplätzen der Gemeinden reichlich Trubel. Heute aber, als Folge des demografischen Wandels, sind viele der 111 Spiel- und Bolzplätze in Südtondern verwaist. Toben tut hier kaum noch jemand, und eine Nachnutzung steht an.

Dabei zeigen sich zwei Tendenzen: Mancherorts sollen die Flächen nach und nach überbaut werden, um Platz für neues Wohnen zu schaffen. Beispiel Leck: Jüngst schaffte der Infrastruktur- und Umweltausschuss für den Spielplatz am Kiebitzweg die planungsrechtlichen Voraussetzungen zur Errichtung einer Wohnbebauung. Zuvor wurde bei einer Begehung festgestellt, dass ein 1427 Quadratmeter großer Spielplatz nicht mehr benötigt wird und die Spielfläche verkleinert werden kann. 600 Quadratmeter könnten künftig als Bauland zur Verfügung stehen. Ähnlich genutzt werden soll auch der Spielplatz am Hummelweg (1140 Quadratmeter). Auch dort toben länger schon nicht mehr genügend Kinder. „Generell altert mit den Spielplätzen auch die Bevölkerung. Und die Kinder aus den 20 bis 30 Jahre alten Wohngebieten sind inzwischen erwachsen. Das Thema Nachnutzung wird deshalb immer wichtiger“, erklärt Marcel Mathein vom Lecker Planungsbüro Bonin-Körkemeyer.

Eine Nachnutzung der Spielplätze kann aber auch anders aussehen: Für einige Areale kommt eine Neuausrichtung in Frage. Dies ist meist der Fall, wenn Naherholungsflächen erhalten bleiben sollen. Die Spielplätze werden Dank neuer Geräte so konzipiert, dass sie auch von älteren Bürgern genutzt werden können. In Niebüll wurde dieser Ansatz bereits in die Tat umgesetzt: In der Mühlenstraße entstand 2010 ein sogenannter Mehrgenerationenplatz – und damit der erste seiner Art in Südtondern. „Die Altersstruktur in Niebüll verändert sich. Deswegen mussten wir uns Gedanken über neue Konzepte für Niebülls 23 Spielplätze machen“, erinnert sich der Vorsitzende des Ausschusses für Schule, Kultur und Soziales der Stadt Niebüll, Bernd Neumann (CDU). „Ältere Menschen gehen heute immer seltener in die Sportvereine, sondern sind selber aktiv.“ Mit dem Mehrgenerationenplatz, der jetzt unterschiedliche Geräte wie Stepper oder Hüfttrainer anbiete, solle auch dieses Klientel auf seine Kosten kommen. Für das Konzept, an dem die Bürger mitwirkten, hatte die Stadt im Wettbewerb „Demografiegerechte Kommune“ einen Preis erhalten: Die Gestaltung des 100  000 Euro teuren Platzes wurde damals mit 50  000 Euro Preisgeld gefördert. Doch mit Einrichtung der innovativen Spielplätze in der Mühlenstraße oder auch im Hollunderweg ist die Entwicklung der Niebüller Freizeiträume noch nicht abgeschlossen: „Wir müssen uns fragen – braucht Niebüll eigentlich 23 Spielplätze? Oder gibt es gute Alternativen?“, sagt Bernd Neumann. Ein gutes Argument, um die Anzahl zu reduzieren und andere modern zu erhalten, sei der Kostendruck, der allein durch die Wartung der Geräte entstehe: „Der Bauhof muss jede Woche alle Geräte auf ihre Sicherheit kontrollieren.“

Dass Spielplätze Geld kosten, weiß man auch in Achtrup. In der Gemeinde gibt es insgesamt fünf, die alle dringend saniert werden müssten. Während der Beratung über die Bereitstellung von Haushaltsmitteln für die Sanierung entbrannten dazu erst kürzlich intensive Diskussionen. „Sanieren wollen wir sie alle“, sagt dazu Inge Wagner als Vorsitzende des örtlichen Finanzausschusses. „Doch es wäre für uns ein finanzielles Problem, sie alle im laufenden Jahr instand zu setzen.“ Der Finanzausschuss hatte in seiner jüngsten Sitzung dazu geraten, 10  000 Euro in den Haushalt 2015 einzustellen, um zunächst zwei der fünf Spielplätze zu sanieren. Der zweite stellvertretende Bürgermeister Udo Hinrichs (CDU) vertrat den Standpunkt, man solle auch die drei verbleibenden Spielplätze im Jahre 2015 mit einem Kostenaufwand von 20  000 Euro zu modernisieren und versuchen, mit Unterstützung durch die AktivRegion Nord den Spielplatz hinter der Martin-Luther-Kirche zu einem „Mehrgenerationenplatz“ aufzuwerten. Das Konzept des altersgerechten Spielplatzes ist in Südtondern auf dem Vormarsch.  

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