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Nordfriesland Tageblatt

14. Dezember 2017 | 16:08 Uhr

Mit 1000 Krippenplätzen gut gerüstet

vom

Versorgungsquote in Nordfriesland liegt zurzeit bei 30 Prozent / Politiker fordern mehr Angebote und bessere Bezahlung für die Erzieher

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Nordfriesland | Über Wochen und Monate bestimmte das Thema die Schlagzeilen, inzwischen ist es ruhiger geworden: Seit Anfang des Monats ist der individuelle Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige (U3) Realität. Und nach allem, was bisher bekannt ist, gibt es in Nordfriesland ausreichend wohnort nahe Angebote für Krippenkinder. Im Fokus berufstätiger Eltern und der Politik stehen deshalb eher die unterschiedlichen Lösungsansätze in Kindertagesstätten und Kindertagespflege sowie die Qualität der Angebote.

In punkto Krippenplätze sind die Einrichtungen und Kommunen in Nordfriesland ein ordentliches Stück vorangekommen. Darüber sind sich alle Fachleute einig. Zudem laufen einige Ausbauprojekte noch. Das vorliegende Zahlenmaterial ist freilich nur begrenzt belastbar: Der aktuelle Stand des U3-Plätze-Ausbaus ist in der Kreisverwaltung zuletzt Anfang Juni analysiert worden. Zu Grunde liegen allerdings Geburtenzahlen des Statistikamtes Nord von Ende 2011 von rund 3500 Kindern bis zu drei Jahren kreisweit. Danach würde Nordfriesland zum Januar 2014 in Kitas und Kindertagespflege eine Versorgungsquote von 30 Prozent erreichen. Experten rechnen allerdings damit, dass neuere statistische Daten maximal 3300 unter Dreijährige und damit sogar eine Quote von 32 Prozent ergeben werden.

Zum Vergleich: Zurzeit gibt es im Kreisgebiet fast 4700 Plätze für über Dreijährige. In diesem Bereich hat Nordfriesland ein Überangebot. Deshalb wird erwartet, dass es dort zu einem Abbau kommt.

Insgesamt dürfte Nordfriesland - die Kreisstadt Husum meldet sogar eine U3-Versorgungsquote von rund 50 Prozent - auch im Vergleich mit anderen Regionen gut dastehen. Denn die Quote - der Bund verlangt rund 33 Prozent - kann nur ein Anhaltspunkt sein, zumal der Bedarf in Metropolen wie Hamburg oder Berlin ungleich höher ist. "Aufgrund der ländlichen Struktur und der Situation der Familien erscheint es wenig sinnvoll, eine flächendeckende Quote erreichen zu wollen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass weiterhin in enger Abstimmung mit den Gemeinden bedarfsgerechte Lösungen vor Ort geschaffen werden", heißt es denn auch auf Anfrage aus dem Husumer Kreishaus.

Dort wird zurzeit mit 830 institutionellen U3-Plätzen kalkuliert, plus rund 200 von qualifizierten und geprüften Tagesmüttern. Der Gesetzgeber stellt ihr Angebot dem der öffentlichen und privaten Kitas gleich.

"Ein Krippenplatz ist für Eltern deutlich interessanter als ein Betreuungsgeld." Davon ist Dr. Gitta Trauernicht, kinderpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, überzeugt. Gemeinsam mit dem nordfriesischen SPD-Bundestagskandidaten Matthias Ilgen hatte sie sich in der Husumer Kurt-Pohle-Kindertagesstätte informiert und war am Ende voll des Lobes: "Ein fantastischer Kindergarten, der Besuch hat gute Laune gemacht." Im Anschluss lobte sie das engagierte Personal und das pädagogische Konzept mit Kinder beteiligung: "Die Konzeption lässt keine Wünsche offen." Und angesichts gut aufgehobener und glücklicher Kinder, die sie in der Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt erleben durfte, erübrigt sich nach Auffassung von Trauernicht auch jede ideologische Diskussion, ob Kinder lieber zu Hause als in Kindertagesstätten betreut werden sollten. "Kinder brauchen Kinder", so Gitta Trauernicht.

Mit Matthias Ilgen ist sie sich einig, dass öffentliche Gelder gezielt eingesetzt werden sollten, um die Qualität von Kindertagesstätten insgesamt zu verbessern und deren engagiertes Personal besser zu bezahlen. Obwohl noch nicht alle Eltern einen Krippenplatz ihrer Wahl bekommen haben und es hier und da Wartelisten gibt, sehen die beiden Nordfriesland auf einem guten Weg. Die zum Wohl der Kinder eingesetzten Mittel seien sehr gut investiert. Fest steht für sie aber auch, dass der Bedarf in Zukunft weiter steigen wird. Dem gerecht zu werden, sei eine politische Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Gemeinden. Und: "Angebote müssen dann auch den Wünschen der Eltern entsprechen."

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