Möhren gibt es auch „oben ohne“: Gemüsebauern aus Leidenschaft

Das Ehepaar Bienemann bei seinen Pflanzen.
Das Ehepaar Bienemann bei seinen Pflanzen.

shz.de von
18. Mai 2015, 11:55 Uhr

Es gibt kaum einen Einkaufszettel für den Wochenmarkt, der nicht den Weg zum „Gemüsemann“ hinweist. Dort holt sich die Hausfrau für das Wochenende oder für ein paar Tage mehr all das, was unter den Begriff Gemüse fällt – kurzum für all das, was zur gesunden Ernährung zählt.

Am Verkaufsstand trifft man Volker und Kirsten Bienemann an: Er (52) ist Gärtnermeister im Fachgebiet Gemüsebau, sie (46) gelernte Bäuerin – beide vom Fach und naturverbunden, zumal sie 80 Prozent ihrer Ware selbst anbauen. Das sind auf 8,5 Hektar frühe und mittelfrühe Kartoffeln und im Freiland wie im Gewächshaus fast alle gängigen Gemüsesorten wie Tomaten, Salatgurken, Paprika, Wurzeln, Kohl sowie verschiedene Salate. Hinzu kommen Pflanzen, die im Hausgarten groß gezogen werden. Kräuter gibt es auch – und ausnahmsweise auch Obst „aber nur aus dem Alten Land“, sagt Volker Bienemann.

Er und seine Frau sind, wenn man so will, „Gemüsebauern aus Leidenschaft“. Dann und wann werden sie von ihren drei zwischen 15 und 25 Jahre alten Töchtern unterstützt, wenn es Schule und Studium zulassen. Volker Bienemann begann mit seinem Betrieb vor 23 Jahren, den er von seinem Vater übernahm und ihn mit Fleiß und Engagement zu einer beliebten Adresse machte. Zur fachlichen Seite seines Betriebs, mit dem er nur Direktvermarktung betreibt, kommt nach seinen Worten der Spaßfaktor hinzu. Längst kennen ihn die Wochenmarktbesucher – und er seine Kunden. Über den mit Gemüse bepackten Tresen kommt es stets zu einem kurzen Plausch. „Wir freuen uns auf die Wochenmarkttage, wir mögen das Ambiente und wir mögen den Umgang mit den Menschen.“ Wenn mal Schietwetter herrscht und es ungemütlich kalt ist, ist es den „Bienemännern“ nicht anzumerken. Auch trifft man sie trotz frühen Aufstehens – mal um 4.30, mal um 5.30 Uhr – stets putzmunter an. Die menschliche Seite spielt für beide eine große Rolle – zu spüren auch an ihren Sprüchen – etwa wenn Kirsten Bienemann fragt, ob man die Möhren gerne „oben ohne“ möchte und diesen dann das Kraut abdreht.

Die kaufmännische Seite des Süderlügumer Gemüsebauers wird auf drei Wochenmärkten abgewickelt: daheim im Dorf am Mittwoch, am Freitag in Bredstedt und Sonnabend in Niebüll. Daheim im Betrieb bestimmt die Arbeit den Tagesablauf und werden Stunden nicht gezählt. Das Wochenleistungsmaß? Da gilt die Weisheit „nomen est omen“ und dazu passt der Begriff „Bienenfleiß“ zum Namen „Bienemann“. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.




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