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Prominentes Hauspferd : Nasar trotzt tapfer großen Schmerzen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das vor einem Monat lebensgefährlich verletzte Hauspferd macht Fortschritte – bei optimaler Heilung wird es Mitte August nach Niebüll gebracht

shz.de von
erstellt am 19.Jul.2017 | 05:57 Uhr

Dieses Pferd ist anders als alle anderen: Vor genau einem Monat erlitt der intelligente Araber, der seit dem Orkan Xaver im Jahr 2013 zunächst im Haus von Stephanie Arndt in Holt und seit zwei Jahren in ihrem Hofgebäude bei Barcelona lebt, eine an sich nicht überlebbare Verletzung am rechten Hinterbein. Doch Nasar wollte nicht aufgeben, nicht gehen, er kämpft seitdem jeden Tag aufs Neue um sein Leben, sein besonderes Leben mit Stephanie Arndt, mit der er zusammen am Tisch frühstückt, Kuchen backt oder die Wäsche sortiert.

Noch ist der außergewöhnliche Araber, der seit vier Wochen in der Intensiv-Tierklinik in Barcelona behandelt wird, nicht über den Berg. „Aber der erste von sieben kritischen Monaten ist geschafft. Nasar macht deutliche Fortschritte“, freut sich Stephanie Arndt. Verläuft der Heilungsprozess weiter optimal, wird Nasar Mitte August transportfähig sein. Dann geht es zurück in den Norden nach Niebüll. Darauf freut sich der dortige mit Stephanie Arndt seit langem gut befreundete Kaufmann Ove Lück, der auf seinem Hof eine spezielle Box für Nasar herrichtet, die hohen Hygienestandards entspricht und Video überwacht wird. Dort soll Nasar wieder ganz gesund gepflegt werden, seine schweren Wunden werden dann alle paar Tage in der Tierklinik in Tarp behandelt werden.

Wie ist es zu dem schweren Unfall des international bekannten Hauspferdes gekommen? Auf Stephanie Arndts Ländereien in Zentralspanien, auf denen auch Wein und Oliven angebaut und unter Nasars Label seit kurzem in Schleswig-Holstein vermarktet werden, reißt sich das in einen Hohlraum eingebrochene Pferd an einem späten Abend – wie berichtet – das rechte Hinterbein an einem Metallpfosten auf einer Länge von 80 Zentimetern bis auf den blanken Knochen auf. Unerträgliche Schmerzen, ein immens hohes Infektionsrisiko durch Staub, Hitze und viele Insekten lassen die Situation hoffnungslos erscheinen.

Während der dramatischen, nächtlichen Not-Operation auf ihrem Feld denkt Stephanie Arndt bald nur noch daran, ihrem geliebten Pferd weitere Qualen zu ersparen, es zu erlösen. „Ich hatte mich – so unfassbar schwer das auch ist – von Nasar verabschiedet“, sagt sie. Doch die Tierärztin vollbringt im Schein von Taschen- und Handylampen Unglaubliches. Nasar wird in die Tierklinik nach Barcelona gebracht. Dort erkennt dann auch Stephanie Arndt bald: „Nasar will das durchstehen, er will leben.“ Lebensgefahr geht von dem hohen Infektionsrisiko aus.

Die Pferdemutter weiß genau: „Geht die Entzündung auf die Knochen, ist alles vorbei.“ Penibel steril, komplett frei von Schmutz und Nässe müssen Nasars Verbände und Bandagen sein. Für die zunächst täglichen Spülungen und Verbandswechsel wird das tapfere Pferd jedes Mal in Narkose versetzt, da die damit verbundenen Schmerzen nicht aushaltbar wären. „Ich bin begeistert von diesem Klinik-Team, das Nasar rund um die Uhr professionell, vollumfänglich und liebevoll versorgt“, sagt Stephanie Arndt gestern dankbar. Dieser Einsatz und die große Kooperationsbereitschaft des noch jungen Pferdes haben zu einem beachtlichen Heilungserfolg geführt.

Neues Gewebe hat sich um den nackten Knochen gebildet. „Dies wird ab heute sogar chirurgisch wieder etwas abgetragen, um Wucherungen und damit spätere funktionelle Beeinträchtigungen zu verhindern“, berichtet Nasars Besitzerin, die derzeit bei Temperaturen von bis zu 40 Grad fast täglich zwischen der Klinik und ihrem Hof hin und her rast. Die Energie dafür schenkt ihr der noch immer schwer kranke Patient. „Nasars Augen leuchten wieder, und manchmal hat er sogar schon den alten Schalk im Nacken “, sagt Stephanie Arndt

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Schmerz reduzierende Elektro-Akupunktur der Anästhesistin Dr. Cristina Costa von der Universitätsklinik Barcelona, die sich Nasar anstandslos gefallen lässt. „Ich kannte Elektroakupunktur bei Pferden vorher nicht und halte das für einen innovativen Ansatz“, sagt die Medizinerin. Gut bekomme Nasar auch das tägliche Gehtraining. Trotz des positiven Verlaufs, der Weg bis zur endgültigen Heilung ist noch lang. „Mindestens sechs weitere Monate werden folgen, bis die Wunden ganz verschlossen sind und damit das Infektionsrisiko gebannt ist“, sagt Stephanie Arndt.

So gut das Pferd, das sich oft eher wie ein Mensch verhält, in Barcelona auch versorgt wird, die Pferdebesitzerin freut sich schon jetzt unglaublich auf den Tag, „an dem Nasar und ich wieder im kühlen Norden mit Wind und Sprühregen sind“. 


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