Wasserstoff-Tankstelle : Mit Wasserstoff aus Risum ans Ziel

Moderne Mobilität ohne fossilen Sprit: Reinhard Christiansen möchte ab 2016 Brennstoffzellenautos mit Wasserstoff aus Risum-Lindholm betanken.
Moderne Mobilität ohne fossilen Sprit: Reinhard Christiansen möchte ab 2016 Brennstoffzellenautos mit Wasserstoff aus Risum-Lindholm betanken.

Zusammenschluss von Energiefirmen will in Risum-Lindholm Wasserstoff aus Strom produzieren. Es ist eine Investition von sieben Millionen Euro geplant.

shz.de von
06. Mai 2015, 08:00 Uhr

Was Reinhard Christiansen plant, kommt einer kleinen Revolution gleich: Der Unternehmer möchte in der Gemeinde Risum-Lindholm eine feste Wasserstofftankstelle für Brennstoffzellenautos bauen. Sie hat gute Chancen, die erste ihrer Art in Schleswig-Holstein zu werden.

„Wir machen uns schon länger Gedanken über die Frage, wie wir die Wertschöpfung durch regenerative Energien vor Ort weiter ausbauen können“, sagt Christiansen. Hinter dem bulligen Nordfriesen steht die Firma „Energie des Nordens“ mit Sitz in Ellhöft unweit der dänischen Grenze. Der regionale Zusammenschluss von 46 Firmen, die ihr Geld mit dem Betrieb von Wind-, Biogas- und Photovoltaikanlagen verdienen, will dem Projekt nun den nötigen Schwung verleihen. Das Vorhaben zur „Stromveredelung“ umfasst dabei nicht nur den Bau einer Wasserstofftankstelle, sondern auch Produktion und Vertrieb des umweltfreundlichen Treibstoffs aus grünem Strom vor Ort. Um dies zu ermöglichen, wollen die Projektplaner auch einen Elektrolyseur zur Wasserstoffherstellung errichten. „Als Standort bietet sich das Gelände unseres Umspannwerkes an der B5 an.“ Das Projekt am Stadtrand von Niebüll anzusiedeln, bringe viele Vorteile mit sich, glaubt Christiansen: Hier könne der Elektrolyseur ohne Nutzung der öffentlichen Hochspannungsebene mit Strom versorgt werden – entsprechend gebe es keine Netzgeltungskosten. Auch sei die geplante Wasserstofftankstelle an dem Verkehrsknotenpunkt leicht zu erreichen.

Bis Brennstoffzellenautos aber die ersten Kilos des Risum-Lindholmer Wasserstoffs in ihre Hochdrucktanks pumpen können, müssen die Investoren noch zwei entscheidende Hürden nehmen: Neben den Kosten von rund sieben Millionen Euro, die für Anlagenbau, Netzanbindung, Planung und Genehmigung anfallen werden, fehlen bisher schlicht wasserstoffbetriebene Autos auf Nordfrieslands Straßen.

Reinhard Christiansen hat dieses Problem im Blick: „Wir können ja nicht einfach eine Tankstelle bauen und haben dann keine Abnehmer.“ Um einen ersten kleinen Markt für die Tankstelle zu schaffen, setzt der Unternehmer auf die Initiative seiner vielen Mitstreiter: Schon jetzt hätten sich 26 Personen aus dem Kreis der Kommanditisten für den Kauf eines Brennstoffzellenautos entschieden. „Natürlich sollten es noch mehr werden.“ Sind die modernen Pkw erst einmal angeschafft, werden sie neben Treibstoff auch einen Servicepunkt mit Werkstatt für die Brennstoffzellentechnik benötigen. „Auch hier besteht noch Handlungsbedarf, damit die Autofahrer nicht bis nach Hamburg fahren müssen.“

Warum aber gerade Wasserstoff – wo es doch allein im Kreis Nordfriesland bereits 140 angemeldete E-Mobile und etwa 41 Strom-Ladestationen gibt? Der entscheidende Unterschied sei die Alltagstauglichkeit, sagt Reinhard Christiansen. „Während eine Ladung für E-Autos bisher einige Stunden dauert, braucht eine Ladung mit Wasserstoff nur drei Minuten.“

Die Wasserstoff-Pläne der Nordfriesen haben sich bereits bis in die Landeshauptstadt Kiel herumgesprochen: Im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie ist das Projekt bekannt. Ministeriumssprecher Harald Haase bestätigt, dass das Vorhaben im Rahmen des Schaufensters „Intelligente Energie Wind“ angemeldet worden ist. Ob die Nordfriesen allerdings die ersten sein werden, die eine Wasserstofftankstelle ans Netz bringen, wird sich demnach erst noch zeigen. Momentan gebe es verschiedene Initiativen im Land, die gegebenenfalls auch eine stationäre oder mobile Wasserstofftankstelle für ihre Projekte wollen, heißt es aus Kiel.

In Risum-Lindholm begrüßt man die Planung der regionalen Energiefirmen: „Die Gemeinde will sich mit einem kleinen Anteil an dem Projekt beteiligen“, sagt Bürgermeister Hauke Christiansen. „Wir freuen uns, dass ein so innovatives Konzept bei uns an den Start gehen soll.“

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