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Nordfriesland Tageblatt

24. Oktober 2017 | 01:26 Uhr

Kultur : Musik mit Herz und Verstand

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Björn Paulsen macht Musik seitdem er 14 Jahren alt ist, mit Anfang 20 schrieb er eigenen Lieder, jetzt nimmt er sein zweites Album auf.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2017 | 05:10 Uhr

Die Gitarre auf dem Schoß steht ihm gut. Björn Paulsen ist durch und durch Musiker. Das wird dem Beobachter spätestens klar, wenn Paulsen sein Instrument in die Hand nimmt, kurz die Augen schließt und beginnt zu spielen. Sein zweites Album nimmt er aktuell im Watt’n Sound-Studio auf, einige Songs sind bereits eingespielt, und an anderen arbeitet er noch. „Ein Lied habe ich auch gemeinsam mit den Shantys aufgenommen.“ Der Niebüller Chor singt bei dem Lied „Nichts tut für immer weh“ mit. Einem breiten Publikum bekannt geworden, ist er durch eine Castingshow vor rund fünf Jahren. Dabei war er bereits Jahre davor als Musiker unterwegs.

Seine Texte handeln von Liebe, Wiedersehen und Sehnsucht, von Heimatgefühlen und dem Älter werden. Dabei sind es nicht seine eigenen Erfahrungen in Reinform, die er in den Liedern verpackt. „Irgendwie steckt da immer die eigene Geschichte drin, dabei schreibe ich eigentlich ungern über mich selbst.“ Es seien mehr Beobachtungen und Erlebnisse anderer - geschickt verpackt. Das Liederschreiben beginne bei ihm meist mit einem „coolen Satz, einem Textfitzel“. Sie würden ihm meist dann in den Kopf schießen, wenn er unterwegs sei, beim Autofahren.

Das Schreiben eigener Texte hat er mit 20, 22 Jahren angefangen. „Eigentlich relativ spät“, so Paulsen. Dabei spielte er schon länger in verschiedenen Bands und hatte sich seine erste Gitarre mit 14 Jahren im Versandhandel bestellt. „Das Spielen habe ich mir teils selbst beigebracht, teils von einem Lehrer gelernt. Ich habe mir immer dann einen gesucht, wenn ich selbst nicht weitergekommen bin.“ Auch das Schlagzeugspiel hat er so gelernt. Björn Paulsen betont: „Man lernt das Musikmachen nicht in der Musikschule, sondern indem man Musik mit anderen macht.“ Das sage er auch seinen Schülern immer.

Doch wieso kam er erst so spät auf die Idee seine eigenen Lieder zu schreiben, wenn das Musizieren ihn bereits seit seiner Jugend begleitet? „Ich habe ursprünglich damit angefangen, weil ich mein Ding machen wollte.“ Verschiedene Band-Kombos seien davor in die Brüche gegangen. Das habe immer wieder zu Rückschlägen geführt. „Du musst dir selbst in den Hintern treten, wenn du was erreichen willst. Wenn du den Bock nicht hast, wird das mit der Musik nichts.“ Diese Ansicht sei mit viel Idealismus verbunden, den seine Bandmitglieder teilen. „Aber das erwarte ich gewissermaßen auch von den Leuten mit denen ich zusammenarbeite.“

Doch um von der Musik den Lebensunterhalt zu stemmen, reicht es auch nach der Casting-Show nicht aus. „Die Fernsehsendung war ein gutes Sprungbrett. Außerdem ist darüber der Initiator des Wacken-Festivals, Holger Hübner, auf mich aufmerksam geworden“ Hübner nahm ihn unter seine Fittiche, als er einen Tag nach der Sendung Björn Paulsen anrief und ihm seitdem Auftritte vermittelt.

Gelernt hat der Musiker eigentlich den Beruf des Maurers. „Doch wenn du jeden Tag acht Stunden weg bist, fehlt die Zeit zum Liederschreiben, Platten aufnehmen und das Touren unterliegt dann vielen zeitlichen Kompromissen.“ Deshalb erfüllte er sich gemeinsam mit seinem Kollegen Kay Brandt vor vier Jahren den Traum von der eigenen Musikschule. „In den Job bin ich Stück für Stück hereingewachsen. Mittlerweile haben wir rund 40 Schüler.“ Durch den neuen Berufsweg sei er flexibler, habe aber auch weiterhin ein festes Standbein. Dennoch bleibt das Ziel: „Von den Gigs und Platten leben können.“

Dabei kommt er mit seiner Musikerkarriere stetig voran. Die Konzerte sind gut besucht und einige Radio-Sender hatten seine Singles 2016 ins Programm aufgenommen. „Wir sind zur Tour aufgebrochen, ohne zu wissen, was uns erwartet. Am Ende war es ein Erfolg.“ Die Band spielte teils vor 200 bis 250 Leuten. Das Publikum sang mit und kannte Paulsens Texte auswendig. „Das ist schon ein geiles Gefühl.“

Neue Lieder und Texte erwarten die Freunde seiner Musik auf dem neuen Album. „Auf der Platte wird so wenig wie möglich geschnitten“, sagt Paulsen. „Das Album soll dynamisch und echt klingen. Deshalb nehmen meine Mitmusiker und ich auch so viel wie möglich Live im Studio auf.“ Sie spielen dabei gleichzeitig und gemeinsam ihre Instrumente ein. Dabei nehmen sie nicht zum Klick (Metronom) auf, dass die Geschwindigkeit vorgibt. „Wenn der Schlagzeuger ein wenig langsamer wird, tut es der Rest der Band eben auch.“

Bei seinem Debütalbum „Haltestelle“ war das anders. Da wurden die Tonspuren einzeln, teils von Studiomusikern, eingespielt. „So arbeiten heute viele Bands, und das ist auch nichts Schlechtes. Aber da kommt die Magie nicht so rüber. Live geht eben mehr ab als auf Platte, das habe ich oft gehört.“

Björn Paulsen hat klare musikalische Ziele: Punkt eins ist ein gutes Album herauszubringen, Punkt zwei ist die darauf folgende Tournee. „Und „ich hoffe auf eine gute Festivalsaison“. Das sei immer eine gute Chance ein neues Publikum zu erreichen.“ Außerdem freut er sich sehr aufs Unterwegssein. „Wenn ich längere Zeit an einem Ort bin, sinkt die Laune schon mal, da ich dann keine neuen Leute kennenlerne.“

Die Frage nach seinen liebsten Auftrittsorten der vergangenen Jahre ist für den Musiker schnell beantwortet: „Überall, wo Wasser ist, ist schon einmal richtig gut.“ Etwa das Stars at the Beach in Garding oder das Open Air in Glücksburg.

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