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Handyverbot im Freibad : Mobiler Schnappschuss adé?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Aus Furcht vor Handy-Spannern und ungewollten Bildern im Internet, ist das Fotografieren in manchen Freibädern Südtonderns verboten.

Wolkenloser Himmel und strahlender Sonnenschein: Bei stetig steigenden Temperaturen haben viele Menschen in Schleswig-Holstein Lust, sich mit einem Sprung ins kühle Wasser eines Freibads zu erfrischen. Doch während überall die Hüllen fallen, steigt bei einigen Badegästen die Furcht vor Handy-Spannern (wir berichteten) – auch in Südtondern. Beschwerden gibt es demnach vor allem von Frauen und jungen Mädchen. Einige Bäder haben reagiert und ein Fotoverbot verhängt – andere haben keinerlei Erfahrungen mit Badegästen, die andere ohne deren Einwilligung fotografieren.

„Wenn ich sehe, dass jemand fotografiert, spreche ich ihn direkt an und bitte ihn, das Foto sofort zu löschen“, sagt der 1. Vorsitzende des DLRG in Süderlügum, der zudem für die Koordinierung der Badeaufsichten zuständig ist. Besonders männliche Jugendliche machten sich im Freibad Süderlügum häufig den Spaß und fotografieren gleichaltrige Mädchen, ohne deren Einverständnis. „Weigert sich jemand das Foto zu löschen, schalte ich die Polizei ein – da bin ich knallhart“, sagt der Mitarbeiter.

In der Badeordnung steht, dass es verboten ist Fotos zu machen. Besonders dort, wo kleine Kinder – teilweise unbekleidet – plantschen. Die Badeaufsicht kontrolliert regelmäßig, ob sich alle auf dem rund 50 mal 150 Metergroßen Areal an die Verordnung halten. Allerdings sei das in einem kleinen Bad auch einfacher, da alles leichter zu übersehen ist, als in riesigen Bädern in Großstädten wie zum Beispiel Hamburg, betont der der DLRG-Mann.

Ein generelles Handyverbot im Süderlügumer Bad schließt er nicht aus – allerdings sei das schwierig umzusetzen. Zu Schwierigkeiten könne es dann kommen, wenn zum Beispiel ein Großvater seinen stolzen Enkel ablichten möchte, der soeben sein Seepferdchen-Abzeichen bestanden hat. Denn das könne man ja nicht einfach so vebieten, sagt er.

Diesen Konflikt kennt Maik Nielsen, technischer Leiter im Freibad in Klixbüll nicht: „Wir haben hier weder Probleme noch Beschwerden“, sagt er. Ein generelles Foto-und Filmverbot sei hier nicht nötig. Das bestätigt auch der Bürgermeister der Gemeinde Klixbüll, Werner Schweizer, fügt jedoch hinzu: „Wenn wir im Schwimmbad mitbekommen, dass jemand andere Gäste unrechtmäßig fotografiert, bekommt er einen Verweis.“ Auch ein Hausverbot sei bei sehr aufmüpfigen Menschen möglich, so das Gemeindeoberhaupt.

Zu diesen Mitteln musste Karl Heinz Petersen, Bademeister im Schwimmbad Wiedingharde, bisher nicht greifen. Seit 14 Jahren arbeitet er in dem Bad in Neukirchen: „Bisher hat sich niemand bei mir beschwert“, sagt der Bademeister. Die meisten Jugendlichen würden ihre Mobiltelefone im Schließfach verstauen – auch die Erwachsenen halten sich bisher zurück.

Mit Anzeigen bezüglich Spanner-Bilder hat die Polizei in Leck bisher keine Erfahrungen: „Aber die Freibadsaison fängt ja gerade erst an – mal schauen was da noch kommt“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage des Nordfriesland Tageblatt.

Das Problem bei Handyfotos – im Freibad und an anderen öffentlichen Orten: Anders als mit klobigen Fotoapparaten ist das Ablichten per Handykamera heute ein Kinderspiel und bleibt meist unbemerkt. Schon kurze Zeit später landen die heimlich aufgenommen Bilder über die sozialen Netzwerke im Internet. Zudem sind Handys heute oft wasserdicht. Unterwasseraufnahmen sind noch weniger kontrollierbar, als wenn auf der Liegewiese Motive herangezoomt und mit hoher Auflösung geknipst werden.

Hinzu kommt, dass viele Menschen, statt dicke Wälzer mit ins Freibad zu schleppen, ihre Bücher heute lieber als E-Book auf dem Tablet lesen. Doch auch mit diesem elektronischen Gerät können Fotos geschlossen werden. In anderen Bundesländern laufen Versuche mit einem Spezial-Sticker, den die Badegäste auf die Kameralinse der Smartphones kleben sollen. Stickerlose Handys werden dann vom Personal als illegal eingezogen beziehungsweise der Fotospeicher gelöscht.

So etwas kann sich Werner Schweizer im Freibad seiner Gemeinde nicht vorstellen: „Soweit, dass die Leute sich Pflaster oder ähnliches vor die Linse kleben kommt es bei uns nicht.“ Die Mitarbeiter im Schwimmbad würden weiterhin gründlich kontrollieren, damit ein Totalverbot, das strengereZensuren mit sich zieht, erst gar nicht nötig macht.

 

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erstellt am 02.Jun.2017 | 19:33 Uhr

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