Stadtentwicklung : Morgenstern in Niebüll: Nach einem Jahrhundert ist Schluss

Der Morgenstern in früherer Zeit.
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Der Morgenstern in früherer Zeit.

Über hundert Jahre nach ihrer Eröffnung wurde jetzt die historische Gaststätte „Morgenstern“ in Niebüll abgerissen. An der Adresse sollen künftig Wohnungen entstehen.

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30. Juni 2014, 05:15 Uhr

Niebüll | Wieder ein „gastliches Haus“ in der Stadt weniger. Ein Abrissbagger hat den „Morgenstern“, weit über ein Jahrhundert lang eine historische Adresse mit einem Kolonial- und Gemischtwarenladen und Lebensmittelgeschäft, Kneipe und Fremdenbetten, dem Erdboden gleichgemacht. Ebenfalls verschwunden ist das südlich nebenan gelegene Wohnhaus. Auf dem frei gewordenen Grundstück am Ende der Deezbüller Straße zwischen den Hausnummern 68 und 76 ist der Bau eines Wohnblocks mit 17 Wohnungen geplant.

Woher die Gaststätte „Morgenstern“ ihren Namen hat, ist nicht belegt. Gleichwohl regt er die Fantasie an und reizt auch zu skurrilen Deutungen. Jan Thomas Kühl, Spross der letzten Besitzerfamilie, meint, er könnte aus der Waffenkunde des 30-jährigen Krieges stammen, als Wallensteinsche Söldner nahe der Deezbüll-Burg „gastierten“ und dem mit Dornen versehenen Streitkugelkopf scherzhaft den Namen „Morgenstern“ gaben. Eine lustigere Variante des Namens könnte standhaften Zechkumpanen gewidmet sein, denen auf dem späten Heimweg der Planet Venus leuchtete, den man auch den „Morgenstern“ nannte.

Aus früherer Zeit ist von dieser Liegenschaft nichts bekannt und belegt. Erst 1888 macht eine Urkunde mit der Familie Ingwersen bekannt. Darin erteilt der königliche Hardesvogt zu Tondern namens Dethlefsen dem Kaufmann und Gastwirt Matthias Petersen Ingwersen am 15. März 1888 die Schankerlaubnis für die vom insolvent gegangenen Ingwer Andresen übernommene Kneipe. „Mathies P.“, wie man ihn und seinen Sohn und Enkel gleichen Namens fortan nannte, betrieb den Kaufmannsladen, seine Frau Josephine, geborene Jannsen, die Gastwirtschaft. Der Sohn Mathies P. II betrieb den Laden weiter, erweiterte aber sein Geschäft um einen Lebensmittelgroßhandel und zog 1931 in die Gather Landstraße 39 um. Er verstarb 1947 im Alter von 51 Jahren. Seine Nachfolge trat ein Jahr später Matthies P. III an, der heute in Deezbüll am Ackerkoog lebt.

Mittlerweile begann auf Morgenstern auch die Ära Kühl. Der Landwirt Johannes Kühl (später letzter Bürgermeister des 1950 nach Niebüll eingemeindeten Deezbüll) heiratete Thea Ingwersen, die älteste Tochter von „MPI Nr. 1“. Das Rollenspiel: Mathies P. I und II betrieben den Laden, Thea Kühl die Gastwirtschaft und Johannes Kühl seine Landwirtschaft im nahen CA-Koog. 1964 übernahmen Sohn Jochen und Ehefrau „Uschi“ Gastwirtschaft und Laden, der aber 1987 aufgegeben wurde und Platz für einen kleinen Saalbetrieb schuf. Die Ära Kühl endete Ende der 1990er Jahre, als die Liegenschaft an Marie Louise Hagge verkauft wurde – und vor kurzem in den Besitz von Lars und Birte Brunk überging. Letztere ist offiziell Bauherrin. An der Deezbüller Straße soll 2015 bereits erwähntes Vorhaben (laut B-Plan 61) mit 17 Wohnungen in Angriff genommen werden. Einen Steinwurf weiter westlich und bereits im Neuen Christian-Albrechts-Kog (Gemeinde Galmsbüll) soll auf dem Areal des Wetteringshofes (benannt nach dem Holländer und Höker Christian Detlef von der Wettering) noch in diesem Jahr ein Reiterhof entstehen. Planerisch ist die Rede von einem „vorhabenbezogenen B-Plan Nummer 6 mit dem Ziel, eine Pferdezucht- und Reitanlage zu errichten – und die auf dem Hof ansässigen Betriebe zu sichern.“ Dieses Vorhaben soll auf einer Fläche von zwei Hektar entstehen, und zwar mit einer Halle, Stallungen sowie je einem Wohn- und Gästehaus.

Das planerische Prozedere ist noch im Gange, der Bauantrag unterwegs und die Ausschreibung heraus, heißt es von den Eheleuten Lars und Birte Brunk. Sie ist im Pferdesport zu Hause und eine auch international erfahrene Springreiterin. Das Handwerk, Pferde zu „arbeiten“, lernte sie unter anderem bei Tjark Nagel, einer Größe im deutschen Reitsport.

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