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Gastarbeiter aus Polen : Mit Händen, Füßen – und viel Lächeln

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit Piotr Stenka und Prezmyslaw Kasprzycki sind zwei junge Praktikanten aus Polen in landwirtschaftlichen Betrieben in Leck zu Gast

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 05:00 Uhr

„Danke“ und „guten Morgen“ zu sagen, das haben Piotr Stenka und Prezmyslaw Kasprzycki bereits gelernt, ansonsten können sie sich nur in ihrer Heimatsprache äußern, mit Händen und Füßen – und viel Lächeln. Die beiden jungen Polen studieren in Boleslawowo Landwirtschaft und absolvieren vier Wochen lang in zwei landwirtschaftlichen Betrieben in Leck ein Praktikum.

Piotr Stenka und Prezmyslaw Kasprzycki sind jeweils auf ihren elterlichen Bauernhöfen, zwischen 50 und 60 Hektar groß, aufgewachsen. Was lag näher, als in die Fußstapfen der Väter zu treten? Deshalb besuchen der 20- und 19-Jährige die Landwirtschaftsschule in Boleslawowo. Mit dieser Stadt im Westen Polens strebt Leck eine Partnerschaft an. Die Kontakte gehen zurück auf die Hilfstransportgruppe Litauen, die seit elf Jahren Menschen in diese Gegend mit hilfreichen Dingen versorgen.

Erste Fäden sind also gespannt: Im vorigen Jahr ermöglichte die Hilfstransportgruppe, wie Helmut Stauss erläuterte, zehn polnischen Lehrern und Landwirten einen informativen Aufenthalt in Leck. Nun kam aus dem östlichen Land die Anfrage nach Praktika.

Helmut Stauss vermittelte, organisierte und fand in Hauke Brodersen und Klaus Schmidt bereitwillige Landwirte. Sie nehmen die Praktikanten im Wechsel jeweils zwei Wochen auf und lassen sie in den Ackeranbau, die Schweine-, Rinder- und Kuhhaltung, den Kartoffel- und Früchteanbau wie auch in der Molkerei hineinschnuppern. Klaus Schmidt von der „Klintumer Frische“ sammelt das erste Mal mit ausländischen Praktikanten Erfahrung. „Sie sind sehr arbeitswillig und freundlich“, bescheinigt er Piotr Stenka und Prezmyslaw Kasprzycki.

Letzterer packt zurzeit nachmittags bei der Kartoffelernte tüchtig mit an, hilft morgens und abends beim Melken der 80 Kühe, wird hier und dort eingesetzt – ebenso wie sein Landsmann vierzehn Tage zuvor. Klaus Schmidt hat sich extra ein deutsch-polnisches Wörterbuch zugelegt, doch die sprachliche Barriere macht ihn ein wenig unzufrieden: „Ich würde ihnen gern fachliche Dinge mitteilen, doch das gestaltet sich schwierig. Sie lernen nur vom Sehen“. Zeichensprache ist auch auf dem Hof Schmörholm bei Hauke Brodersen angesagt. Er kann seine Praktikanten allerdings ein wenig verstehen, weil er Erfahrung mit polnischen Erntehelfern hat. „Ich bin ein wenig skeptisch an diese Aktion herangegangen. Doch es läuft gut. Beide Praktikanten sind absolut umgänglich“, meint Hauke Brodersen.

Bei der Aussaat von Weizen und Roggen helfen sie, versorgen mit anderen Mitarbeitern 1 000 Mastschweine und 250 Rinder, legen mit Hand an bei der Maschinenpflege. „Ihre Mimik verrät mir, dass ihnen die Arbeit gefällt“, zieht Hauke Brodersen Fazit. Auch Helmut Stauss weiß, dass Piotr Stenka und Prezmyslaw Kasprzycki begeistert sind von ihrem Einsatz auf den Höfen: „Sie nehmen viele neugewonnene Aspekte mit nach Hause!“ Die Heimreise rückt näher, Mitte nächster Woche werden die jungen Menschen ihre Koffer packen und von Mitgliedern der Hilfstransportgruppe nach Boleslawowo chauffiert.

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