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Nordfriesland Tageblatt

20. Oktober 2017 | 13:35 Uhr

Arbeitsmarkt : Neubelebung für die Werkstatt 1

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Kreis prüft die Anwendbarkeit neuer EU-Fördermöglichkeiten für die Integration von Arbeitssuchenden in den ersten Arbeitsmarkt

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2014 | 05:00 Uhr

„Vor drei Jahren war der Kreis Geburtshelfer des Projektes. Nun hat das Kind laufen gelernt“, stellt Axel Scholz, Leiter des Fachdienstes Arbeit beim Kreis Nordfriesland, fest. Die Rede ist von der Werkstatt 1 „Möbel und mehr“ in der Uhlebüller Straße 1 (daher der Name). In der Einrichtung der „Diakonisches Werk Südtondern gGmbH“ werden derzeit gute, gebrauchte Möbel, aber auch Geschirr, Bücher und weitere Haushaltsgegenstände verkauft. Hannelore Petersen als Vollzeitkraft und eine weitere Hilfe kümmern sich vor Ort, die Koordination liegt in den Händen von Abteilungsleiterin Mareike Böhm (berufliche und soziale Integration, Werkstatt 36 des Diakonischen Werkes in Tinnum).

Zu Beginn waren hier einmal mehr Menschen beschäftigt. Der Grund: In den hinteren Räumlichkeiten wurden gebrauchte Möbel durch ehrenamtliche Kräfte oder Ein-Euro-Jobber, die auf diese Weise für den sogenannten ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollten, aufgearbeitet und verkauft. Bedauerlich sei es gewesen, dass man sich nach Auslaufen des Ein-Euro-Job-Projektes – sie stellten das Gro der Mitarbeiter der Werkstatt 1, zunächst ein Stück aus dem Projekt habe zurückziehen müssen, so Axel Scholz. So kam es, das die Belegschaft reduziert wurde, man sich ausschließlich auf den Verkauf konzentrierte. Hannelore Petersen: „Die Spendenbereitschaft bei Möbeln ist seitens der Bevölkerung ist nach wie vor sehr hoch. Jeden Mittwoch kommen die Fahrer der Werkstatt 36 von Sylt herüber, holen gut erhaltene Möbel bei den Spendern ab oder liefern sie auch an die Käufer aus.“ Mareike Böhm ergänzt: „Die Spenden müssen in einem guten Zustand sein. Wir können bestenfalls einmal eine Schraube nachziehen.“ Für mehr reiche die Personalkapazität nicht aus. Die trotz des großen Angebots an preiswerten, neuwertigen Alternativen hohe Nachfrage nach gebrauchten Möbeln erklärt die 32-Jährige wie folgt: „Hier gibt es hochwertige Möbel mit Charakter und Geschichte zu vernünftigen Preisen, nicht nur Pressspanplatten.“

Geöffnet ist die Werkstatt 1 montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr. Volker Schümann, Geschäftsführer der „Diakonisches Werk Südtondern gGmbH“: „Das wollen wir intensivieren.“ Und Axel Scholz fügt hinzu: „Wir haben als Kreis Nordfriesland ein Interesse daran, dass es diese Einrichtung gibt.“ Wie aber ist das Problem zu lösen? „Sozialer Arbeitsmarkt“ heißt das Stichwort, unter dem sich beim Kreis der Arbeits- und Sozialausschuss am 8. Mai mit der Problematik beschäftigt habe. Und: Es zeichnet sich eine Lösung ab. Im Europäischen Sozialfond könnte es Mittel geben, die Zuschüsse für diesen Zweck vorsehen. Wie soll das Ganze funktionieren? In Zusammenarbeit mit den Sozialzentren werden geeignete Kräfte (jene, die schwerer zu integrieren sind) gesucht. Hat der oder die Betreffende bisher Leistungen nach SGB II (Hartz IV) sowie finanzielle Hilfe für die Unterkunft bezogen, werden diese Leistungen, so der Plan, in ein Gehalt umgewandelt (Passiv-Aktiv-Tausch). Weitere Mittel müsste es dann aus dem Europäischen Sozialfond geben. Der Arbeitnehmer erhält einen Lohnstreifen, führt Sozialabgaben ab und hat schon alleine optisch den Eindruck, in einem völlig „normalen“ Beschäftigungsverhältnis zu stehen. Erhält der Arbeitnehmer durch ergänzende Aufgaben-Bereiche und den Erwerb weiterer Qualifikationen mehr Geld, trägt der Arbeitgeber die Differenz. Einziges Problem, so Axel Scholz: „Wir als Kreis sparen nichts ein, sondern widmen es lediglich um.“ Ein Beispiel, wo das Projekt erfolgreich umgesetzt wurde, ist Baden-Würtemberg. „Wir prüfen nun, ob die Regelung auch für Nordfriesland und in welchen Bereichen sie anwendbar ist. 2015 wollen wir dann tätig werden. Es kann sein, dass dadurch der eine oder andere Arbeitsplatz entsteht.“

Volker Schümann: „Das Thema Arbeit bleibt bei uns im Fokus. Wir verhandeln mit dem Jobcenter, befinden uns gerade in einer Übergangsphase.“ Der Bedarf an Arbeitskräften in der Werkstatt 1 ist da: eigene Fahrer für den Lieferwagen, weitere Vollzeitkräfte für den Verkauf stehen auf der Wunschliste.

 

 

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