Weiterbildung : „Mit den Augen Noldes sehen“

Aus dem Schwarzwald ist die Teilnehmerin Rebecca Roth für das Nolde-Seminar angereist.
Aus dem Schwarzwald ist die Teilnehmerin Rebecca Roth für das Nolde-Seminar angereist.

Die neue Partnerschaft der Europäischen Bildungs- und Begegnungszentren ermöglicht neue Kursformate in der Nordsee-Akademie in Leck.

shz.de von
22. August 2018, 14:00 Uhr

Sie haben zum Teil über 1000 Kilometer auf sich genommen, um sich künstlerisch auf den Spuren Emil Noldes zu entfalten: Die Teilnehmer des Seminares „Nolde textil übersetzt“, das an der Nordsee-Akademie in Leck stattfindet. Es ist ein Teil der Fortbildungsreihe des hessischen Volkshochschulverbandes und erstmalig ein Angebot im Rahmen der Partnerschaft der Europäischen Bildungs- und Begegnungszentren (EBZ), dem die Bildungseinrichtung in Leck angehört.

Barbara Benedix und Gisela Hafer leiten den Kurs, der den Teilnehmern neue Wege zeigen möchte, sich mit Kunst auseinander zusetzen: „Wir wollen Erwachsenen einen anderen Zugang zu Kunst schaffen“, sagt Benedix. Viele seien im Umgang mit Kunst gehemmt, aus Angst, ein zu geringes theoretisches Wissen zu haben oder nicht künstlerisch begabt zu sein. „Dabei wissen viele gar nicht, dass sie es doch können“, sagt Benedix.

Die Seminarleiterinnen wollen beide Ebenen mit einander mischen: Theoretisches Wissen vermitteln, aber auch selbst künstlerisch und gestalterisch aktiv werden. „Kunst spricht manchmal mit schwierigen Worten, wir versuchen mehr, hinter die theoretischen Inhalte zu gelangen“, erklärt Hafer.

So ist das Seminar bewusst nicht rein akademisch aufgebaut, sondern bedient sich dem Sehen und Wahrnehmen der Teilnehmer: Sechs Tage lang unternehmen die Teilnehmerinnen Ausflüge in die Landschaft Nordfrieslands, die Noldes Schaffen und Werke geprägt haben. Dabei soll das Seminar möglichst barrierefrei sein: „Ganz unabhängig von der Vorbildung oder dem Schulabschluss bilden die Erwachsenen eine heterogene Gruppe, in der jeder sein eigenes Wissen einbringt“, sagt Benedix.

Es stehen neben einem Besuch des Nolde-Museums genauso Ausfahrten nach Dagebüll an den Deich oder nach Ribe in Dänemark an. Bei jedem Ausflug achten Benedix und Hafer mit ihren Teilnehmerinnen auf andere Elemente: Mal steht der Himmel im Fokus, mal das Meer, mal aber auch die Blüten aus dem Garten. Die einzelnen Ausflüge werden von den Damen dann zurück in der Nordsee-Akademie mit unterschiedlichen Materialien bearbeitet: „Wir setzen uns die Thematik je nachdem, wo wir hinfahren“, erläutert Benedix. „An jeden Ausflug gehen wir ergebnisoffen heran und schauen, was wir dort sehen. Wir versuchen, selbst mit Noldes Augen zu sehen – mit offenen Augen der Landschaft gegenüber und mit einem Blick für den Himmel. Genauso versuchen wir, die Architektur zu erleben.“ Gearbeitet wird im Anschluss mal mit Stift und Papier, mal mit Stoffen.

Dr. Herle Forbrich, Projektmanagerin in der Nordsee-Akademie Leck, sieht in dieser Form des Seminars eine große Bereicherung: „In diesem Seminar lebt die alte Volkshochschultradition auf und verknüpft als eine Art Schanier-Seminar das handwerkliche Arbeiten mit dem akademischen Teil.“ So ein Nolde-Seminar habe hier einfach noch nicht statt gefunden. „Es freut uns natürlich besonders, dass die Nordsee-Akademie in die Regionen des Landes ausstrahlt“, sagt Forbrich.

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