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Moderne Medien sollen nachhaltiges Interesse wecken

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Leiter Dr. Stephan Linck über Zukunftspläne für die KZ-Gedenkstätte Ladelund

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Herr Dr. Linck, es hat sich herumgesprochen, dass geplant ist, das Konzept der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund als der einzigen kirchlich getragenen Einrichtung ihrer Art zu verändern. Trifft das zu?
Ja, wir hoffen, dass sich das bis zum Sommer 2017 bewahrheitet.


Haben sich hinsichtlich der in der Gedenkstätte angesprochenen Themen Neuerungen ergeben, welche die Ausstellung in der heutigen Form als nicht mehr aktuell erscheinen lassen?
Nein, inhaltlich werden die dargestellten Forschungsergebnisse, die das Außenlager Ladelund des KZ Neuengamme, das Leiden und Sterben der Gefangenen sowie die hier vor fast genau 70 Jahren begonnene Arbeit der „Versöhnung über den Gräbern“ betreffen, von niemandem angezweifelt.


Weshalb will man dann die Ausstellung überhaupt umgestalten?
Im Wesentlichen aus zwei Gründen. Zum einen müssen wir dem stark veränderten Verhalten der Besucher bei der Aufnahme von Daten und Fakten und Bildern, insbesondere dem der Jugendlichen, gerecht werden. Letztere lassen sich nachhaltig nur durch verstärkten Einsatz moderner Medien für unsere Themen interessieren. Zum anderen haben wir erkannt, dass die Gesamtpräsentation unserer Ausstellung erhebliche konzeptionelle Schwächen aufweist.


Worin sehen Sie diese Mängel?
Vor allem darin, dass die vier Orte unserer Dokumentationen – das Gräberfeld der KZ-Opfer, die Dauerausstellung im Dokumentenhaus, die Rekonstruktion eines kurzen Abschnittes des von den Gefangenen ausgehobenen Panzerabwehrgrabens und das Areal des ehemaligen Lagergeländes – nicht genügend miteinander verknüpft sind. Wir benötigen also dringend Innen- und Außendarstellungen, die es bislang noch nicht gab.


Wie könnten diese aussehen?
In möglichst vielen Räumen sollte man die Gelegenheit haben, auf die Gräber hinauszublicken. Die Arbeitsergebnisse von Dr. Jörn-Peter Leppien müssen – unter Zuhilfenahme moderner technischer Medien – zeitgemäßer als bisher präsentiert werden. Eine ständig gepflegte Internetseite könnte Besuchern, insbesondere Schulklassen und Konfirmandengruppen, ermöglichen, Besuche der Gedenkstätte effektiv vor- und nachzubereiten. Auf dem Platz vor dem Dokumentenhaus und auf dem „Weg des Gedenkens“, den die KZ-Gefangenen täglich vom Lager zum Ort ihrer unmenschlich harten Arbeit zurückzulegen hatten, müssen Texte, Fotos, Grafiken und Skizzen auf Schautafeln ausgestellt werden, damit Passanten auch ohne Führung durch einen Sachkundigen sehen und nachempfinden können, wie es während der nur sechs Wochen der Existenz des Lagers in diesem zuging. Am Rande des einstigen Lagergeländes weisen auf dieses zur Zeit lediglich ein von der englischen Luftwaffe zur Verfügung gestelltes Foto, ein eisernes, von Jugendlichen des Husumer Theodor-Schäfer-Werkes geschaffenes Kunstwerk sowie ein Ehrenstein hin, der die Aufschrift trägt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“


Was könnte diesem Defizit abhelfen?
Alles was geeignet ist, den authentischen Ort des Leidens und Sterbens hervorzuheben. Vielleicht ein wetterfestes Modell des Lagers, ein „Guckkasten“ mit Fotos in 3D-Technik, die Darstellung beispielhafter Lebensläufe einzelner Gefangener oder andere Ausstellungsmodule.


Wurden weitere Veränderungen oder Ergänzungen angedacht?
Wir wollen das Rad nicht neu erfinden, nur einige Akzente verschieben. Stärker als bisher soll beispielsweise das Leben und Wirken des Pioniers der Versöhnung zwischen den Menschen in Putten und Ladelund, Pastor Johannes Meyer, in die Ausstellung einbezogen werden, wobei wir weder ihn noch die Rolle der Evangelischen Kirche seiner Zeit verherrlichen wollen. Meyer war als Kind seiner Zeit leidenschaftlicher Anhänger des Nationalsozialismus, bis er 1944 durch das in seiner Gemeinde eingerichtete KZ-Lager in einen Gewissenskonflikt geriet. Sich mit seinen Widersprüchen in seinem spannungsgeladenen Leben zu befassen, regt dazu an, auch über sich selbst kritisch nachzudenken. Für eine Glorifizierung ist Meyer ja kaum geeignet. Pastor Meyers vorbildliche Verdienste – die christliche Bestattung der KZ-Toten und die nach dem Ende des Krieges geknüpften Kontakte zu deren Familien – gilt es aber natürlich gebührend zu würdigen, genau wie die seines Amtsnachfolgers, Pastor Harald Richter.


Haben Sie schon eine Idee, wie man Pastor Meyer stärker in den Fokus der Betrachter rücken kannte?
Ich könnte mir vorstellten, dass – vielleicht im „Raum der Stille“ des Dokumentenhauses – ein Schreibtisch aufgestellt wird, in dessen Schubladen Duplikate von Briefen des Pastors Meyer an Puttener Familien und deren Antwortschreiben darauf warten, von Gästen gelesen zu werden.


Welche räumlichen Veränderungen im Dokumentenhaus und dessen Vorplatz sind im Gespräch?
Die Dauerausstellung als didaktisches Herzstück der historisch-politischen Vermittlungsarbeit bedarf einer größeren räumlichen Präsentation. Auch der Vorraum sollte so neu gestaltet werden, dass der Besucher schon vorab wichtige Vorinformationen erhält und er sich zur Ausstellung hingezogen fühlt.


Wird schon über die Kosten des Gesamtvorhabens gesprochen?
Laut des gestellten Antrags rechnet man mit Investitionen in Höhe von 500 000 Euro von denen der Bund und das Land je 250 000 Euro aufzubringen hätten, Letzteres mit Beteiligung der Landeskirche.


Welchen zeitlichen Rahmen haben Sie für die Realisierung des Projektes im Blick?
Wir hoffen, unser Vorhaben am 1. Juni 2014 beginnen und – wenn alles glatt verläuft - Ende Mai 2017 abschließen zu können.

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