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Klinikum Niebüll : Mit mehr Zusammenhalt ans Ziel

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Niebülls Stadtvertreter setzen beim Erhalt des Klinikums Niebüll auf die Überzeugungskraft ihrer Argumente und den Rückhalt aus der Bevölkerung.

von
erstellt am 20.Nov.2015 | 18:40 Uhr

Die Sitzung am Donnerstagabend nutzten Niebülls Stadtvertreter dazu, um in Sachen Umstrukturierungs-Vorschläge im Klinikum Niebüll ihre Positionen klar zu machen.

„Das Klinikum Nordfriesland hat ein echtes Liquiditätsproblem“, räumte Bürgermeister Wilfried Bockholt ein. Dennoch: Würden die derzeitigen Pläne tatsächlich umgesetzt, bliebe in Niebüll etwas übrig, bei dem man schwerlich noch von einem Krankenhaus sprechen könne. Die Menschen in der Region müssen auch im Ernstfall vor Ort gut versorgt sein. „Mit einer Intensivstation, einer Geburtenstation und einer 24-Stunden-Notfallversorgung.“ Keinesfalls sei ihnen eine 60-Kilometer-Anfahrt nach Husum zuzumuten. Bevor sich der Hauptausschuss des Kreises am 30. November mit den Handlungsempfehlungen des ehemaligen Kaufmännischen Vorstands der Diako Flensburg, Diplom-KIaufmann Karl-Heinz Vorwig, für das Klinikum beschäftigt, gelte es, die Chance zu nutzen, „unsere Position darzulegen, zu erklären, was wir erwarten und den Kreis in die Pflicht nehmen“. Der 11. Dezember, der Tag, an dem der Kreistag in seiner Sitzung das Gesamtpaket zur Prüfung durch ein Wirtschaftsunternehmen schnüren wird, sei für Niebüll ein wichtiges Datum.

Wie Bockholt sprach sich auch Amtsdirektor Otto Wilke dafür aus, „den Menschen in Niebüll ein Krankenhaus mit einer Grund- und Regelversorgung mit dem Level 4-Standard zu bieten und das Haus nicht zu einem Portalkrankenhaus verkommen zu lassen“. Man versuche derzeit, eine einheitlich gemeindliche Regelung auf den Weg zu bringen. In die Pflicht genommen sieht Wilke auch die Bevölkerung, sie müsse zu ihrem Krankenhaus stehen und dessen Angebote nutzen. 250 Geburten habe das Niebüller Klinikum 2014 verzeichnet, 100 Geburten aus Südtondern seien in Flensburg durchgeführt worden. „Daher der Appell, wenn es sich nicht um Risikoschwangerschaften handelt, die eigene Einrichtung zu nutzen.“

Zu mehr Zusammenhalt rief auch Bürgervorsteher Uwe Christiansen auf. Er wies zudem auf das große Engagement seitens der Bevölkerung bei der Finanzierung eines Bewegungsbades für das Krankenhaus (Einweihung ist am 27. November) hin. Wie Hendrik Schwind-Hansen (SPD) äußerte er Unverständnis für Pläne, in Husum nach einer möglichen Vergrößerung des Klinikums einen Hubschrauberlandeplatz neu zu bauen, wo es in Niebüll bereits einen modernen Hangar gäbe.

Auch Niebülls SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Uerschels kritisierte die Vorwig-Vorschläge. Das Klinikum sei für die Stadt der zweitgrößte Arbeitgeber. Uerschels sprach davon, die Region würde bei Umsetzung ausbluten, gute Ärzte würden vergrault oder davon abgehalten, sich hier anzusiedeln, gäbe es erst einmal keine HNO-Abteilung, keine Intensivstation, keine Innere und keinen normalen Notdienst mehr: „Eine Platzwunde am Kopf nach 20 Uhr – dumm gelaufen.“ Das könne es nicht sein. Uerschels verwies zudem auf den demografischen Wandel, die immer älter werdende Bevölkerung, die zunehmend auch an Mobilität einbüße. Am Ende müssten mehr Notärzte und Rettungswagen her.

Bernd Neumann, Fraktionsvorsitzender der CDU, widersprach der zuvor von Holger Jessen (SPD) geäußerten Ansicht, Niebüll habe im Kreistag schlechte Abstimmungschancen. „Die Abgeordneten entscheiden nach Sach- und Fachstand, nicht nach der Zugehörigkeit zu Niebüll. Das Amt Südtondern ist das größte in Schleswig-Holstein. Wir können etwas bewegen.“

Im Raum stand an dem Abend erneut die Forderung nach mehr Transparenz bei Querverrechnungen unter den Häusern des Klinikums Nordfriesland. Und mehrfach laut wurde der Vorschlag, notfalls eine wirtschaftliche Eigenständigkeit des Niebüller Krankenhauses zu prüfen und Finanzierungsmöglichkeiten zu finden.

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