Regionale Landwirtschaft : Mit viel Handarbeit und Liebe

Ungeschälte Erbsen  rufen bei vielen Kunden Kindheitserinnerungen wach.
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Ungeschälte Erbsen rufen bei vielen Kunden Kindheitserinnerungen wach.

Volker Bienemann aus Süderlügum ist Gemüsebauer und Selbstvermarkter.

shz.de von
10. August 2018, 06:00 Uhr

Kartoffeln, Salate, Rosenkohl, Weißkohl Lauch – die Saison entscheidet, was auf den Feldern der Familie Bienemann in Süderlügum wächst. Einige Pflanzen, für die der nordfriesische Wind zu rau wäre, sind geschützt in den selbstgebauten Gewächshäusern untergebracht: darunter Gurken und Spitzpaprika. Das Ehepaar betreibt den einzigen Betrieb im Amtsbezirk Südtondern, auf dem in größerem Stil Gemüse angebaut wird. Was sie ernten, vermarkten sie auch selbst: Zwei Mal pro Woche stehen Kirsten und Volker Bienemann auf dem Wochenmarkt. Neben dem Gemüse aus eigenem Anbau gibt es am Marktstand auch Obst zu kaufen – das stammt zwar nicht aus Süderlügum, aber ebenfalls von Selbsterzeugern aus dem Alten Land.

Obwohl die Süderlügumer schon seit vielen Jahren im Geschäft sind, probieren sie ein bis zweimal pro Jahr etwas Neues aus. „Man muss bei Pflanzen immer eine gewisse Menge bestellen, die für uns oft zu groß sind, aber wir finden eigentlich immer jemanden, der ebenfalls Lust hat, etwas Neues zu probieren und mit uns die Pflanzen teilt“, berichtet Volker Bienemann. Die Zusammenarbeit mit anderen Landwirten sei sowieso ein wichtiger Faktor, verrät er.

Auch zum Thema Schädlinge tauschen sich die Erzeuger gerne aus. „Wir verwenden so wenig wie möglich Pestizide, aber manchmal geht es nicht ganz ohne. Gerade im Bereich Biolandbau gibt es sehr effektive Spritzmittel, die wir schon sehr erfolgreich angewendet haben, auch wenn wir keine biologische Landwirtschaft betreiben.“ Allerdings folgt die Bewirtschaftung dem Prinzip: so wenig wie möglich und so viel wie nötig. Die Unkrautbekämpfung – oder besser gesagt Beikräuterbekämpfung – erfolgt beispielsweise weitestgehend mechanisch oder per Hand. Bei schnell wachsenden Kulturen können diese sogar ganz stehenbleiben, nur wenn die Pflanze länger wächst, könnte das Beikraut überhand nehmen und wird daher entfernt.

Seine Erfahrung hat Volker Bienemann aus den vielen Berufsjahren gewonnen, aber diese fundieren auf einer Ausbildung als Gemüsebauer mit Meistertitel. Die anfallende Arbeit auf dem Betrieb übernimmt das Ehepaar Bienemann gemeinsam, Angestellte gibt es nicht. Ab und zu helfen die Kinder aus, auch der Verein „GoMüse“ hat kürzlich kostenlos bei der Setzung von Pflanzen geholfen. 60- bis 70-Stunden-Wochen sind an der Regel, freie Tage eher selten. „Auch wenn wir sonntags mal etwas unternehmen wollen, müssen wir erst alles gießen“, sagt Kirsten Bienemann. „Einfach mal wegbleiben, das geht nicht.“

In den eigenen Kühlhallen wird Lagerware wie Weißkohl, Kartoffeln, Steckrüben und Rote Beete eingelagert, damit auch im Winter immer Gemüse vorrätig ist. Insgesamt sieben Hektar gehören zum Betrieb, davon werden bis zu 2,5 Hektar mit Fruchtfolge bestellt. Auch der Anbau von Korn gehört dazu, was sich positiv auf den Boden auswirkt, ebenso wie Gründünger. Dadurch, dass wenig gespritzt wird, halten sich viele Vögel auf den Feldern auf, die die Schädlinge in Schach halten, berichtet der Gemüsebauer.

Und haben sie in der letzten Zeit eine Veränderung bei den Kunden festgestellt? Ja, ist die zweistimmige Antwort. „Ich habe schon den Eindruck, dass wieder mehr Gemüse gegessen wird und die Kunden bewusster kaufen und wissen wollen, woher Lebensmittel stammen.“

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