Misstöne bei der Kandidaten-Kür

M. Sellier
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Nordfriesische SPD nominiert Marion Sellier und Stefan Runge als Bewerber für die Landtagswahl im Mai 2012

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26. September 2011, 05:46 Uhr

Bredstedt | Die Kandidaten-Kür sollte der Aufbruch zur vorgezogenen Landtagswahl im Mai 2012 sein. Doch in diesem Tag steckte der Wurm. Zumindest für Marion Sellier. Die nordfriesische SPD schickt die Landtagsabgeordnete aus Viöl zwar erneut im Wahlkreis 1 (Südtondern) ins Rennen. Aber am Ende des außerordentlichen Kreisparteitages und zweier Wahlkreis-Konferenzen in Bredstedt musste sich die 54-Jährige "abgewatscht" fühlen. Und das sollte sie wohl auch: Denn viele Delegierte sind mit ihrer bisherigen Arbeit offenkundig nicht zufrieden.

Während für den Wahlkreis 2 (Husum) mit Stefan Runge aus Tönning und Hans Wolff aus Kotzenbüll zwei überzeugende Bewerber um die Landtags-Kandidatur gegeneinander antraten und sich Runge schließlich mit 22 zu zwölf Stimmen durchsetzte, war es im Hinblick auf die Kandidatur für Südtondern spannend bis zuletzt. Bleiben amtierende Landtagsabgeordnete üblicherweise ohne Gegenkandidaten, hatte der Husumer Carsten Zimmermann (26) angesichts des Unbehagens in der Nord-Partei zwei Tage vor dem Parteitag am Sonnabend im "Bredstedter Sool" seinen Hut noch schnell öffentlich in den Ring geworfen.

Damit aber nicht genug: Nachdem sich alle Bewerber vorgestellt und ihre politischen Schwerpunkte dargelegt hatten, marschierte Eberhard Eberle vom SPD-Ortsverein Sylt, dem zweitgrößten in Nordfriesland, ans Rednerpult. Die Insulaner wünschten sich, dass der Kreisvorsitzende Horst Deyerling im Wahlkreis 1 antreten möge. Die direkte Folge: Der Parteitag wurde für fünf Minuten unterbrochen, aus denen am Ende knapp eine halbe Stunde wurde. Auf der Terrasse steckten die Delegierten die Köpfe zusammen und fanden dennoch keinen Ausweg aus dem "Schlamassel", so ein Delegierter.

Denn Horst Deyerling empfand es zwar als "große Ehre für mich", vorgeschlagen zu werden. Antreten mochte er dennoch nicht. Er sei sich seiner Verantwortung als Kreisvorsitzender sehr wohl bewusst, aber dazu gehöre es auch, Schaden von der Partei abzuwenden. Die Überlegung dahinter: Können die Sozialdemokraten den Wahlkreis bei der Landtagswahl im Mai nicht direkt holen, dann hat zumindest Marion Sellier via Frauenquote die Chance, über einen aussichtsreichen Listenplatz als Vertreterin der Westküste in den deutlich verkleinerten Landtag einzuziehen. "Marion ist erst seit zwei Jahren im Landtag und kann es nicht von Null auf Hundert bringen. Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient", appellierte er.

Diese bekam Sellier schließlich auch: Bei 15 Enthaltungen und einer ungültigen Stimme erhielt sie 20 Stimmen, Carsten Zimmermann vier. "Das Ergebnis zeigt mir, dass ich noch an vielen Stellen zu arbeiten habe", sagte Sellier. Aus ihrer Sicht ist das aber keine Einbahnstraße: "Ihr könnt auch auf mich zukommen", meinte sie an die Sylter gewandt, die ihr mangelnde Präsenz auf der Insel vorhalten. Und: "Dass ich in Viöl lebe, habt Ihr vorher gewusst. Ich vertrete deshalb die Interessen des Wahlkreises 1 nicht weniger."

Dass die Sachpolitik in der Veranstaltung, bei der 15 von 39 SPD-Ortsvereinen im Kreisgebiet nicht einmal vertreten waren, ob der Personalquerelen in den Hintergrund geriet, lag in der Natur der Sache. "Wir können nur bestehen, wenn wir geschlossen hinter den Kandidaten stehen", mahnte denn auch Kreisvorsitzender Horst Deyerling. Und: "Wir wollen ein Signal setzen - von diesem Moment an." Auch Stefan Runge appellierte eindringlich: "Machen wir uns doch nicht kleiner als wir sind." Während Marion Sellier die "Klientelpolitik" der Landesregierung brandmarkte, hatte Runge (47) in seiner Antrittsrede festgestellt: "Die Menschen haben von der schwarz-gelben Chaostruppe die Nase voll." Er will den Wahlkreis 2 direkt holen und sich im Landtag dafür einsetzen, dass die Kommunen wieder handlungsfähig werden. "Die Gemeinden werden zu Bittstellern. So geht es nicht!". Auch die Elternbeteiligung an den Schulbuskosten müsse umgehend abgeschafft werden.

Dass die Sozialdemokraten - im Gegensatz zu anderen - innerparteiliche Konflikte austragen und auch aushalten, ist eine Sache. Dass ihre politische Arbeit Wirkung zeigt, die andere: "Unser gemeinsamer Kampf mit den Bürgerinitiativen hat einen großen Erfolg gebracht." Diesen könne sich auch die Kreis-SPD ans Revers heften, stellte Horst Deyerling mit Blick auf das im Bundesrat gescheiterte CCS-Gesetz fest. Dessen "Länderklausel" hätte keine Sicherheit bedeutet. Der Kreisvorsitzende unter Applaus der Delegierten: "Im Vermittlungsausschuss kann nun nur noch ein Gesetz folgen, das die CO2-Speicherung in ganz Deutschland verbietet."

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