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Nordfriesland Tageblatt

23. August 2017 | 17:56 Uhr

Hobby : Mit Vollgas in einer Männerwelt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Annika Richter aus Leck hat ein für Frauen eher untypisches Hobby: Sie fährt Motocross-Rennen – mit großem Erfolg.

Annika Richter liebt es, auf sandigem Boden durchzustarten, mit ihrem zweirädrigen Gefährt Sprünge und Kurven zu meistern. „Dann steigt mein Adrenalinspiegel“, sagt die Jugendliche. Die Rede ist nicht von einem Fahrrad, sondern ihrem Motorrad „KTM SX 125“. Mit gerade mal 14 Jahren ist Annika Richter weit und breit die jüngste weibliche Motocross-Fahrerin. Erst kürzlich nahm sie den Sieg in der Damenklasse bei der Schleswig-Holsteinischen Meisterschaft mit nach Hause.

Kaum konnte Annika Richter sicher ihr kleines Fahrrad beherrschen, probierte sie das Fahren auf einer kleinen Maschine, der „Yamaha PW 50“, aus. Der motorradbegeisterte Vater Stephan Schubert nutzte die Gunst der Stunde und nahm sein vierjähriges Töchterchen mit auf die Motorrad-Strecke. „Irgendwie fand ich das nicht so toll“, legte Annika diesen Sport ad acta. Zwei Jahre gingen ins Land, bevor sie wieder Lust hatte, auf den fahrbaren Untersatz zu steigen. Gemächlich ließ sie es angehen, stieg auf die „Yamaha PW 80“ um, nahm an einem Rennen teil und kam auf den Geschmack.

Motocross-Rennen ist nicht mit einem Motorrad-Ausflug auf der Straße zu vergleichen. Reaktionsvermögen und Körperbeherrschung müssen trainiert, häufig auch gegen den inneren Instinkt angekämpft werden. Eine gute Kondition ist unbedingt erforderlich, denn gefahren wird meist im Stehen. „Das ist richtig anstrengend“, erwähnt Annika Richter nicht nur einmal und gibt ein Beispiel: „Ein zwanzigminütiges Rennen entspricht einem 1000-Meter-Sprint.“ Schließlich gehört auch Mut dazu, mit Tempo 75/80 km in der Stunde einen Abhang hinunter zu manövrieren: „Da muss man durch. Es gibt keine andere Wahl, keinen anderen Weg.“ Gestürzt ist die junge Fahrerin schon häufig, doch eine schwere Verletzung hat sie nur einmal erlebt: „Wegen der Schulterverletzung musste ich sechs Wochen pausieren.“

Doch das Fahren über Berg und Tal bleibt Annika Richters Leidenschaft. Intensives Üben muss sein. Mittlerweile fährt sie zu den technisch anspruchsvollen Strecken ins dänische Sonderborg oder Padborg. Mit dabei sind immer der Papa als Trainer und Techniker sowie Mutter Karen Richter als Betreuerin.

„Um Kurven im perfekten Tempo und perfekter Technik zu fahren, bedarf es mindestens 300maliger Übung“, erklärt Stephan Schubert und gibt als Ziel an: „Wir trainieren den sauberen Fahrstil und die Fahrtechnik, niemals die Geschwindigkeit.“ Dass auf die Sicherheit großen Wert gelegt wird, steht außer Frage. Der Körper wird geschützt durch speziell gepolsterte Kleidung, Knie-Orthesen aus Karbon gehören dazu, Helm und Schutzbrille sowieso.

In Annika Richters Sportart sind Mädchen dünn gesät. Mit Abstand ist sie die jüngste Motocrossfahrerin überhaupt. Deshalb musste sie bei den Wettkämpfen in der Jungen-Kategorie starten. Erst jetzt darf sie in der Damen-Abteilung mitmischen. Ihre Erfolge kann die Jugendliche, die im Motorsportclub Südtondern Mitglied ist und dem BVZ-Racing Team (Bert von Zitzewitz) angehört, fast nicht mehr zählen. Als Highlight bezeichnet sie ihre Teilnahme am Bundesjugend-Endlauf 2011.

In der Saison von März bis Oktober fährt sie an jedem Wochenende ein Rennen – und staubt jedes Mal einen Pokal ab. Ihr großer Wunsch ist, beim FOX-Ladies-Cup zu fahren, wo es um die Deutsche Meisterschaft der Damen geht.

Was macht die Einzelkämpferin Annika Richter im Winter? „Ich spiele Handball. Das erhält die Kondition. Außerdem ist der Mannschaftssport ein guter Ausgleich und deckt die soziale Komponente ab“, antwortet sie.

 

 

 

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erstellt am 25.Sep.2013 | 10:29 Uhr

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