zur Navigation springen

Achtrups Bürgermeister wehrt sich : Nachhaltige Unterstützung gefordert

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Durch den demographischen Wandel vom Aussterben bedroht? Bürgermeister Uwe Matthiesen sieht seine Gemeinde Achtrup gut aufgestellt.

von
erstellt am 15.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Bundestagsmitglied Matthias Ilgen hatte kürzlich in einem Interview mit dem Nordfriesland Tageblatt Achtrup als ein Beispiel für die Gefahren des demographischen Wandels auf dem Land ausgewählt. Demnach drohe der Gemeinde in 20 bis 25 Jahren das Schicksal, dass zunehmend ältere Bürger abwandern, der Ort damit aussterbe. Wie ich hörte, hatten Sie das Interview beim Frühstück gelesen. War Ihnen als Bürgermeister danach der Appetit vergangen?
Uwe Matthiesen: Ja, denn ich habe mich über die Aussage sehr geärgert – wie viele andere Achtruper auch. So ein Vergleich schadet grundlos dem Image von Achtrup. Wieso wurde ausgerechnet unsere Gemeinde als Negativbeispiel ausgewählt? Achtrup zählt ja nun nicht gerade zu den Orten, die am stärksten betroffen sind.

Inwiefern?
Wir können alles bieten, was die Bürger in einem Ort brauchen. Wir haben eine Tankstelle, die mit dem Verkauf von Back- und Fleischwaren zur Grundversorgung beiträgt. Wir haben einen Facharzt vor Ort, eine Seniorenwohnanlage, eine ausgebuchte Krippe, einen Kindergarten, eine Schule. Wir haben 20 Vereine, Gewerbe, den Ladelunder Bürgerbus, den wir mitnutzen, Bebauungsgebiete, die auf Interesse stoßen und die Nähe zu Leck. Achtrup ist ein attraktiver Ort.

Und trotzdem hatte Herr Ilgen den Ort als Beispiel ausgewählt.
Ich weiß nicht, ob er Achtrup überhaupt wirklich kennt. Vielleicht ist er hier mal durchgefahren.

Fakt aber ist, dass der demographische Wandel den Gemeinden zu schaffen macht.
Aber anderen weit mehr als uns. Karlum, Bramstedtlund, Ladelund, Westre – diese Orte sind stärker betroffen, wobei das nicht an den Gemeinden und den Bürgermeistern liegt, sondern oft einfach nur an der Lage. Einige Gemeinden in Südtondern haben beispielsweise das Glück, Windkraftanlagen bauen zu dürfen. Denen geht es gut. Andere haben das nicht.

Wie kann denn den hiesigen Orten Ihrer Meinung nach geholfen werden?
Sie sollten mehr Freiheiten bekommen. Stattdessen sind sie aufgrund des Landesentwicklungsplans in ihren Plänen stark eingeschränkt. Beispielsweise ist es so gut wie unmöglich, Gewerbe anzusiedeln, was aber finanziell weiterhelfen würde. Und es wäre auch wünschenswert, wenn die kaputten Straßen instand gesetzt werden könnten. Auch muss Achtrup weiterhin ein Schulstandort und attraktiv für den Tourismus bleiben.

Die Infrastruktur muss stimmen …
… um mithalten zu können. Achtrup ist beispielsweise auch noch nicht an das schnelle Internet angeschlossen. Wenn die Bundes- und Landespolitik aber mitspielen und die Breitbandgesellschaft mehr unterstützen würde, dann hätte das längst schon passiert sein können.

Und wenn die Infrastruktur stimmt, dann klappt’s auch mit den älteren Bürgern?

Bei uns können Senioren ohne Sorgen ihren Lebensabend verbringen. Dafür sorgt unter anderem auch der aktive DRK-Ortsverband.

Sie glauben also, dass der Trend zum Abwandern in die Städte oder größeren Orte verhindert werden kann?

Ja, denn unsere Bürger leben gern in ihrem Dorf. Es ist aber wichtig, dass die Gemeinde nachhaltig Unterstützung durch die Politik erhält, um die bestehende Dorfstruktur für alle Altersgruppen zu erhalten oder sogar zu verbessern. In Achtrup leben übrigens auch gar nicht so wenige Bürger, die der Großstadt den Rücken gekehrt haben und sich nun im ländlichen Raum wohlfühlen.


Sie hatten mit Herrn Ilgen bereits Kontakt aufgenommen, um Ihren Unmut kundzutun.

Und er will demnächst nach Achtrup kommen.

Wie wird der Besuch dann verlaufen?

Ich werde gemeinsam mit ihm durch unser schönes Dorf fahren und ihm zeigen, was Achtrup alles zu bieten hat.





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen