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Klinikum Nordfriesland : Neue Betten für Klinikum Niebüll

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Neun Millionen Euro werden in das Krankenhaus Nordfriesland investiert – Chirurgie und Innere Medizin sollen aufgewertet werden.

„Als Klinikum darf man nicht alles anbieten, selbst wenn man es könnte.“ Mit diesem Satz bringt Christian von der Becke, seit zehn Monaten Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, eine der größten Herausforderungen auf den Punkt, vor der das Krankenhaus derzeit steht. Vorsitzender Bernd Neumann hatte den Klinikchef in den Schul-, Kultur- und Sozialausschuss eingeladen, „um für den Standort Niebüll auf einen aktuellen Stand zu kommen“. Fazit eines langen Sitzungsabends: Die Geburtsstation kommt nicht zurück, aber Niebüll als Standort ist nicht gefährdet. Die Angebote und die Bettenzahl werden sogar erweitert – durch die Investition von neun Millionen Euro. Die Entwicklungsziele werden derzeit in der „Strategie 2020“ festgelegt.

Aus Sicht der Kassen dürfen relativ kleine Klinik-Standorte nur gewisse Leistungen erbringen. Eine Geburtsstation zählt nicht dazu. „Wir arbeiten derzeit intensiv daran, innerhalb der auferlegten Grenzen ein Leistungsspektrum für die Standorte Niebüll und Husum zu erarbeiten“, sagt Christian von der Becke. Am 10. April würden die Budgetverhandlungen mit den Kassen für das zurückliegende Jahr beginnen.

Die von vielen Protestaktionen begleitete Sorge um den Erhalt der Niebüller Klinik sei unbegründet. „Alle Zeichen stehen auf Grün. Es wird zur deutlichen Stärkung einiger Bereiche kommen, zum Beispiel der Chirurgie“, sagt von der Becke. Diese werde nun durch einen exzellenten Unfallchirurgen aufgewertet. Ergebnis ist ein interdisziplinäres Angebotsspektrum, das von den Kassen höher bewertet „und zu einer deutlichen Reduzierung des Defizits in Niebüll führen wird“, betont der Geschäftsführer. Die Innere Medizin soll dadurch gestärkt werden, dass die Spezialisierung in Kardiologie und Onkologie in Richtung einer allgemeinen Inneren zurückgefahren wird. Dann könnten dort mehr Patienten als jetzt behandelt werden. „Niebüll ist ein Haus der Grund- und Regelversorgung. Die Kassen reagieren allergisch, wenn sich ein solches zu sehr spezialisiert“, beründet Christian von der Becke. Gute Chancen gibt es zudem für eine Alterstraumatologie, nach der einer der Ausschuss-Besucher fragt. „Alle Strukturen dafür sind jetzt geschaffen, die Zahl der Betten in der Geriatrie wurden für dieses neue Angebot angehoben“, antwortet Christian von der Becke.

Als „dramatisch“ bezeichnet er die derzeitige Betten-Knappheit. Maximal 126 Betten bietet das Krankenhaus derzeit, das entspricht exakt der Zahl des aktuellen landesweiten Krankenhausplanes. Früher waren es mal 205. „Uns fehlt jeder Puffer. Wir müssen dringend neue Betten schaffen“, sagt Christian von der Becke. Dafür sollen Teile der ambulanten Strukturen wieder in den stationären Bereich übernommen werden. Weitere Kapazitäten könnten durch die Auslagerung des Labors geschaffen werden. „Wir diskutieren derzeit auch intensiv über die Einrichtung einer neuen Station mit bis zu 38 Betten“, berichtet der Geschäftsführer. Zum Beispiel für die Oralchirurgie, für die es derzeit keine Betten gibt.

Eine große Herausforderung – das räumt der Klinikchef ein – sei es, das Team zu formieren, mit der die „Strategie 2020“ umgesetzt werden soll. „Manchmal müssen Köpfe ausgetauscht werden, um eine solche Herausforderung meistern zu können“, sagte der Klinikchef. Einige Mitarbeiter, darunter auch hoch qualifiziertes Personal, hätten die Klinik von sich aus verlassen. Den kürzlichen Wechsel von Dr. Jochen Caesar, Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie , in das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) der Diako bezeichnete von der Becke als „feindlichen Angriff eines Konkurrenten“. Man hätte dem Experten ein Bett aus Rosen bereitet, dennoch sei er aus rein persönlichen Gründen nicht zu halten gewesen. „Das ist sehr bedauerlich, denn es ist ein Problem, gute Fachärzte nach Nordfriesland zu bekommen“, sagt von der Becke. Geld sei meist nicht das entscheidende Kriterium. Es gehe um das Aufgabenspektrum, die Entwicklungschancen und um die allgemeine Lage.

„Stünde dem Krankenhaus im Luftkurort Niebüll nicht ein Badearzt gut?“, fragt ein Zuschauer. „Das war noch kein Thema, ich nehme diesen Gedankenanstoß aber gerne mit“, sagt der Klinik-Chef. Dieser würde eine hohe Beteiligung am Bürgerentscheid für das Klinikum am 7. Mai begrüßen, „denn das würde unterstreichen, dass unser Zukunftskonzept auch von den Bürgern mitgetragen wird“.

Neben dem Bedauern des wohl endgültigen Abschieds von der Geburtsstation, bringt die Diskussion eine weitere Sorge an das Licht – den ständigen Vergleich mit dem größeren Standort Husum. In der Vergangenheit seien die Probleme des Klinikums Nordfriesland oft auf den Standort Niebüll reduziert worden, das habe laut Wilfried Bockholt zu einigen psychologischen Problemen geführt. Niebülls Bürgermeister forderte daher: „Die Diskussion, welches Haus das bessere ist, muss endlich Vergangenheit sein.

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