Leuchtturm auf Pellworm : Nach 3841 Hochzeiten – Wilfried Eberhardt tritt ab

Kapitän Wilfried Eberhardt steht im Hochzeitszimmer des Pellwormer Leuchtturms.
1 von 2
Kapitän Wilfried Eberhardt steht im Hochzeitszimmer des Pellwormer Leuchtturms.

Für den Kapitän ist Schluss auf dem Pellwormer Leuchtturm. „Ich habe schon neue Pläne“, sagt Wilfried Eberhardt.

Avatar_shz von
12. Dezember 2014, 13:31 Uhr

Pellworm | Leuchttürme stehen für Orientierung, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Mehr als 3.800 Hochzeitspaare haben seit 1998 diese Symbolik für ihre Trauung auf dem Pellwormer Leuchtturm gewählt. Nach mehr als 16 Jahren hört Organisator Wilfried Eberhard jetzt auf.

Ein letztes Mal wird Kapitän Wilfried Eberhard am 20. Dezember das Trauzimmer im Pellwormer Leuchtturm vorbereiten. Einmal noch ein Brautpaar mit dem Schlagen der Schiffsglocke und einer Kapitänszeremonie in den Hafen der Ehe geleiten. Dann ist Schluss: Nach genau 3.841 Hochzeiten wird der 75-Jährige die Tür des rot weiß gestrichenen Turms zuschließen. Ein Pionier der Leuchtturmhochzeiten tritt ab.

Wehmütig wirkt Eberhardt nicht, wenn er in diesen Tagen auf sein besonderes Unterfangen zurückblickt, das die nordfriesische Insel weithin bekanntgemacht hat. Dankbar klingen seine Erzählungen von heiteren wie rührenden Begebenheiten. Einmal habe sich eine ganze Hochzeitsgesellschaft in gelbem Ölzeug, komplett mit Gummistiefeln und Südwester, schweißgebadet die 140 Stufen hinaufgekämpft. „Das fanden die sehr originell.“ Oder das Paar, das gegen seinen Rat mit einem Kajak von Eiderstedt nach Pellworm paddelte, im Neoprenanzug heiratete und auf dem Rückweg fast einen Einsatz der Seenotretter auslöste.

Für etliche Paare, die aus aller Welt kamen, war die Hochzeit auf Pellworm nicht der erste Versuch und einige kletterten mit Eberhardt auf den oft sturmumtosten Leuchtturm, um ein bestehendes Eheversprechen in schwieriger Zeit zu erneuern. „Ich habe so viele wunderbare Menschen kennengelernt. Das ist eine der wertvollsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben machen konnte.“ Viele meldeten sich Jahre nach der Hochzeit wieder, etwa um von der Geburt ihrer Kinder zu erzählen.

Aber auch, wenn eine im Leuchtturm geschlossene Ehe traurig endete, erfuhren Eberhard und seine Lebensgefährtin Barbara Küchler das oft in berührender Weise. „Ich hatte schon nächtliche Anrufe und lange Gespräche, wenn ein Partner gestorben war“, sagt die 75-Jährige. Arne Bruhn und seine frisch angetraute Frau Janine aus Hannover kommen nach der Zeremonie die Treppen des Turms herunter und strahlen. „Wir haben schon immer Leuchttürme als ein Symbol gesehen. Das war wunderbar, ein tolles Erlebnis.“ Ein Blick in das Gästebuch zeigt die bleibende Verbundenheit mit Pellworm. So verbringt ein Paar seine Hochzeitstage immer auf der Insel: „Der Leuchtturm steht für uns als festes Symbol und wie auch im letzten Jahr haben wir auf dem Deich gesessen und auf den Leuchtturm geschaut.“

Die beiden 75-Jährigen Organisatoren leben in einem urigen Reetdachhaus ein paar Kilometer nördlich des Turms inmitten eines Gartens mit knorrigen Bäumen, Hecken und Blütenpracht im Sommer. Beide hatten sich bereits als junge Leute ineinander verliebt. Zunächst wieder getrennt, fanden sich der Seemann und die Leiterin eines Studienzentrums erst Jahrzehnte später wieder. Jedes Brautpaar bekommt von Eberhardt ein von einem Künstler gestaltetes, handschriftlich ausgestelltes Zertifikat - mit laufender Nummer, Stempel, Unterschrift und allem Drum und Dran. Das gilt auch für Besucher, denen Eberhardt den seit 1907 betriebenen stählernen Leuchtturm erklärt - vom Fundament auf 127 Eichenstämmen bis zum kilometerweit auf die Nordsee hinausreichenden Licht.

Fast 60.000 Frauen, Männer und Kinder waren es insgesamt, gut 50 Mal so viele, wie die Insel Einwohner hat. Der Kapitän setzte mit der ersten Hochzeit auf einem noch betriebenen Leuchtturm im Mai 1998 früh auf den Trend zum Heiraten an besonderen Orten. Standesbeamte in ganz Deutschland verlassen inzwischen immer öfter die Amtsstuben. Trauungen auf der Zugspitze in fast 3.000 Metern Höhe sind ebenso möglich wie 800 Meter unter Erde im Erlebnis-Bergwerk Merkers in Thüringen.

Hochzeiten seien sehr wichtig für Pellworms Wirtschaft, sagt Amtsvorsteher Matthias Piepgras. „Ich würde mich freuen, wenn wir das noch ausbauen können.“ Rund 300 Mal im Jahr geben sich Heiratswillige auf der nordfriesischen Insel das Ja-Wort. Was folgt nun nach vielen Tausend Mal 140 Stufen? Ein ruhiges Rentnerleben? „Nein, ich habe schon neue Pläne“, sagt Eberhardt, lächelt und verrät nichts. Einen maritimen Bezug habe es natürlich und werde nicht mehr so viel Zeit in Anspruch nehmen. Hochzeiten wird es weiterhin auf dem rot-weißen Leuchtturm geben.

Ursula Pelzl, die das Hotel Friesenhaus führt, übernimmt und will das Angebot von Januar 2015 an erweitern. Hochzeitspaare sollen ihr Paket aus verschiedenen Angeboten zusammenstellen können. „Ich freue mich besonders auf die Rosen-Hochzeit“, sagt Pelzl. Dabei kann jedes Paar nach der Trauung einen Pellwormer Rosenstock am Leuchtturm pflanzen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen