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Nordfriesland Tageblatt

18. November 2017 | 07:48 Uhr

Modenschau für Senioren : Model mit 92 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Modenschau im Seniorenwohnheim Niebüll zeigt Hosen und Strickjacken, die besonders für Ältere praktisch sind.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 03:29 Uhr

Niebüll | Das Model muss sich noch ein wenig Mut antrinken, ehe es sich traut, die Umkleidekabine zu verlassen. Umso größer ist der Applaus, als die 92-Jährige nach einem kleinen Schluck aus dem Sektglas das große Foyer des Seniorenzentrums in Niebüll-Gath betritt. Gekleidet in ein brombeerfarbenes Twinset, eine braune Cordhose sowie mit einer Kette mit violetten und roten Glasperlen um den Hals, schiebt Anna Knutzen ihren Rollator durch den Raum. Die Augen der rund 85 anderen Bewohner des Senator Pflegeheims und der Mitarbeiter verfolgen jeden ihrer Schritte ganz genau. Und das sollen sie auch: Bei der Modenschau am Bachstelzenring präsentierten drei Bewohnerinnen am Montag verschiedene Outfits. Mit Hosen ohne Reißverschluss, Blusen mit großen Knöpfen und flauschigen Jacken war die Firma Deku-Moden aus Lemförde in Niedersachsen– die neben Seniorenheimen; Pflege- und Behinderteneinrichtungen besucht – in die Einrichtung gekommen. Die Teile verschiedener Marken sind so ausgesucht, dass sie Menschen im Rollstuhl bequem angezogen werden können oder Senioren zum Beispiel die Knöpfe leichter schließen können. Im Anschluss an die Präsentation konnten die Kleider – mit Unterstützung der Experten – im Heim anprobiert und gekauft werden.

„Viele Bewohner können nicht mehr selbst einkaufen gehen – und wenn das Pflegepersonal mit ihnen losgeht, fehlt häufig die Zeit“, sagt Anja Lorenzen, Leiterin des sozialen Dienstes, die die Modefirma ins Heim geholt hatte. Mit der Modenschau und dem anschließendem Verkauf werde den Bewohnern und allen Senioren der Region die Möglichkeit gegeben, „stressfrei und in gewohnter Umgebung einkaufen zu gehen“.

Bei Kaltgetränken und Salzstangen zeigten sich zumindest die Frauen im Publikum begeistert von sogenannten Schlupfhosen mit weichem Bund, langen Strickwesten mit großen aufgesetzten Taschen und strapazierfähigen Röcken aus dehnbaren Stoffen. „Die Jacke, die war ziemlich interessant“, sagt Irmhild Zemke (80) nach der Show. Ob sie sich den Anorak mit Leopardenmuster in der Kapuze auch wirklich kauft, wolle sie gleich entscheiden – wenn sie ihn anprobiert hat. Besonders die Oberteile, die ganz ohne Knöpfe auskommen, haben es ihrer 81-jährigen Tischnachbarin angetan. „Das geht im Alter mit den Fingern oft nicht mehr so gut die zu schließen“, sagt Martha Scranowitz. Vermisst habe sie allerdings kurzärmelige T-Shirts, für die jetzt aber auch keine Saison ist, vermutet sie.

Ute Nissen aus Hamburg wusste schnell was sie will: Für ihre Mutter, die in einem Rollstuhl sitzt, kaufte sie eine geblümte Bluse und eine Spezialhose ohne Reißverschluss. „Die ist super zum Anziehen“, sagt Nissen. Etwas weniger euphorisch als seine Mitbewohnerinnen zeigte sich Erik Schoof, der als einer von wenigen Männern das Spektakel verfolgte. „Mir hat es schon gut gefallen“, gibt der 89-Jährige zu. Lächelnd fügt er hinzu, dass er bedaure, dass die Nachtwäsche, die ebenfalls im Programm war, nicht vorgeführt wurde.

Neben Unterwäsche und Tageskleidung hat Erika Zorno von Deku-Modeauch Halstücher, Schuhe und Modeschmuck im Sortiment. „Wenn die Angehörigen den Menschen im Heim etwas zum Anziehen mitbringt, passt es oft nicht richtig“,erklärt die Expertin ihr Angebot, während sie eine Dame bei der Auswahl der richtigen Strickjacken-Farbe berät. Zudem seien zum Beispiel die großen Knöpfe an den Cardigans wichtig, damit die Fingerfertigkeit der Menschen trainiert wird. Hinzu komme aber auch, dass die Menschen sich freuen, wenn sie etwas tragen, dass sich gut anfühlt, sagt sie. „Wenn die Kunden etwas gefunden haben das ihnen gefällt – dann belohnen sie einen mit großen Christkindaugen.“




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