Schulung für Senioren : Mit dem E-Bike sicher unterwegs

E-Bikes und Pedelecs im Test: Senioren üben im parcour ihre Geschicklichkeit mit den motorisierten Fahrrädern.
E-Bikes und Pedelecs im Test: Senioren üben im parcour ihre Geschicklichkeit mit den motorisierten Fahrrädern.

Auch im Alter sicher ans Ziel – zu diesem Motto veranstaltete der Niebüller Seniorenbeirat einen Pedelec-Aktionstag.

shz.de von
15. August 2018, 07:00 Uhr

Umweltfreundlich, bequem, schnell und sicher überall hinkommen – das E-Bike oder Pedelec ist gefragt. Die flotten Fahrräder, die mit Unterstützung eines Elektromotors bis zu 25 km/h schnell fahren, zählen verkehrsrechtlich zur Kategorie der Fahrräder. Deshalb gibt es für Pedelecs weder ein Mindestalter noch eine Versicherungs- oder Führerscheinpflicht. Doch der Umgang mit dem Elektrorad bedarf einiger Übung. Der Seniorenbeirat in Niebüll bot deshalb erstmals einen Aktions-Tag mit Pedelec-Training an, der das sichere Führen der Elektrofahrräder schulte.

Johannes Schaer, ehrenamtlicher Sicherheitsberater für Senioren, informierte die Teilnehmer zusätzlich über rechtliche und technische Details und betonte die Bedeutung der Fitness. „Für uns ein wichtiger Beitrag zur Verkehrssicherheit“, betonte Frauke Rörden-Prang, Vorsitzende des Seniorenbeirats. „Wir beobachten, dass das E-Bikefahren immer gefährlicher wird für unsere Senioren. Dem möchten wir mit unserer Veranstaltung entgegenwirken.“ Johannes Schaer wies zunächst auf die gestiegenen Unfallzahlen hin. Laut Presseberichten sei Nordfriesland in Schleswig-Holstein mit an der Spitze. „Mobil sein wollen wir alle“, sagt er, gerade im Alter sei das jedoch eine Herausforderung. Der Besuch beim Arzt gehöre nun mal dazu, gerade wenn man ein E-Bike benutzen wolle. „Seh- oder Hörtests sind überlebensnotwendig“, sagte der Verkehrsexperte, der 41 Jahre im Dienst der Polizei war. Zudem gehöre eine selbstkritische Bestandsaufnahme dazu. „Kann ich noch flott über die Schulter nach hinten schauen?“ Dieser Blick gehört zur Basis des E-Bike-Fahrens– klappt es nicht richtig, muss man etwas tun. „Ich will hier keine Angst machen“, so Johannes Schaer, „aber Gymnastik im Alter muss einfach sein.“ Dazu gehörten auch Denksportaufgaben um den Kopf, sprich das Aufnahmevermögen, fit zu halten. Alles zählt bei der Teilnahme am Straßenverkehr. „Und hier kann man sich schlau verhalten“, so der Mann aus Wobbenbüll. „Man muss nicht einkaufen fahren, wenn auf den Straßen Hochbetrieb ist!“ Auch sei es sinnvoll, ruhigere Nebenstrecken zu wählen, statt Hauptverkehrsstraßen. „E-Bikes oder Pedelecs gehören auf den Radweg“, so sein Statement. Zur Vermeidung ungünstiger Situationen gehöre es auch, dunkle Tageszeiten zu vermeiden oder bei Glatteis daheim zu bleiben. In der Folge ging der Fachmann auf verschiedene Antriebsarten der Pedelectypen ein. Einen großen Raum nahm die Information zu rechtlichen Fragen ein.

Nach dem Vortrag ging es auf den Schulhof der Alwin-Lensch-Schule. Hier unterstützen ihn Klaus Hansen, Kai Sönnichsen und Doris Hansen von den örtlichen Radgeschäften. Sie hatten eine Auswahl an Pedelecs beziehungsweise E-Bikes mitgebracht. „Ich habe schon seit Jahren ein E-Bike“, sagt Brigitte Anderson, „ich fahre bei jedem Wetter, beim Einkaufen ist es eine wunderbare Hilfe.“ Gefährliche Situationen hat sie schon überstanden: „Daher fahre ich mit Helm!“

„Wichtig ist aber auch das passende Pedelec. Entscheidend ist die Rahmengröße. Alles kann man am besten bei der Testfahrt ausprobieren“, sagte Klaus Hansen. Das größte Problem sei das Tempo. „Pedelecs sind sehr schnell“, warnte auch Johannes Schaer, „man muss diese Gefahr kompensieren – am besten durch das Training.“ Die Fähigkeiten konnten die rund 15 Teilnehmer testen. So wurde auf dem Schulhof ein entsprechender Parcour aufgebaut. Hilke Schmidt (80) fühlte sich dabei sicher. „Ich fahre seit einem Jahr, habe pro Tag zehn Kilometer auf dem Tacho“, sagte die Niebüllerin. Schwungvoll absolvierte sie den Parcours. Andere hatten mehr Schwierigkeiten. So kam am Ende des Info-Tages bei jedem die Botschaft an: Vorsichtig fahren, sich fithalten und regelmäßig zum Arzt gehen. „Das war sehr lehrreich“, sagte auch Frauke Rörden-Prang. Eine Aktion des Niebüller Seniorenbeirats, die Schule machen könnte.

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