zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

19. Oktober 2017 | 10:04 Uhr

Trecker-Demo : Motoren aus für das Krankenhaus

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit einem Konvoi aus 80 Traktoren haben gestern Mittag Landwirte aus Südtondern für den Erhalt der Klinik in Niebüll demonstriert.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2016 | 06:30 Uhr

Der Strom von ankommenden Traktoren reißt nicht ab, geparkt wird bereits in vierter Reihe. Einige Trecker haben Hänger und Güllewagen hintendran, andere rote „Xe“ aus Holz vorn an der Motorhaube. Noch stehen die Landwirte scheinbar entspannt auf dem Hofplatz der Firma Joachim Jensen in der Uhlebüller Straße zusammen. Doch gleich werden sie ihre Trecker in Bewegung setzen, um betont langsam eine Mahnwache zum Erhalt des Niebüller Krankenhauses zu starten.

Initiator der PS-starken Demonstration im Schritttempo ist der Kreisbauernverband Südtondern. Auf 50 Teilnehmer hat der Vorsitzende Wolfgang Stapelfeldt gehofft – am Ende sind es mehr als 80 Landwirte. Dabei ist auch Jan Ludolf Petersen aus Emmelsbüll. „Klar mache ich mit. Das Krankenhaus muss bleiben, schlimm genug, dass die Geburtshilfe bereits geschlossen ist“, sagt er.

Auch Andreas Petersen aus Humptrup ist mit seinem John Deere gekommen. „Wenn einer von uns unter einen Bullen gerät und dann bis zum Krankenhaus nach Husum muss – das geht nicht gut aus“, sagt Petersen. Krankheit und Notfälle ließen sich nicht verschieben. Er selbst habe bereits anderen mit dem Schneepflug den Weg zum Krankenhaus in Niebüll frei geschoben. „Aber wer sollte das bei Winterwetter mit Schnee und Eis bis nach Husum machen?“

Die schnelle Erreichbarkeit des Krankenhauses – das ist eine der Hauptforderungen der Landwirte. „Wenn in Niebüll keine Versorgung mehr durch ein Krankenhaus gegeben ist, entstehen zum Beispiel für Bewohner des Friedrich-Wilhelm-Lübke-Kooges Fahrzeiten von bis zu 60 Minuten. Das ist nicht hinnehmbar!“, verdeutlicht Stapelfeldt. Der Kreisbauernverband sei nicht nur das Sprachrohr der Landwirte, sondern stehe auch für die Interessen des ländlichen Raumes in der Region. „Die medizinische Grundversorgung muss unbedingt in der Fläche erhalten bleiben. Das gilt für die Erstversorgung bei Unfällen genauso wie für stationäre Aufnahmen und Geburtshilfe.“

Dann geht es los: Rund 80 Trecker tuckern mit Warnblinklicht im Konvoi entlang der Klanxbüller Straße und Norder Gath in Richtung Krankenhaus. Auch wenn sie 40 Stundenkilometer und mehr fahren könnten – bei dieser Demo geht es in Schrittgeschwindigkeit voran, bis es um 11.55 Uhr symbolträchtig zum absoluten Stillstand kommt. Für fünf Minuten machen die Demonstranten die Motoren für ihre Mahnwache aus. Stapelfeldt: „Wir wollen zeigen, dass es für die medizinische Versorgung fünf vor zwölf ist.“ Auch das Datum für die Mahnwache sei bewusst gewählt worden. „Weil die Kreispolitiker jetzt hinter verschlossenen Türen die Entscheidungen treffen.“ Mit ihrer Demonstration wollen die Bauern ihre Sorge ausdrücken und die Politik dazu auffordern, sich massiv für den Erhalt von Sicherungszuschlägen einzusetzen. Und: „In Nordfriesland sollte ein klares Konzept für eine Zwei-Standorte-Lösung entstehen.“ Um 12 Uhr ist die Demo beendet. „Ich hoffe, die Autofahrer waren nicht zu genervt. Aber es war ja für die gute Sache“, sagt Stapelfeldt.




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen