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Nordfriesland Tageblatt

22. August 2017 | 16:50 Uhr

Mit Kunst die Trauer begleiten

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Künstlerin Christel Burmeister-Gronau widmet sich in ihrem kreativen Schaffen auch Urnen, die Menschen in ihrer Trauer unterstützen sollen

Wer an die Töpferkunst denkt, denkt sicherlich als erstes an Becher, Kannen oder Vasen, hingegen eher selten an Urnen. Künstlerin Christel Burmeister-Gronau beschäftigt sich seit einiger Zeit jedoch mit Letzterem. „Ich war schon immer von jeder Art von Gefäßen fasziniert, da sie die Menschheit schon seit dem ersten Tag begleiten“, erklärt die Künstlerin. Den Anstoß, auf der eigenen Töpferscheibe auch Urnen zu drehen, gaben ihr gleich drei Dinge. Zum einen befindet sich unweit des „arteljees“ ein alter Urnenfriedhof, zum anderen wurde die Künstlerin von einigen Trauernden angesprochen, die keine Urne fanden, die ihren Vorstellungen entsprach. Aber auch die Gedanken über das eigene Leben und den eigenen Tod brachten Christel Burmeister-Gronau dazu, sich intensiver mit diesem Thema auseinanderzusetzen. „Es geht dabei für mich nicht um das große Geschäft, sondern darum, dass ich in meiner Arbeit als Künstlerin zum Beispiel sakrale Gefäße herstellen kann, die Menschen auch ein Stück weit in ihrer Trauer begleiten und stärken können“, sagt die Künstlerin, die eine Ausbildung in Systemischer Aufstellung absolviert hat.

Die Urne kann individuelle Formen bekommen und beispielsweise wie ein Schiffsbug aussehen. Auch kleine Skulpturen wie Engel oder besondere Farben, die in der Keramikwerkstatt selber hergestellt werden, können dabei verwendet werden. Da keine giftigen Stoffe ins Erdreich gelangen dürfen, bestehen diese Farben auf Basis von Eitempera und werden aus Eiweiß, Pigment, Leinöl und etwas Wasser gemischt.

Doch neben der künstlerischen Freiheit müssen die Urnen auch einige Vorgaben der Bestattungsunternehmer erfüllen. Nur bei einer Seebestattung wird die Asche des Verstorbenen vom Kapitän an Bord in die Urne gefüllt. Bei allen anderen Urnenbestattungen müssen die Aschebehälter des Krematoriums in die Gefäße passen.

Die Urnen für eine Seebestattung müssen sich nach der Bestattung zudem innerhalb von zwei Stunden im Wasser vollständig aufgelöst haben, weshalb sie nicht gebrannt werden. Für die im niedrigbrandverfahren hergestellten Erdurnen besteht die Auflage, dass sie sich innerhalb von etwa zehn bis zwanzig Jahren im Erdreich aufgelöst haben sollen. „An meine Urnen garniere ich gerne drei Henkel, denn die Drei ist für mich besonders symbolträchtig“ erklärt die Künstlerin. Sie steht beispielsweise für Geburt, Leben, Tod oder die heilige Dreifaltigkeit.

Auf Wunsch erarbeitet Christel Burmeister-Gronau gemeinsam mit den Kunden die Gestaltung und Farbigkeit der Urne. Wer selber eine Symbolik einarbeiten möchte, erhält ebenfalls Unterstützung von der Künstlerin. Für viele liegt in diesem Akt ein gewisser Trost, denn oft wollen sich die Hinterbliebenen nicht mit dem Tod abfinden und den geliebten Menschen nicht gehen lassen. Durch die eigene Arbeit an der Urne gelingt es oftmals besser, loszulassen. Aber auch, wer sich nicht im Detail mit der Urne auseinandersetzen möchte, sondern diese Arbeit in guten Händen wissen möchte, ist im „arteljee“ an der richtigen Adresse. „Ich habe verschiedene Urnenmodelle fertig in meinem Ausstellungsraum. Besondere Wünsche kann ich innerhalb von zwei Tagen umsetzen.“

Wie so eine individuelle Urne aussehen kann, erzählt die Künstlerin: „Meine erste Urne habe ich für meine Schwiegermutter gestaltet, die Balletttänzerin war. Ich habe eine schneeweiße Urne gedreht, auf deren Deckel ich zwei Ballettschuhe modelliert habe. Die ebenfalls aus Ton modellierten rosafarbenen Schleifen fielen über die Urne – für immer geöffnet.“

Das letzte Gefäß, das uns begleitet, sollte ein besonderes sein. Deswegen wird Christel Burmeister-Gronau nie in eine größere Produktion der Urnen gehen und nie im großen Stil an die Bestattungsunternehmen verkaufen, sondern immer nur in kleinen Mengen. „Jede Form, die unter meinen Händen Gestalt annimmt, wird jedes Mal als Einzelnes behandelt. Der Tod ist eine Begegnung, die jeder für sich einzeln wahrnimmt, und so möchte ich auch meine Arbeit bei der Herstellung der Urnen verstehen und vermitteln.“

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von
erstellt am 14.Nov.2014 | 14:58 Uhr

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