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Nordfriesland Tageblatt

22. August 2017 | 02:28 Uhr

Erster Weltkrieg : Nachdenken über Verdun

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Historiker und Publizist Dr. Olaf Jessen las in der Stadtbücherei aus „100 Jahre Erster Weltkrieg“

„100 Jahre Erster Weltkrieg – Verdun 1916 – Urschlacht des Jahrhunderts.“ Unter diesem Schlagwort hatten Stadtbücherei und Rotarier den Historiker Dr. Olaf Jessen nach Niebüll geholt, wo er aus seinem neuen „Verdun-Buch“ las und Zusammenhänge um die „Urschlacht des Jahrhunderts“ erläuterte.

Der 46-jährige Historiker und Publizist, von der Kritik für saubere, akribisch intensive Recherche und seine glänzende „Schreibe“ gelobt, ist durch zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Geschichte bekannt geworden. Bei der Lesung in der Bücherei fiel die maskuline Majorität auf. Einige der Besucher hatten bei Frankreich-Reisen Station in Verdun gemacht und auch das Beinhaus von Douaumont besucht, eine der Grab- und Gedenkstätten für die Toten beider Seiten, die auf 800 000 gefallene Soldaten geschätzt werden.

In der Schilderung des Husumer Autors werden zwei Aspekte deutlich: die militärische und taktische Sichtweise auf der einen und das entsetzliche Grauen auf der anderen Seite. Als zentrale Figur kommt der Chef der obersten Heeresleitung Erich von Falkenhayn ins Spiel, der die französische Armee „verbluten“ lassen wollte. Andererseits aber wollte man deutscherseits zum erfolgreichen Bewegungskrieg zurückkehren. Auf Seiten der Franzosen buhlten Politik und Militär um die richtige Taktik, die sich schließlich darin auflöste, dass Verdun nationalen Symbolcharakter bekam. Ergebnis: Die Schlacht mutierte zu einem 300-tägigen Stellungskrieg, in dem die Landschaft um die Zitadelle Verdun von 50 Millionen Granaten und Minen durchpflügt wurde und sich die gefallenen Soldaten zu Bergen auftürmten.

Was am Ende blieb, waren Erkenntnisse und Fragen. Der erste große Krieg der Weltgeschichte hatte die erste große Materialschlacht erlebt – und das erste große Massensterben. Militärisch gesehen, endete sie mit einem Patt, das die Front zwischen Ost und West nicht veränderte. Doch sie beschleunigte den Eintritt der USA in den Krieg und das daraus resultierende Ende der deutschen Streitkräfte, zumal sich der Krieg auch auf die Meere ausweitete. Dass dem sinnlosen Sterben kein früheres Ende beschert wurde, lag nicht zuletzt am sturen taktischen Festhalten der deutschen Generalität. So senkte sich über die Region Verdun eine Totenglocke, unter der Spuren noch heute sichtbar werden.

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