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Nordfriesland Tageblatt

19. September 2017 | 17:23 Uhr

Neue Chancen für eine alte Bahnverbindung

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 09.Jun.2015 | 12:44 Uhr

Wird die Bahnstrecke Flensburg-Niebüll reaktiviert? In einem Gespräch mit dänischen Politikern über bessere Bahnanbindungen zwischen Pattburg und Hamburg sowie Diskussionen über die mögliche Einrichtung eines neuen Fernbahnhofs (wir berichteten) hatten Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber sowie Stadtsprecher Clemens Teschendorf auch dieses Thema ins Gespräch gebracht.

Konkreteres gäbe es hierzu derzeit nicht zu vermelden, bestätigt Teschendorf auf Nachfrage unserer Zeitung und verwies auf ein Gutachten zur Zukunft der deutsch-dänischen Bahninfrastruktur, das bei der Schweizer Beratungsfirma Gertz, Gutsche, Rümenapp in Auftag gegeben worden sei. Die 1889 eingeweihte und 1999 stillgelegte Strecke Flensburg-Niebüll sei ein Baustein. „Es wird ernsthaft nachgedacht, sonst gäbe es kein Gutachten“, so Clemens Teschendorf. Ergebnisse des Gutachtens werden im September erwartet. „Da möchte ich nichts vorwegnehmen.“ Anschließend werde geprüft. „Alle Verbindungen sind wichtig.“ Eine Empfehlung bedeute noch lange nicht, dass das Projekt auch umgesetzt werde. „Es ist ein spannender Prozess. Wir sind in einer ganz guten Phase.“

Näheres über die Geschichte der Strecke weiß der Maschinenbau-Ingenieur, pensioniert Bundesbahnbeamte und Eisenbahn-Experte Georg Böhm (69) aus Fahretoft. Er hat die historischen Ereignisse in dem Buch „Zwischen Eider und Wiedau – Nordfriesland 2009“ (Nordfriesischer Verein und Heimatbund Eiderstedt) unter dem Titel „120 Jahre Eisenbahnstrecke Lindholm-Leck-Flensburg-Weiche“ zusammengetragen. Schon in den 1880-er Jahren plante man eine Verbindung Flensburg in Richtung Westen. Eingeweiht wurde sie am 1. Oktober 1889 von den Preussischen Staatsbahnen. Die Verbindung umfasst rund 36 Kilometer und führt von Flensburg-Weiche über Handewitt, Unaften, Wallsbüll, Schafflund, Sprakebüll, Achtrup, Leck, Lindholm nach Niebüll. Der Personenverkehr (zum Schluss durch Schienenbusse VT 798 aufrecht erhalten) auf der eingleisigen Strecke, die übrigens heute noch komplett erhalten ist, wurde am 31. Mai 1981 eingestellt. Auf dem Abschnitt Leck-Sprakebüll war ab 1984 das Fahren nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt. Aus politischen Gründen (einer davon war das Bundeswehr-Tanklager Wallsbüll) blieb die komplette Strecke zunächst erhalten. Mehrmals wurde, wie beispielsweise 1986, über eine Wiederinbetriebnahme unter Einbeziehung alter NVAG-Pläne mit einer Anbindung bis zum ehemaligen Bahnhof am heutigen Flensburger Zob nachgedacht – und die Idee wieder verworfen. Bis Ende der 90-er Jahre fuhren vierteljährlich noch Marinesonderzüge von Flensburg nach Westerland. Die Entwidmung folgte bald. Mit Wirkung zum 1. März 1999 wurde der Betrieb der Infrastruktur der Strecke „Nebenbahn Flensburg Weiche - Lindholm“ eingestellt.

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