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Nordfriesland Tageblatt

13. Dezember 2017 | 08:38 Uhr

Respektlos : Müll-Tourismus zum Friedhof

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Von der Kinderbett-Matratze bis zu sanitären Einrichtungsgegenständen: Der Friedhof in Leck sollte eigentlich ein Ort der Stille, der Einkehr und des Gedenkens sein. Immer häufiger aber laden hier Unkekannte ihren Unrat ab. Und das nicht nur in den Papierkörben.

von
erstellt am 28.Okt.2013 | 06:15 Uhr

Leck | Friedhofsgärtnerin Anke Hamann ist sehr verärgert. Sie spricht von einem regelrechten Müll-Tourismus auf dem Friedhof. „Gartenabfälle und Hausmüll werden hier entsorgt. Das ärgert mich und meine Kollegen. Wir kommen mit dem Wegräumen manchmal gar nicht hinterher.“ Auch Friedhofsbesucher entrüsten sich über das Fehlverhalten mancher Mitbürger. Sie haben kein Verständnis dafür, dass klammheimlich die Abfalltonnen zuhause anscheinend geschont werden und die Müllbehälter auf der Gräberanlage überquellen.

Es ist keine Frage: Alles, was auf den Gräbern an Abfällen anfällt, kann vor Ort beseitigt werden. Fünf Deponien stehen für kompostierbaren Müll bereit, dazu etliche Abfalleimer für ausgedientes Plastik. Montags, mittwochs und freitags werden diese Behälter entleert, in der Pflanzzeit fast täglich. Seit fünf Jahren arbeitet Anke Hamann als Friedhofsgärtnerin und staunt immer wieder, was Leute anschleppen und dort beseitigen. Von gebrauchten Babywindeln über eine aufgerollte Kinderbettmatratze bis hin zu zerbrochenen sanitären Teilen waren Sachen zu finden. Jüngst entdeckte die Gärtnerin wieder sechs zugebundene, blaue Müllsäcke voller Gartenabfälle – nicht auf dem Kompost, sondern am Rande eines Weges. „Das Abladen von Schutt und Gartenabfällen ist nicht erlaubt“ verbietet ein Schild am Eingang. Aber das Verbot fruchtet nicht. Auch nicht bei den Mitmenschen, die insbesondere in der wärmeren Jahreszeit auf den Bänken verweilen – vorzugsweise abends oder am Wochenende. Pfleglich gehen sie mit ihrer Umwelt nicht um: Zigarettenkippen pflastern den Boden, leere „Flachmänner“ werden einfach ins Gebüsch geschmissen. Anke Hamann kniet sich hin und hebt 50 bis 60 dieser leeren kleinen Flaschen pro Woche auf.

Die Friedhofsgärtnerin kommt mit vielen Besuchern ins Gespräch, nimmt ihre Beschwerden ernst, ist aber machtlos. Das setzt sich bei einem anderen Thema fort: Etliche Radfahrer steigen trotz Aufforderung nicht von ihrem Drahtesel. „Besonders die älteren Leute stören sich daran, sie sind ängstlich“, sagt Anke Hamann, und: „Ein Friedhof ist ein Ort der Ruhe, der Stille und des Gedenkens. Da muss man doch ein bisschen Respekt zeigen.“ Gleichfalls mahnt sie Hundebesitzer, ihre Vierbeiner anzuleinen. „Manche nutzen diese Anlage als Freilauf für ihre Hunde. Und diese verrichten ihr Geschäft dann auf den Gräbern.“ Beschwerden darüber erreichen sie wöchentlich mehrere Male. Diskussionen mit Hinterbliebenen gibt es aber auch in einem anderen Punkt: „An jedem der neun auf dem Friedhof verteilten Wasserhähne hängen zwei Gießkannen für Jedermann zum Gebrauch. Die werden aber nicht zurückgebracht.“ Sie könne nicht jeden Tag erneut auf die Suche nach den Kannen gehen, sie von den Gräbern oder aus dem Gebüsch holen, appelliert sie an die Benutzer, selbst dafür Sorge zu tragen.

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