Bürgermeister-Serie : Nähe zu Nordsee und Nolde

Im Herbst kommen viele Touristen und Naturfreunde nach Aventoft, um Vögel zu beobachten.
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Im Herbst kommen viele Touristen und Naturfreunde nach Aventoft, um Vögel zu beobachten.

In einer Interviewserie stellen wir die 30 Gemeinden Südtonderns vor. Heute: Aventofts Bürgermeisterin Christine Harksen.

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07. März 2018, 08:02 Uhr

Aventoft | Was macht Ihre Gemeinde so besonders? Warum sollte man nach Aventoft ziehen?

In erster Linie die wunderschöne Lage, die Nähe zur Nordsee, zum Wald, zum Rutebüller See mit seinen vielen Vögeln. Was ich als geborene Aventofterin sehr schätze, ist die Ruhe und Lockerheit. Wer einen kleinen Schnack möchte, bekommt ihn. Wenn nicht, ist das aber auch okay. Die Versorgung ist wegen der Grenzmärkte für eine kleine Gemeinde gut. Es gibt auch noch eine Tankstelle im Ort, und zwei kleine Gaststätten.

Ihre Gemeinde hat so dicht an der Grenze zu Dänemark eine besondere Lage. Welche Vor- und Nachteile bringt das mit sich?

Es ist für uns nur ein Katzensprung zu schönen dänischen Orten wie zum Beispiel Hoyer. Früher wurde die Grenze um 22 Uhr geschlossen, jetzt ist sie immer offen. Der Nachteil ist eine bescheidende Busanbindung.

Was sollte unbedingt verändert oder auf den Weg gebracht werden?

Eben die Busanbindung, auch die geplanten Routen des Rufbusses werden uns nicht wirklich weiter helfen. Zudem brauchen wir dringend den Anschluss an das Glasfasernetz, der ja auch kommen soll. Selbst eine 91-jährige Einwohnerin hat sich in die Liste eingetragen. Zudem wollen wir die Straßenausbausatzung zugunsten unserer Bürger ändern. Es kann nicht sein, dass ein Rentnerehepaar plötzlich etliche tausend Euro bezahlen muss, wenn eine Straße ausgebaut wird oder einen Bürgersteig bekommt. Ungerecht ist, dass wir auf unserem Gemeindegebiet keine Eignungsflächen für Windparks bekommen haben – wir sind wohl zu schön dafür.

Wie ist die Altersstruktur? Gibt es genügend Angebote für die jeweiligen Altersgruppen?

Aventoft wird immer älter, es gibt immer weniger Kinder. Wir sind froh, dass wir noch die dänische Kita im Dorf haben. Wir haben aber ein reges und vielseitiges Vereinsleben zu bieten, das reicht vom Luftsportverein bis zu Inter Aventoft mit seinen besonderen Fußballübertragungen, zu denen das halbe Dorf zusammen kommt. Von den 462 Einwohnern sind fast 400 in unserem Sozialverband, zu vielen Veranstaltungen laden auch das DRK, die Feuerwehr, die Kirche und die Ringreiter ein. Ein beliebter Anlaufpunkt bei schönem Wetter ist auch unser kleines Schwimmbecken.

Nordsee, Nolde und Seen vor der Haustür – wie wirken sich diese Attraktionen auf die Entwicklung des Tourismus aus?

Es gibt einige Zweitwohnsitze, aber wenige Betten für Urlaubsgäste. In der ehemaligen Post werden fast nur Quartiere an Gäste mit Hunden vermietet. Es gab in den vergangenen 20 Jahren einige Ideen, zum Beispiel als das Vereinsheim auf dem Flugplatz abgebrannt ist, doch die wurden alle wieder verworfen. Im Herbst kommen allerdings viele Touristen und Naturfreunde zu uns, um sich die Formation der Zugvögel vor ihrem Abflug in die Winterquartiere zu beobachten. Wir nennen dieses Schauspiel Sort Sol, schwarze Sonne. Besonders gut zu sehen sind die riesigen Schwärme beim Haasbergsee oder auch am Rutebüller See.

Gibt es einen Moment oder eine Situation, bei der Sie denken: Darum bin ich Bürgermeisterin geworden?

Gleich als ich 1996 ganz frisch mit 36 Jahren im Amt war. Da stand der Geburtstag eines alten Mitbürgers auf dem Plan. An sich hatte ich dafür keine Zeit, ich arbeite ja vormittags in der Kita in Süderlügum und nachmittags war der Kalender voll. Ich bin dann sofort nach der Arbeit dorthin gefahren. Der Jubilar hat sich so sehr darüber gefreut, hat sich so wert geschätzt gefühlt – es war sein letzter Geburtstag.

Was nervt Sie an der Kommunalpolitik am meisten?

Die langen Wege, die es oft braucht, bis eine Entscheidung getroffen ist, bis ein Projekt angegangen werden kann. Dieses Ehrenamt kostet zwar viel Zeit, aber die Nähe und der Austausch mit den Menschen, das Bewusstsein, etwas bewirken zu können, bringt so viel Freude. Deshalb werde ich am 6. Mai wieder antreten.

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