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Sommerserie Südtondern : Mobilität mit Vorbild-Charakter in Klixbüll

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bürgermeister Werner Schweizer ist zufriedener denn je mit dem E-Car-Sharing. Auch ein Elektroschulbus ist geplant.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2017 | 03:24 Uhr

Klixbüll | Automatisch, geschmeidig und flüsterleise gleitet das Dörpsmobil durch die Straßen Klixbülls. Motorgeräusche sind hier genauso fehl am Patz wie ein schlechtes Gewissen, denn dieses Auto nutzt den grünen Strom aus den Klixbüller Windmühlen als Antrieb. Möglich gemacht hat es der Dörpscampus Klixbüll e.V., der das eigens ernannte Dörpsmobil, das rein elektrisch angetrieben wird, im vergangenen Jahr erstmals auf drei Jahre geleast hat.

„Teilen, das neue Haben“ ist der Slogan, der auf dem Renault ZOE steht und gleichzeitig als Leitspruch für das ganze Projekt gilt. Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer, der sich den Slogan selbst einfallen ließ, hat seinen Verbrenner schon längst verkauft und ist zufriedener denn je mit dem Prinzip des E-Car-Sharings. Extra für die Nutzung des E-Autos mit einer Reichweite von 150 Kilometern, wurde ein Verein gegründet, der mittlerweile schon 22 Mitglieder zählt. Ein zweites Auto mit einer Reichweite von 300 bis 400 Kilometern kommt in Kürze dazu und erlaubt noch weitere Fahrten.

Neun Ladesäulen wurden allein in Klixbüll installiert, damit immer genug Strom zur Verfügung steht. Für 60 Euro im Jahr sowie zusätzlich 3,50 Euro die Stunde kann jedes Mitglied eines der Fahrzeuge benutzen. Für die Mitgliedschaft wird dabei nicht einmal ein Führerschein benötigt. „Unser neustes Mitglied ist schon 91 Jahre alt und hat keinen Führerschein mehr. Sie wird Mitfahrgelegenheiten suchen und sich herumfahren lassen“, erzählt der Bürgermeister. Denn über das Buchungsportal kann jedes Mitglied neben seiner Reservierung auch eine Mitfahrgelegenheit angeben.

In der Mitnahmeregelung sieht der Bürgermeister deutlich die soziale Komponente des Projekts als Vorteil. „Es stärkt sichtbar das Miteinander in der Gemeinde“. In Folge einer gestiegenen Nachfrage von Touristen hat er außerdem eine neue Regelung explizit für Urlauber etabliert. Wer also ein Auto leihen will, aber nicht aus der Umgebung kommt, kann neuerdings eine Urlaubsmitgliedschaft für den halben Jahresbeitrag beantragen.

Die Idee hinter dem Projekt ist ganz einfach: „Unsere Windmühlen produzieren für uns Strom im Übermaß. Diesen grünen Rohstoff wollen wir effizient für die E-Mobilität einsetzen. Denn wir fahren lieber mit dem Strom vom Deich als mit dem Öl vom Scheich“, so Werner Schweizer. „Keep it simple and stupid (KISS)“ sei der Schlüssel zum Erfolg des E-Car-Sharings in Klixbüll. „Das Projekt musste für mich von Anfang an einfach und unkompliziert in Buchung, Übergabe, Rücknahme und Abrechnung sein. Das ist der Punkt, an dem viele Gemeinden vorher gescheitert sind. Bei uns in Klixbüll funktioniert das Dörpsmobil aufgrund des unkomplizierten Systems“, erklärt Schweizer. Die Glaubwürdigkeit der Gemeinde und des Vereins sei ein weiterer Aspekt, der zum Erfolg beitrage. „Die Gemeinde muss als Schirmherr hinter dem Projekt stehen und als Nutzer eine gewisse Vorbildrolle übernehmen.“

Das Motto „Teilen ist das Neue haben“ und das Erfolgsprinzip aus Klixbüll macht überregional Eindruck: Berliner Wissenschaftler des Nexus-Instituts und die Akademie für ländliche Räume sind auf das Dörpsmobil aufmerksam geworden und arbeiten seit kurzem zusammen an einer Studie, die im September herauskommt. Diese Studie soll als Leitfaden für alle Gemeinden in Schleswig-Holstein zur Etablierung eines Dörpsmobils nach dem unkomplizierten Prinzip der Klixbüller dienen. Nachahmer gibt es schon jetzt in den Gemeinden Sprakebüll, Bordelum und Medelby. Werner Schweizer sieht die Zukunft entgegen aller Skeptiker ganz klar in der E-Mobilität. „Elektrotankstellen sprießen hervor wie Pilze. Die Effizienz von unserem Renault mit 13 Kilowatt pro Stunde entspricht schon jetzt 1,3 Litern Benzin und wird sich in den nächsten Jahren noch steigern.“

Seinem Leitsatz „Grünes Dorf mit Herz und Energie“ wird Klixbüll jedenfalls – gerecht und zeigt sich in der E-Mobilität als echter Vorreiter. Schon jetzt spart die Gemeinde zwei Tonnen CO2 pro Jahr durch das Dörpsmobil ein und wird die Nutzung seiner dorfeigenen Windenergie mit weiteren Projekten, wie einem geplanten Elektroschulbus, noch effizienter gestalten.

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