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Nordfriesland Tageblatt

25. November 2017 | 01:15 Uhr

Musik aus den Baumwipfeln

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Landfrauen lauschen im Langeberger Forst unter fachkundiger Führung Vogelstimmen im Morgengrauen

von
erstellt am 03.Mai.2016 | 14:00 Uhr

„Zilp-zalp-zelp-zip-zalp“ ertönt es in zwei unterschiedlichen Stimmlagen. Es ist ein markanter, recht eintöniger Gesang, der dem Laubsänger „Zilpzalp“ seinen Namen gab. Im Langenberger Forst lauschen die Landfrauen nicht nur dem Konzert der gefiederten Freunde. Sie richten ihren Blick in die Baumkronen und erkennen, welche Vögel das Morgenkonzert anstimmen. Der Zilpzalp mit seinem grau-braun-grünem Gefieder ist ein kleiner, unscheinbarer Vogel, der ständig in den Laubkronen in Bewegung ist.

Es ist früh am Morgen, um 7 Uhr misst das Thermometer gerade mal fünf Grad. Mützen, Handschuhe und Ferngläser hat die zwölfköpfige Gruppe mitgebracht zur Veranstaltung des Landfrauenvereins Leck. „Natur ganz nah – eine einstündige Vogelstimmen-Wanderung“ heißt die fachkundige Führung mit Irmtraut Clausen und Annegrethe Kühl vom Naturschutzbund Niebüll-Leck. „Im Mai ist die allerbeste Zeit, um den Vögeln zuzuhören“, erklärt Clausen. „Alle Vögel sind schon da ...“ trifft allerdings noch nicht zu. Der Kuckuck zum Beispiel, der Mauersegler und die Rohrsänger trudeln später aus dem Süden ein.

Angekommen ist bereits die Singdrossel mit ihrem lauten und deutlichen Gesang. „Hier bin ich ...“ drückt sie aus und geht damit auf Partnersuche. Braune und gelbe Schattierungen zieren ihr Gefieder, und sie ist ein wenig kleiner als die Amsel. Diese wiederum zählt zu den ersten Vögeln, die 70 bis 80 Minuten vor Sonnenaufgang zu tirilieren beginnen.

Konzentriert achten die Naturfreunde auf die Töne, die von den Wipfeln erschallen. Die Kohlmeise, übrigens die am weitesten verbreitete Meisenart, schmettert „tsi-da-tsi-da-tit“ in unterschiedlichen Rhythmen. An anderer Stelle trommeln die Buntspechte mit ihren Schnäbeln, und der Kleiber macht richtig Lärm. Laut und frech trägt er mehrere Strophen vor, pfeift „wuih-wuih-wuih“, trillert „wi-wi-wi“ oder „djüdjü-djüdjü“. Und dann ist da noch der Star, der alle imitiert.

Eher langsamen Schritts bewegt sich die Gruppe Richtung Fischteiche. Das ist auch gut so, denn Irmtraut Clausen weiß: „Die meisten Vögel halten sich am Waldrand und nicht in der Waldmitte auf.“ Abrupt bleibt die 2. Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe stehen: Eine Tannenmeise sitzt fünf Meter entfernt auf dem Waldpfad und lässt sich von den Eindringlingen gar nicht stören. Sie pickt auf dem Erdboden herum, ihr hohes, leises „wize-wize-wize“ ist im Augenblick verstummt. Es geht weiter, die Mönchsgrasmücke flötet, der Zaunkönig schmettert, Ringel- und Türkentauben machen sich bemerkbar. Inzwischen lugt die Sonne hervor. Der Gesang des Rotkehlchens erinnert an das Erzählen bei einem Kaffeeklatsch, aber Irmtraut Clausen erklärt: „Diese Vögel sehen lieb aus, sind aber recht aggressiv, und dabei schwillt ihre rote Brust an.“

Wie viele verschiedene gefiederte Freunde den Landfrauen ein eindrucksvolles morgendliches Konzert bieten, wird nicht gezählt. Die Flut von Gesehenem und Gehörtem aber ist gewaltig und muss nun verdaut werden. Am besten bei einem gemeinsamen Frühstück.

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