Bahnanbindung : Nächster Halt: Risum-Lindholm

Abgerissen: Lindholms Bahnhof.
Abgerissen: Lindholms Bahnhof.

Eine Vision mit Zukunft? Wenn es nach Bürgermeister Hauke Christiansen geht, dann sollten in seiner Gemeinde künftig wieder die Züge halten

shz.de von
31. Januar 2015, 05:00 Uhr

„Wir sind das Dorf, das alles hat“ lautet der Slogan, mit dem die 3700-Seelen-Gemeinde Risum-Lindholm für sich wirbt. Auch wenn dieser Satz noch nicht hundertprozentig zutrifft. Denn etwas fehlt noch, was von einigen Bürgern seit Jahren schon immer mal wieder bedauert wird – so auch auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung. Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Vereine – all das gibt es bereits. Nur einen Bahnanschluss, den gibt es nicht. Es gab ihn aber, und zwar noch vor 40 Jahren. Und wenn es nach Bürgermeister Hauke Christiansen geht, dann sollte dieser reaktiviert werden. „Denn alles, was unseren Ort beleben kann, das finde ich gut. Gar keine Frage“, sagt er, obwohl er selbst bezweifelt, ob der recht ambitionierte Wunsch jener Bürger je realisiert werden kann.

Sinnvoll wäre die Einführung einer Haltestelle nach Meinung des Bürgermeisters dennoch. „Wir sind eine wachsende Gemeinde, die demnächst zusätzlich rund 50 weitere Baugrundstücke schafft. Wir haben viele ältere Bürger, die die Bahn nutzen würden und über 100 Pendler sowie viele Handwerker, die sich ebenfalls freuen würden, wenn sie leichter nach Sylt kommen könnten.“ Damit hätte Risum-Lindholm, als Ort mit „überregionaler Versorgungsfunktion“ eingestuft, neben der bereits bestehenden Verbindung von Maasbüll aus nach Dagebüll und Niebüll eine Direktverbindung an die Strecke Hamburg/Westerland.

Wo ein Zusteigen erfolgen könnte, steht schon fest: Risum-Lindholm ist ein langes Dorf, das sich von Maasbüll bis Klockries über 9,6 Kilometer erstreckt. Genau in der Mitte, links und rechts der bestehenden Schienen am Bahnübergang an der Dorfstraße, könnte jeweils ein Bahnsteig mit Wartebereich entstehen. Genügend Fläche bestehe zudem, unweit der Bahnschienen Parkplätze für Autofahrer zu schaffen. Und falls je die erst kürzlich diskutierte Wiederbelebung der Bahnstrecke Lindholm/Flensburg aktuell werden sollte, dann könne sich die Gemeinde langfristig sogar zu einem wichtigen Knotenpunkt entwickeln.

Alles Hirngespinste? Eine Zukunftsvision? Langenhorn, 15 Kilometer entfernt und mit 3140 Einwohner kleiner als Risum-Lindholm, hat so einen Haltepunkt der Bahn. „Warum Langenhorn und nicht Risum-Lindholm?“, fragt sich daher Bürgermeister Christiansen.

Die Ansprechpartner für den Haltestellen-Wunsch finden sich in der Landeshauptstadt Kiel. Dort hat die für die Erschließung und Planung des Schienen-Nahverkehrs im Land zuständige NAH.SH GmbH ihren Sitz. Für Ideen wie aus Risum-Lindholm gibt es hier einen klaren Kriterien-Katalog: „Die wichtigste Anforderung für die Wiedereröffnung ist, dass der Standort Potenzial haben muss“, sagt der Infrastrukturplaner bei NAH.SH, Jochen Schulz. Dazu gehört es, dass es genug Einwohner im unmittelbaren Einzugsbereich geben muss. Falls dies nicht gegeben sein sollte – Risum-Lindholm ist ein langes Dorf – könne man dies über die Einrichtung von Busanschlüssen auffangen. „Ähnlich ist man so erst kürzlich in Schillsdorf bei Rendsburg verfahren“, erinnert sich Schulz. Dort gebe es aber, anders als in Risum-Lindholm, etwa 10  000 potentielle Fahrgäste. Zweites Kriterium ist die bauliche Realisierbarkeit der Haltestelle. „Hier können schnell unvorhergesehene Kosten entstehen, die schon durch die Versetzung von Signalen anfallen können.“ Letzte Voraussetzung für Risum-Lindholms Anschluss an die Bahnstrecke ist die Abstimmung mit dem bestehenden Fahrplan. Was hier verkehrstechnisch geht und was nicht geht, das definiere ein sogenannter „Integraler Taktfahrplan“, erläutert Verkehrsplaner Jochen Schulz. Demnach dürften die Züge ihre halbstündliche und stündliche Taktung nicht verlieren. Ob eine neue Haltestelle zwischen Husum und Niebüll in den Fahrplan passe, müsse deswegen erst geprüft werden.

Risum-Lindholm wäre bereit, zur Wiederbelebung eines Bahnanschlusses nach Absprache auch etwas beizutragen, verspricht Hauke Christiansen, der den Wunsch aus seiner Gemeinde ernst nimmt, sich darum kümmern will und deshalb sagt: „Wir werden mit der Bahn Verbindung aufnehmen“ – vielleicht im wahrsten Sinne des Wortes.

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