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Vortrag in Niebüll : Mit Gelassenheit aus der Stress-Falle

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auftakt der Niebüller Gesundheitstage mit einem wertvollen Vortrag der Entspannungs-Expertin Maria Nissen-Deutschmann.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 16:14 Uhr

Niebüll | Zum Auftakt der 12. Niebüller Gesundheitstage gab es am Mittwochabend im Rathaussaal in Niebüll einen spannenden Vortrag zu hören. „In der Ruhe liegt die Kraft“. Über dieses Thema referierte die Heilpraktikerin und Ehrenvorsitzende des Kneipp-Vereins Südtondern e.V. Maria Nissen-Deutschmann in anschaulicher Weise. Etwa 30 interessierte Zuhörer hatten den Weg in den Niebüller Rathaussaal gefunden. Bürgervorsteher Uwe Christiansen begrüßte die Anwesenden: „Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, wir laufen nur eiliger an ihr vorbei“, sagte er. Holger Heinke vom Stadtmarketing brachte einen kleinen Kreisel zum Rotieren. Warten, Stille… Er ergriff erst das Wort, nachdem das Spielzeug ausgetrudelt war: „Das ist auch eine Art Herunterkommen bei zu viel Tempo im (Arbeits)Alltag.“

Maria Nissen-Deutschmann tritt ans Rednerpult und fordert die Zuhörer zunächst auf, gemeinsam mit ihr eine einfache aber effiziente Atemübung zur Entspannung zu praktizieren. Dann kommt sie zum eigentlichen Thema: Stress! Es gibt den positiven und den negativen Stress. Der positive beflügelt und setzt gute Energie frei, man ist „im flow“. Der negative blockiert und macht krank. Stress betrifft jeden, auch Kinder und Senioren. Anhand eines praktischen Beispiels wird der Unterschied deutlich: Eine Windmühle ist am leistungsstärksten, wenn sie bei normalem Wind stetig arbeitet. Ihre Software schaltet aber ab, sobald der Wind zu stark wird, ein Schutzmechanismus. Dieses Beispiel ist auf uns Menschen übertragbar, nur leider reagieren wir häufig nicht auf „zu viel Wind“ sondern drehen uns immer weiter. Geschwindigkeit in Verbindung mit moderner Technik, immer aktuell und online sein in einer globalisierten Welt lassen einen Absprung aus der Stressfalle kaum zu. Leistung, Tempo und Dynamik haben seit Jahrzehnten einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft, sie werden vererbt, was zu einer ständig ansteigenden inneren Unruhe führt. Stressforscher Hans Selye fand heraus, dass es im Organismus zu körperlichen, psychischen und seelischen Anpassungsreaktionen kommt. Sie finden in drei Phasen statt: 1. Alarm, 2. Widerstand, 3. Erschöpfung. Diese Reaktionen gab es bereits beim Neandertaler, wenn er einem Säbelzahntiger begegnete.

Aber die äußeren Umstände heute haben sich so verändert, dass auf Erschöpfung nicht Pause und Regeneration folgen, sondern weiter gemacht wird bis zum Ausbrennen. Diagnose: Burnout, inzwischen eine weit verbreitete Volkskrankheit. Was passiert in unserem Körper bei negativem Stress? Die ständige Ausschüttung von den SOS-Botenstoffen Adrenalin und Cortisol sorgen für eine Schwächung des Immunsystems. Ignorierter Stress hat Verspannung, Kopfschmerz, Migräne und Schlaflosigkeit zur Folge, ein Teufelskreis. Wo lauern die „modernen Säbelzahntiger“ fragt Maria Nissen-Deutschmann: In der Umwelt (zum Beispiel Lärm), in der Mitwelt (Arbeitsdruck) und vor der eigenen Haustür (übertriebener Perfektionismus). Diese Krankmacher müssen wir unschädlich machen. Die Referentin warnt vor der Multi-Tasking-Falle, zuviel Ballast – materiellem und seelischem – und vor Abhängigkeiten, wie Modetrends und „must-haves“ aller Art, denen wir uns häufig unterwerfen. Wir sollten öfter minutenweise regenerieren und viel mehr auf unsere angeborene innere Uhr hören. Deren Erforschung wurde übrigens mit dem diesjährigen Nobelpreis für Medizin belohnt. Ein wichtiges Signal. Der Bio-Rhythmus ist ein Gesundheitsgarant, ebenso die altbekannten Mittel wie Bewegung, Ernährung, frische Luft.

Nein sagen können, die eigenen Grenzen wahrnehmen und akzeptieren, das fördere laut der Referentin Gleichgewicht, Harmonie und innere Stabilität. Ruhe und Gelassenheit seien unsere einzige Chance, mit Stress umzugehen. Eine ganzheitliche Sichtweise auf den Menschen etabliere sich immer mehr, die sogenannte personalisierte Medizin halte in Kliniken Einzug. Und dennoch müsse jeder seinen individuellen Weg finden, den Spagat zwischen Adrenalinkick und totaler Erschöpfung zu schaffen. Meditation könne genauso helfen wie ein bewussterer Umgang mit den eigenen Sinneswahrnehmungen... Mit einem Zitat vom Kleinen Prinzen beendet Maria Nissen-Deutschmann ihre wertvollen Ausführungen: „Du musst nur lange genug gehen, um in der Sonne zu bleiben…“ Das Publikum applaudiert anerkennend nach diesem Orientierung gebenden Vortrag.  

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