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Kritik an Reformplänen : Nein zur Großgemeinde Südtondern

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bürgermeister des ehemaligen Amts Karrharde lehnen den Vorstoß zu einer Kommunalreform durch SSW-Politiker Lars Harms vehement ab.

Eine Großkommune Südtondern – diese Vorstellung stößt den Bürgermeistern des ehemaligen Amts Karrharde sauer auf. Und zwar so sehr, dass die Chefs der Gemeinden Stadum, Westre, Karlum, Ladelund, Bramstedtlund, Achtrup, Enge-Sande, Tinningstedt, Klixbüll und Sprakebüll gemeinsam ein Positionspapier (siehe Infokasten) verfasst haben, das sie Lars Harms präsentieren wollen. Der Vorsitzende der SSW-Landtagsgruppe nämlich hat mit seiner Forderung nach einer durchgreifenden Kommunalreform und „größeren, schlagkräftigeren Gemeinden“ die zehn Südtonderaner Bürgermeister aufgebracht.

Kleingemeinden seien nicht in der Lage, die vielen Fördermöglichkeiten, die uns die EU biete, effektiv auszunutzen. Dieses Hauptargument Harms’ (wir berichteten) lassen die Bürgermeister nicht gelten. Radwege, die örtliche Gastwirtschaft sowie Schul- und Kindergartengebäude würden mit bis zu 80-Prozentiger EU-Förderung finanziert – Nachhilfe von oben sei nicht vonnöten.

Laut Harms wären die jetzigen Ämter sinnvolle Gemeindegrößen. Dem haben die Bürgermeister der kleineren Gemeinden einiges entgegenzusetzen: Mit dem Amt Südtondern gebe es bereits eine übergeordnete Verwaltung. Wenn eine Ebene einzusparen sei, dann am ehesten der Kreis Nordfriesland – das ist auch die Vision von Amtsvorsteher Peter Ewaldsen. „Verwaltung brauchen wir, aber es geht nicht, dass uns die Verwaltung regiert“, sagen die Bürgermeister unisono zur Idee einer Großkommune. Im Amtsausschuss zeige sich laut Bramstedtlunds Bürgermeisterin Rosemarie Lorenzen immer wieder, dass „die Bedürfnisse in den einzelnen Gemeinden so unterschiedlich sind“. Viele Dinge ließen sich gerade in kleinen Gemeinden eben auch auf dem kleinen Dienstweg regeln. „Demokratischer als durch die gewählten Gemeindegremien geht es nicht, jeder kennt jeden.“ Im kleinen Kreis lasse sich zudem besser argumentieren und für Akzeptanz werben.

Diese Auffassung teilt auch Westres Bürgermeister Peter Max Hansen und führt das Beispiel alternative Energien an, durch die auch kleinere Gemeinden das Glück hätten, zum Beispiel durch Windkraft finanziell gut dazustehen. „Die Gemeindevertretung kann mitbestimmen, wo ein Windrad stehen soll und wo nicht. In einer Großkommune sähe das mit Sicherheit anders aus.“ Bürgerwindparks seien zudem ein gutes Beispiel für Beteiligung und Demokratie, ergänzt Sprakebülls Bürgermeister Karl-Richard Nissen. Er betont zudem das wirtschaftliche Denken und Handeln, das die Bürgermeister für ihre jeweilige Gemeinde hätten.

„Wenn Südtondern eine Gemeinde wäre, würde alles aus Niebüll oder Leck geregelt werden“, merkt Ladelunds Bürgermeister Rüdiger Brümmer an. „Und dann wird auch das Geld von oben nach unten verteilt“, befürchtet Tinningstedts Gemeindechef Dirk Enewaldsen. Durch die Reform des Finanz-Ausgleichsgesetzes etwa hätten unterm Strich alle draufgezahlt. Gestärkt seien vor allem die Städte aus der Neuerung hervorgegangen.

Apropos Geld: Dass durch die Zusammenlegung zu einer Großkommune Verwaltungskosten gespart würden, glauben die Gemeindechefs nicht. Im Gegenteil: „Wir bekommen zwar Sitzungsgeld, leisten aber darüber hinaus viel mehr und sind die Kosten mehr als wert“, sind sich die Bürgermeister einig – „und in manchen Monaten zahle ich sogar drauf“, ergänzt Stadums Bürgermeister Werner Klingebiel. Diese Bereitschaft zum Ehrenamt, die auch die Dorfgemeinschaft zusammenhalte, gebe es nicht nur in der Gemeindevertretung. In einer Großkommune Südtondern würde dieses kostenlose Engagement auf der Strecke bleiben, ist die Ansicht der Bürgermeister.

Bürgernähe, Lebens- und Bildungsqualität, Selbstständigkeit: Darum fürchten die Gemeindechefs durch eine eventuelle Reform. Ein Ortsvertrauensmann, der an die neu zu schaffende Instanz als Ersatz für Bürgermeister und Gemeindevertretung referiert, ist für die Gemeindechefs keine Alternative. „Es ist etwas anderes, wenn Gemeinden sich selbst zur Fusion entschließen. Aber so einen Schritt übergestülpt zu bekommen, ist unvorstellbar“, fasst Ladelunds Bürgermeister Rüdiger Brümmer zusammen.

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 18.Apr.2015 | 08:30 Uhr

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