Harmonika-Club in der Stadthalle Niebüll : Musikalisch einmal um die Welt

Dirigent Martin Gehrke führte sein Orchester einmal um die Welt.
Dirigent Martin Gehrke führte sein Orchester einmal um die Welt.

Abwechslungsreiches Jahreskonzert mit dem Harmonika-Club begeistert 450 Zuhörer in der Niebüller Stadthalle.

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21. November 2017, 03:53 Uhr

Niebüll | Schon lange vor dem offiziellen Einlass tummelten sich sowohl Besucher als auch Mitwirkende im Foyer der Niebüller Stadthalle, um dem 68. Jahreskonzert des Harmonika-Clubs beizuwohnen. An die 450 Besucher füllen die Stadthalle und warten gespannt, bis sich endlich der rote Samtvorhang öffnet. Ingemarie Nielsen, Vorsitzende des Vereins, kündigt ein unterhaltsames Programm an, das in unterschiedlichste Länder der Welt führen wird. Dabei übernimmt das Orchester die Flugbegleitung der „Passagiere“ im Saal.

Das erste Reiseziel heißt Frankreich und mit „Ready for Take-Off“ übergibt die 1. „Stewardess“ Leitung und „Start“ an den „Piloten“ Martin Gehrke. Der Dirigent hebt den Taktstock und eröffnet das Konzert mit dem Finale aus der Symphonie Nr. 3 von Camille Saint-Saens. Die 24 Akkordeonisten lassen ein packendes Zusammenspiel ertönen, unterstützt von zwei Pianos und Schlagzeug/Percussion. Zwischen sanften hohen Klängen und einer tiefen massiven Basslinie spielen sich die verschiedenen Stimmen die musikalischen Bälle zu. Aus allen Richtungen kommen die Einwürfe, ein Orgelklang verleiht dem Stück das Besondere. Im Anschluss geht die Reise nach Kroatien. Der 1., 2. und 4. Satz der Dalmatinischen Tänze von Adolf Götz werden aufgeführt. Schon nach den ersten Takten ist der fernöstliche Charakter dieses Werkes zu erkennen, fast sieht man den flötespielenden Schlangenbeschwörer vor sich. Der präzise Zusammenklang der Stimmen ist nicht zuletzt auf die klare Gestik Martin Gehrkes zurückzuführen. Er gibt deutliche Einsätze und übermittelt dem Orchester die Feinheiten von Dynamik und Rhytmik mit Körpersprache und „fliegendem“ Taktstock. Mit der Filmmusik aus „Fluch der Karibik“ von Klaus Badelt führt die Reise zu den Piraten der Südsee. Captain Jack Sparrow auf seinem Schiff Black Pearl wird bei den bekannten Melodien lebendig. Genau wie der Film ist die Musik aktionsreich und abenteuerlich. Rasante und voluminöse Passagen donnern, gewürzt mit piano-forte Spannung und Tonartwechseln voller Dramatik.

Im Anschluss wartet das 2. Orchester auf und eröffnet seinen Auftritt mit dem Prelude aus dem Te Deum von Marc-Antoine Charpentier, besser bekannt als Eurovisionshymne. In dieser Formation sitzt die junge Generation dicht und vertraut neben der älteren. Musik verbindet in jeder Hinsicht, ein berührendes Bild! Mit „Moon River“, dem Klassiker von Henri Mancini, geht die Reise nach New York, danach erklingt „Rendez-Vous IV“von Jean Michel Jarre. Das Stück wird der elektronischen Musik zugeordnet, der eingängige Disco-Charakter lässt wiederum alle anwesenden Füße ordentlich wippen. Eine kurze aber wichtige Unterbrechung des Programms erfolgt durch die Ehrung langjähriger Mitspielerinnen des Harmonika-Clubs. Die 2. Vorsitzende Dörte Schwobe verliest die Namen: Levka Hildebrandt spielt seit 20 Jahren im Orchester, Sonja Jessen und Ingemarie Nielsen seit 25 Jahren, 30 und stolze 40 Jahre halten Angelika Raddatz und Ose Johannsen dem Verein die Treue. Nach den Ehrungen wird das berührende „Hallelujah“ von Leonard Cohen zu Gehör gebracht. Es erhält einen besonderen Glanz durch den Gesang von Inken Matthiesen-Hempel und Tochter Christine. Mit intonationssicherem Sopran und Alt beeindrucken die beiden Frauen und erzeugen mit ihren schönen Stimmen eine Gänsehaut beim Publikum.

Nach der Pause hat das Schülerorchester seinen großen Auftritt. „Pilotin“ Ute Schröder-Petersen „startet“ mit dem Traditional „Oh when the Saints“ in einem moderaten Tempo in diesen Teil des Programms. Es folgen zwei „Songs für kleine Akkordeoisten“ von Jiri Rada, „Hey Pippi Langstrumpf“ und „Techno Gusvig“ von Lars Holm. Die elfjährige Emely Bruhn überzeugt als Solistin mit „Winnetou“ von Martin Böttcher. Hochkonzentriert und kerzengerade sitzen die neun Mädchen und drei Jungen mit ihren kleinen Akkordeons wie festgewachsen auf ihren Plätzen, kaum ein Blick schweift von den Noten ab. Sie wollen ihre Sache gut machen und das gelingt ihnen auch. Die vom Verein praktizierte musikalische Förderung der Jugend ist eine Erfolg versprechende Investition in die Zukunft des Clubs, das zeigt sich hier!

Bei der monumentalen Pop-Oper „Bohemian Rhapsody“ von Queen zeigen die eingespielten Akkordeonisten des 1. Orchesters, was in ihnen steckt. Die Manöver durch die zahlreichen Tempo-, Tonart- und Taktwechsel meistern sie mit Bravour. Ebenso gekonnt spielen sie zum Abschluss ein Potpourri aus Melodien des Musicals „Westside-Story“ von Leonard Bernstein. Die volle Bandbreite menschlicher Emotionen wird musikalisch überzeugend umgesetzt. Das Publikum applaudiert begeistert. Mit den Zugaben „Tarantella“ und „Trompetenecho“ endet ein unterhaltsames Konzert.

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