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Weltpremiere : Musik-Reise in die friesische Sagenwelt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Wasserwesen, Wehlenweiber, Unterirdische und die Macht der Liebe: Das Musical „Di Widergunger“ begeistert seine Zuschauer

von
erstellt am 08.Apr.2014 | 05:15 Uhr

Ein friesisches Musical? So etwas gab es bisher noch nicht in Nordfriesland. Die Friisk Foriining und der Frasche Feriin for e Ååstermååre, unterstützt vom Friesenrat, nahm am Sonntag 300 begeisterte Küstenbewohner mit auf eine abenteuerliche Reise in die maritime Sagenwelt – am Steuer das Multitalent Gary Funck und mit an Deck Wasserwesen, Wehlenweiber und Unterirdische.

Es fing zum Gruseln an. Die Akustik aus Sven Stümers hochphonigen Röhren gaukelte ein Unwetter á la „Christian“ und „Xaver“ vor. In der gemütlichen Stube eines heimeligen Friesenhauses griff Elke ins Bücherregal, um aus Omas reichem Fundus vorzulesen. „Di Widergunger“ (der Wiedergänger) lautete der Titel der Geschichte. Und so lautete auch der Titel der musikalischen Abenteuerreise, die Gary Funck aufschrieb und in einer Fülle von Szenen vertonte.

Elke las vor. Hark und seine beiden Fischerkameraden Svend und Oluf steuern ihr Boot durch einen Orkan. Es droht zu kentern. Doch Hark rettet das Boot, wird aber von einer Woge erfasst – und bleibt auf See. Seine geliebte Ose ist erschüttert und weint: „Wat däi ik deerfor, wan uk ik aw e wååtergrüne läi (Was gäbe ich dafür, auch auf dem Meeresgrund zu liegen)?“

Während Ose im Bett liegt, spukt es in ihrer Kammer. Ob das womöglich Hark ist? Dieser geistert fortan durch die folgenden Szenen – als vermeintlich Untoter, als Wiedergänger. Rund um die zentrale Geschichte ranken sich Szenen aus der geistigen Sagenwelt. Ose sucht den Kontakt zur alten und weisen Triene aus der Kate auf dem Deich, die Traum und Realität zu verbinden weiß – ihr aber auf dem Weg zu Hark nicht helfen kann.

Das kann schon gar nicht das schwarze Wehlenweib, das keine Menschen mag und der armen Ose gesteht, dass Hark vom Wassermann und seiner grausamen Frau festgehalten wird. Hilfe bekommt sie von König Finn, der ihr verrät, wie sie dem Wassermann und seinem Weib den Garaus machen kann. Ose, inzwischen in die Jahre gekommen, geht ins Wasser, gelangt am Grunde der Nordsee zu einem Schloss, wo der Wassermann die Seelen der Seeleute gefangen hält – und ihren Hark als Sklaven.

Ose besiegt den Wassermann, lässt das Schloss einstürzen – und gelangt mithilfe des Wehlenweibes in die Realität zurück. Es bleibt der Fantasie überlassen, wie weit Traum und Wirklichkeit auseinander liegen. Gleichwohl bleibt die Erkenntnis, dass das Band der Liebe jeglicher Zerreißprobe standhält.

„Toll, was wir gesehen haben. Die friesische Kulturszene ist um eine neue Qualität reicher geworden“, freute sich Institutschef Prof. Dr. Thomas Steensen. In der Tat bot ein in „Komedii“, Sketch und vielfältigem darstellenden Spiel erfahrenes Ensemble eine reife Leistung. Die eigentlich uralte Geschichte dieses Singspiels, ein Mix aus Seefahrt und Sagenwelt, war musikalisch verpackt in modernen „Sound and Rhythm“, gewürzt mit dem einen oder anderen Gag und mit Freude am Spiel und nicht ohne listiges Augenzwinkern.

Und vor allem war das Musical von A bis Z ein riesiger Spaß. „Chapeau, Ihr tollen Nordfriesen!“ kann man da nur sagen.


 





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