zur Navigation springen

Musikalische Impressionen der „Saxophanten“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 12.Nov.2014 | 12:47 Uhr

Das vom kürzlich verstorbenen Detlef Eulenberger vor fünf Jahren gegründete Orchester „Saxophanten“ bot in der Christuskirche ein beeindruckendes Konzert. Als Dirigent, „Ventilposaunen-Saxophonist“ und Moderator des noch von Eulenberber zusammengestellten Programms fungierte Lars Brodersen (Niebüll). Das Ensemble besteht aus 24 Saxophon spielenden Hobbymusikermusikern aus dem Landesteil Schleswig, der Region Nordschleswig sowie einem Mitglied aus Aurich.

Den ersten Block des Konzertes bildeten Kompositionen aus der Zeit des Frühbarocks, also einer Zeit, zu der es noch gar keine Saxophone gab. Dies entsprach aber genau der Handlungsweise der Komponisten der Renaissance, die jene Instrumente einsetzten, die gerade vorhanden waren. Wie sich zeigte, gaben die kräftigen, obertonreichen Klänge der Sopran-, Alt, Tenor und Baritonsaxophone den Kompositionen einen besonderen Reiz. Dies gilt für die doppelchorige Fanfare von Jean Baptiste Lully, das feierlich vorgetragene „Passamezzo“ von Michael Praetorius und eine rhythmisch abwechslungsreiche Tanzsuite eines der berühmtesten Lautenisten seiner Zeit: John Dowland.


Kontrastreiche Stückauswahl


Im starkem Kontrast dazu erklang der von Hanne Römer zeitgenössisch arrangierte, Adolphe Sax zum 200. Geburtstag gewidmete Glückwunsch: „Happy Birthday!“ Mit den Ziel, die einzelnen Instrumente aller vier im Chor vertretenen Tonlagen genauer vorzustellen, fügten die Musiker zwei reizvolle „Einlagen“ ins Programm ein: je eine für zwei hohe und zwei tiefe Saxophone. Zu ersterer steuerte Dieter Grün auf seinem Altsaxophon eine meisterlich zelebrierte Improvisation bei. Diese wurde sogar noch übertroffen, als er den von ihm selbst arrangierten Song „Alabama“ von John Coltrain vortrug und dabei zu einem Bordun des Orchester leidenschaftlich, mitreißend „jazzig“ improvisierte. Der elegische Song – Höhepunkt des gesamten Konzertes – erinnerte an die brutale Ermordung Schwarzer durch den Ku-Klux-Klan. Mit dem musikalischen Leitmotiv des an die Judenverfolgung erinnernden Streifens „Schindlers Liste“ bot das Orchester einen Abstecher in die Welt der Filmmusik. Zur Darbietung der originellsten Komposition des Nachmittags, angekündigt als „Die Welle“ von Bernd Molter, verteilten sich die Musiker im gesamten Kirchenschiff. Tonlose Anblasgeräusche wurden abgelöst durch ein ostinates, von Paukenschlägen begleitetes Thema, das in einen Mollakkord einmündete, der sich dynamisch ständig zu einer Art Glockengeläut steigerte, um am Ende wieder mit einem Luftrauschen zu verebben.

Zum Gedenken an Detlef Eulenberger spielte ein Quartett den nachdenklich stimmenden Clapton-Titel „Tears in Heaven“.

„Le petit négre“, verfasst vom Impressionisten Claude Debussy, leitete über zu leichterer Kost. Mit spürbarer Freude und Sicherheit durch Routine spielten die Saxophanten den „Entertainer“ von Scott Joplin und „Time After Time“ von Cyndi Lauper auf, um ihr reguläres Programm mit dem Glenn Miller-Hit „Little Brown Jug“ zu beenden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen