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Nordfriesland Tageblatt

21. September 2017 | 23:34 Uhr

Enge-Sande : Mit Tempo in die Mobilitätswende

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Beim ersten Grünstrom-Event fordert Energiewendeminister Robert Habeck mehr Enthusiasmus bei der Weiterentwicklung des Verkehrssektors.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2016 | 06:15 Uhr

Erst war es laut. Eine Flensburger Samba-Gruppe trommelte mit ihren Schlägeln auf einen benzinbetriebenen Mercedes ein. Dann gingen die Tore der Halle B5 auf, und es wurde leise. Fast geräuschlos rollten 21 Elektromobile über den Asphalt – vom Super-Sportwagen bis zum Segway. „Die Geburtsstunde der neuen Mobilität“ hieß die Performance auf dem Green-Tec-Campus in Enge-Sande, die Moderator Carsten Kock gestern im Rahmen des ersten Grünstrom-Events mit den Worten „Tür auf, hinein in ein neues Zeitalter“ ankündigte.

An zwei Tagen dreht sich auf dem Campus mit verschiedenen Fachvorträgen, Events, Ausstellungen , Probefahrten und Besichtigungen alles rund um das Thema „Mobilitätswende mit der Energie des Nordens“.

„Grün ist die Hoffnung – das muss jetzt aber nicht als Überleitung zu unserem ersten Redner verstanden werden“, sagte Moderator Kock und übergab das Mikrofon an Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck, der als Schirmherr gestern Vormittag vor rund 190 Interessierten die Veranstaltung eröffnete. Zum Thema Energiewende, zum Beispiel bei Speicherkapazitäten und Sektorenkopplung, stellte er fest: „Wir streiten politisch über etwas, was überhaupt nicht ausreicht. Unser Horizont ist nicht weit genug.“ Sorge äußerte er auch über die „Renaissance der Atomkraft“: „Es kann kein Zurück zum Atomstrom geben, und wir müssen raus aus der fossilen Brennstoffenergie“, sagte Habeck und erntete kräftigen Applaus aus dem Publikum. „Die Energiewende im Verkehrssektor ist eine der wichtigsten Herausforderungen der Zukunft.“ Deutschland müsse sich aber entscheiden, ob es zur Bewegung an der Spitze gehören oder sich hinter einen abgefahrenen Zug werfen wolle. Von einer Million neu zugelassener Fahrzeuge seien nur 55  000 Elektro-Autos gewesen. Warum tue Deutschland sich so schwer? Gründe seien politische Entscheidungen und Lobbyismus einerseits, andererseits aber auch mangelnder Wille zur Veränderung, so der Minister weiter. Aber zum Glück nicht überall: „Hier, auf dem Green-Tec-Campus und in Nordfriesland überhaupt, ist mit Bürgerwindparks die Bürgerinitiative zur Energiewende erfunden worden, und zwar mit einer eigentümlichen Mischung aus Dickköpfigkeit und Innovations-Enthusiasmus. Wenn es Deutschland nicht schafft, dann muss es eben Nordfriesland schaffen.“ Er selbst sei zwar kein Nordfriese, „aber man kann auch im Herzen Nordfriese sein“.

Zukunftsforscher Jan Thomsen ließ es sich nicht nehmen, auch mit zwei gebrochenen Rippen seine Sicht auf „Das Ende des fossilen Zeitalters“ mitzuteilen: Der Fachreferent war per Internet-Telefon aus Zürich zugeschaltet. „Ich wäre aus Zürich mit dem Elektroauto nach Enge-Sande gekommen – das hätte mich nur drei Mal Anhalten für zehn Minuten gekostet.“ Er sei überzeugt, dass sich in den nächsten zehn Jahren technisch deutlich mehr verändern werde als in den letzten zehn Jahren: „Denken Sie nur an das iPhone, das wurde erst 2007 präsentiert – und heute kann sich kaum jemand mehr ein Leben ohne Smartphone vorstellen.“ Eine der knappsten Ressourcen für die Zukunft seien Talente: „Und zwar die Talente, Veränderungen zu entwerfen und zu verkaufen.“

Generell waren sich die Veranstalter auch bei der Pressekonferenz am Nachmittag einig, dass erst „altes Denken aufgebrochen, Gesetze verändert, Ängste genommen und dicke Bretter gebohrt werden müssten, um etwas zu ändern“.

Möglichkeiten auszuloten und neue Wege zu gehen – darum geht es auch heute von 10 bis 18 Uhr auf dem Green-Tec-Campus. In Fachvorträgen und Workshops haben Interessierte kostenlos Gelegenheit, Wissen anzuhäufen und ihren Teil zur Mobilitätswende beizutragen.


Weitere Infos unter www.gruenstrom-event.de

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