Prävention : Mit zu viel Ecstasy ins Krankenhaus

Der Drogenhandel ist an vielen Schule zu einem ernsthaften Problem geworden.
Der Drogenhandel ist an vielen Schule zu einem ernsthaften Problem geworden.

Drogenproblematik an der Schule Neukirchen verschärft sich – Lehrer wollen mit Prävention die Schüler zum Neinsagen motivieren.

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11. November 2017, 06:00 Uhr

Es gab viel Positives während der Sitzung des Schulverbandes Südtondern-Nord am Donnerstagabend im Sitzungssaal der Amtsverwaltung zu erfahren. Zum Beispiel, dass die Grundschule in Süderlügum als eine von nur fünf Schulen im Land vor kurzem als Kulturschule und einem Geldpreis von 15 000 Euro ausgezeichnet wurde. Oder dass das Tal der sinkenden Schülerzahlen an der Grund- und Gemeinschaftsschule Neukirchen durchschritten zu sein scheint. Doch deren Leiterin Petra Christiansen brachte in ihrem Bericht auch ein Thema auf den Tisch, dass bei allen Anwesenden Betroffenheit und auch eine gewisse Ratlosigkeit auslöste – Drogenkonsum von minderjährigen Schülern.

„Das Thema Drogen bekommen wir nicht aus dem Schulalltag“, sagt Petra Christiansen. Es gehe dabei nicht um Hasch oder einen Joint, „es geht um harte Drogen, sogar Crystal Meth wurde Schülern angeboten. Und es geht immer früher los, schon in der achten Klasse“, berichtet die Schulleiterin. Diese hatte auch auf der diesjährigen, von den Eltern organisierten Entlassfeier den Eindruck, „dass einige Schüler nicht nur von Alkohol berauscht sind“. Nach der Feier wurde eine Schülerin mit einer Überdosis Ecstasy ins Krankenhaus eingeliefert. „Wir haben uns nach einem Gespräch entschlossen, den geraden Weg zu gehen. Es handelt sich um eine Straftat, die zur Anzeige gebracht wurde“, sagt Schulverbandsvorsteher Friedhelm Bahnsen. Die strafrechtlichen Ermittlungen seien in diesem Fall nicht die einzigen Konsequenzen gewesen. „Beim Thema Drogen gibt es keine Toleranz. Kommt es zu einem weiteren Fall, muss wieder mit harten Konsequenzen gerechnet werden“, sagt Bahnsen. Er schätzt die Drogenproblematik in Neukirchen nicht dramatischer ein als an anderen Schulen in Südtondern. „Doch in einer überschaubaren Schule werden Auffälligkeiten schneller erkannt.“

Neukirchens Bürgermeister Peter Ewaldsen wollte wissen, „ob auch innerhalb des Schulgeländes mit Drogen gehandelt wird?“ Davon geht die Schulleitung bisher nicht aus, „doch meine Hand würde ich dafür nicht ins Feuer legen“, sagt Petra Christiansen. Wenn Drogen jenseits der Schule die Runde machen, fällt das ebenso wenig wie die von Eltern organisierte Entlassfeier in die Zuständigkeit der Schule und des Verbandes. „Das macht aber auch gerade die Handhabe so schwierig. Meine Kollegen und ich stehen vor echten Gewissenskonflikten. An sich können wir zu solchen Feiern gar nicht mehr gehen“, bedauert Petra Christiansen.

Was kann getan werden? „Wir setzen verstärkt auf Prävention. Wir wollen unsere Schüler stark machen, um ‚nein‘ sagen zu können, wenn ihnen Drogen angeboten werden“, sagt die Schulleiterin. Zum Beispiel durch das Projekt Drogenparcour für die neunten und zehnten Klassen, begleitet von der Schulsozialarbeit. „Zudem werden wir künftig die Schüler intensiver beobachten, schauen, ob sie tatsächlich nur müde sind“, sagt Petra Christiansen.

Zu den positiven Entwicklungen an der GMS zähle die immer beliebte werdende Essensausgabe am Mittag, „wir kommen kaum noch nach und lechzen nach der Mensa“, sagt die Schulleiterin. Ihre Kollegin Meike Kosbü-Hermann von der Grundschule Süderlügum blickte auf die künftigen künstlerischen Projekte, mit denen die Schule ihrem Prädikat Kulturschule auch künftig gerecht werden will. So wird dort demnächst das Kulturprojekt „Glaube - Orte - Kunst und Glück“  zusammen mit der Kirche gestartet. Dafür würden die Skulpturen der Kirche betrachtet und auch eigene Kunstwerke erstellt, die von den Kindern am 1. Dezember in der Kirche präsentiert und erläutert werden sollen. Auch noch in diesem Jahr werden Studenten der Uni Flensburg für ein weiteres künstlerisches Projekt in der Schule erwartet.

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