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Nordfriesland Tageblatt

20. November 2017 | 15:01 Uhr

Mit Museen bei Urlaubern punkten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

NTS-Chef Frank Ketter beklagt beim Netzwerktreffen Mangel an buchbaren Kulturpaketen im Kreis / Nordseecard-Plus könnte Chance bieten

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 12:34 Uhr

„Klar ist es doof zu sagen, dass nur fünf Prozent aller Urlauber wegen der Kultur nach Schleswig-Holstein kommen – doch wir können die Realitäten nicht ausblenden“, sagt Frank Ketter. Dennoch schaut der Geschäftsführer der Nordsee-Tourismus-Service GmbH (NTS) nach dieser Aussage beim Museums-Netzwerkertreffen in der Nordsee-Akademie Leck nur in kritische und ungläubige Gesichter. Zahlreiche Mitarbeiter und Leiter von Museen in Nordfriesland und auch im Kreis Schleswig-Flensburg sind in die Akademie in ihrer Funktion als Kulturknotenpunkt gekommen, um zu erfahren, wie die Kultur künftig besser in das touristische Vermarktungskonzept der NTS eingebunden werden kann. Nach einer intensiven Diskussion gibt es dafür zwei konkrete Projekte.

Doch zunächst müssen die regionalen Museums-Vertreter erfahren, dass die Kultur nicht mehr zu den großen Themen zählt, mit der die NTS bundesweit um neue Urlauber für die gesamte Westküste – inklusive Helgoland – wirbt. Diese lauten: Strand und Baden, Natur erleben, Gesundheit und Erholung sowie aktiv am Wasser und an Land. Grund: „Es gibt zu wenig buchbare kulturelle Angebote“, sagt Frank Ketter. Das motiviert viele Kulturvertreter – vom Sylter Heimatmuseum bis zum Husumer Schloss – dazu, sich zu rechtfertigen und auszuführen,, welch besondere Ausstellungen ihre Häuser bieten und wie gut gefüllt diese gerade in dem vergangenen, oft verregneten Sommer waren.

„Touristiker und Kulturschaffende sprechen unterschiedliche Sprachen“, stellt während der intensiven Diskussion Dagmar Rösner, Projektleitung der Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein, fest. Sehr viele Gäste würden während ihres Urlaubs Museen oder Konzerte besuchen, sagt Ketter, doch für nur sehr wenige sei dies eben der Hauptgrund, in das Land zwischen den Meeren zu reisen. Der NTS-Chef betont: „Die Kultur ist ein Querschnittsthema durch alle großen Marketing-Säulen und sie sei im Gegensatz zum Badeurlaub ein ganzjährig bewerbbares Thema. Doch – so das Fazit – Kultur müsse ihre Angebote so gut vernetzen und sichtbar machen, dass diese auch von der NTS beworben werden können. „Uns fehlt das Personal, um jedes kleine Museum an der Westküste zu fragen, was dort den los ist“, sagt Ketter.

„Warum nutzen wir das nordfriesische Netzwerk nicht dazu, um eine größere Veranstaltung auf die Beine zu stellen, zum Beispiel Bustouren zu mehreren Museen, die an diesem Tag freien Eintritt haben und besondere Exponate vorstellen“, fragt Dagmar Rösner – und stößt auf zustimmendes Nicken. Ein solcher Kulturtag könnte überregional beworben werden, ebenso wie die Husumer Kulturnacht, die Pellwormer Kulturwoche oder der Kulturhimmel Eiderstedt, bestätigt Frank Ketter.

Der NTS-Chef stellt noch ein weiteres Projekt vor, das auch die kleineren Museen des Kreises bekannter machen könnte – gemeint ist die „Nordseecard-Plus“, für die derzeit eine Machbarkeitsstudie erstellt wird. So soll sie funktionieren: Pro Tag und Gast zahlen die Übernachtungsbetriebe fünf Euro in einen Topf. Aus diesem fließen Gelder an Freizeiteinrichtungen, die dafür attraktive, kostenfreie Angebote für die Card-Inhaber entwickeln. „Auch jedes Museum kann sich beteiligen, im November erwarten wir die Ergebnisse“, sagt Frank Ketter.

Eine weitere Präsentationsplattform für Kultur im Kreis soll das Jahr 2020 – das Jubiläum der Grenzziehung – bieten. „Museen auf beiden Seiten der Grenze werden sich dann als ein Kulturraum präsentieren, erste Gespräche mit dänischen Partnern haben bereits stattgefunden“, berichtet Dagmar Rösner. Als nächste Schritte stehen die Gründung einer Planungsgruppe sowie die Organisation einer Infoveranstaltung auf der Agenda.

 

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