Nachhaltige Waldwirtschaft : Mission: Zukunftsfähiger Wald

Ein stabiler Waldbestand zeichnet den Süderlügumer Forst aus.
Ein stabiler Waldbestand zeichnet den Süderlügumer Forst aus.

Der Süderlügumer Forst wird nach und nach gegen Stürme und andere klimatische Herausforderungen gewappnet.

shz.de von
12. Juni 2018, 06:20 Uhr

Süderlügum | Es wurde diskutiert, gelobt, kritisiert – etwa 250 Förster und Waldbesitzer aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz begutachteten bei einer Exkursion im Rahmen der Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (siehe auch Seite 16) den Süderlügumer Forst. „Die Teilnehmer waren überrascht, weil sie einen solchen Wald in Nordfriesland nicht erwartet hatten. Die einhellige Meinung war, dass wir hier auf einem tollen Weg sind“, freut sich Torsten Bensemann über viel Lob vonseiten der Experten. Bensemann ist seit 2010 Revierförster der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten in Süderlügum.

Noch vor 130 Jahren sei die Landschaft an der nordfriesischen Westküste von waldfreien Heideflächen und Mooren geprägt gewesen, mittlerweile schmücken aber auch dichte Wälder – wie der 950 Hektar große Forst in Süderlügum – das Landschaftsbild. Torsten Bensemann, der ehemalige Drelsdorfer Revierförster Hans-Hermann Hein und Jens-Birger Bosse (Abteilungsleiter Biologische Produktion und Naturschutz bei den Landesforsten) präsentierten den Exkursionsteilnehmern mehrere Waldbilder, die die Vielfältigkeit des Baumbestandes des noch jungen Waldes zeigten. „130 Jahre sind für einen Wald gar nichts“, weiß Bensemann. Der Süderlügumer Forst besteht derzeit zu 80 Prozent aus Nadel- und zu 20 Prozent aus Laubbäumen. Noch – denn das Ziel ist an der dänischen Grenze ebenso wie im gesamten Bundesgebiet ein ausgeglicheneres Verhältnis des Bestandes. „Wir wollen den Anteil der Laubbäume deutlich erhöhen, um gewappnet für die Zukunft zu sein“, erklärt Bensemann. In den kommenden Jahren werden – beeinflusst durch den Klimawandel – mehr Stürme mit einer höheren Intensität erwartet, die zu einer ernsthaften Bedrohung für die Wälder werden können. Torsten Bensemann weiß: „Gesunde, gemischte Wälder sind am stabilsten.“ Daher wird der Anteil der Nadelbäume im Süderlügumer Forst im Sinne der ausgewogenen Mischung aus Nadel- und Laubbäumen nach und nach verringert. Die Umwandlung erfolgt im laufenden Betrieb durch Naturverjüngung und aktive Pflanzung, zum Beispiel von Eichen und Buchen.

Deren Anteil am Baumbestand liegt mit acht beziehungsweise sechs Prozent deutlich hinter dem der Fichte (33 Prozent) und der Japanlärche (27). Auch die Weiß-Tanne (14) ist im Süderlügumer Forst häufig zu finden – was nicht unbedingt zu erwarten ist und auch ein Grund dafür war, dass Förster und Waldbesitzer aus dem gesamten Bundesgebiet nach Süderlügum gekommen waren. „Die Weiß-Tanne ist bei uns zwar eigentlich nicht standortheimisch, dafür aber standortgerecht“, erklärt Torsten Bensemann. Das bedeutet, dass die Charakteristika des Baumes gut zu den Boden- und Klimaverhältnissen passen. Die Folge: Der Baum, der aktiv nur außerhalb von Natura 2000-Gebieten gepflanzt wird, fühle sich wohl, sei vital, kräftig und somit sturmfester als Arten, die nicht standortgerecht sind.

Das Fazit der Exkursion fiel dann auch äußerst positiv aus. „In Nordfriesland haben sich trotz widriger Standortbedingungen wie armen Böden und starkem Windeinfluss beeindruckende Wälder entwickelt. Wir Förster sehen unsere Verpflichtung, diese zu erhalten und im Hinblick auf die Klimaveränderungen weiterzuentwickeln“, betont Torsten Bensemann.

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