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Ausstellung in Niebüll : Mini-Maus hebt das Selbstwertgefühl

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Menschen mit Behinderungen aus den Uhlebüller Wohngemeinschaften präsentieren ihre Werke in einem Autohaus.

Kunst öffnet Räume, Kunst schafft Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Die Bewohner der Uhlebüller Wohngemeinschaften stellen jetzt ihre im Rahmen einer Kunsttherapie entstandenen Bilder aus. Gestern Vormittag eröffnete Brigitte Deeg von der Stiftung Uhlebüll diese sehr besondere Ausstellung in der Galerie Mobil in den Geschäftsräumen des Mercedes-Benz Autohauses Klaus & Co in Anwesenheit der Künstler und der Kunsttherapeutin Sonja Jappsen.

„Wir bedanken uns dafür, dass wir hier ausstellen dürfen. Für die Menschen mit Behinderung, die in unserer Einrichtung leben und wohnen, ist die Kunsttherapie eine elementare Beschäftigungsmöglichkeit, die für die Gesamtentwicklung der individuellen Persönlichkeit einen besonderen Stellenwert hat“, erklärte die Einrichtungsleiterin.

Vor rund 15 Jahren hat die Einrichtung Stiftung Uhlebüll mit diesem Projekt begonnen, vor fünf Jahren gab es die letzte Ausstellung am selben Orte.

„Das Projekt läuft mit großem Erfolg“, wie Brigitte Deeg betonte. Jeder werde hier nach seinen Fähigkeiten motiviert. So werden eigene Einfälle zu Papier beziehungsweise auf die Leinwand gebracht. Es darf aber auch die eigene Interpretation eines großen Künstlers sein. Das Nachgestalten von Meisterwerken der Kunstgeschichte ergibt oft das erste Erfolgserlebnis. Doch es geht weit darüber hinaus. „Schritt für Schritt“, wie die Kunsttherapeutin erklärte.

Die Feststellung „Ich kann ja etwas produzieren“ sei der Glücksmoment, der Moment der Bestätigung. Das Selbstwertgefühl steige. Und so seien alle „begeistert bei der Sache“, wie Sonja Jappsen feststellte. „Der eine liebt die Details, zeichnet perspektivisch genau, der andere malt in der gleichen Zeit lieber fünf schnelle Bilder. Zum Teil sind die Bilder Ergebnisse von Malübungen, die zu überraschenden Ergebnissen führen.“

So zaubert Jürgen Dose ganz eigene Comic-Figuren auf die Leinwand. Andreas Münzner ist Rennwagen-Fan, sein Ferrari braust in perfekter Weise davon. Udo Lipkow träumt von Trinidad und entführt die Betrachter auf eine Südsee-Insel. Grandios ist Monika Busche mit ihrer Mini-Maus. Ein Meisterwerk ist die Arbeit von Harald Schumacher. Er hat die U-Bahnstation Jungerfernstieg in Hamburg im Querschnitt aufgerissen und alle ihm vertraute Menschen abgebildet. Da ist der Vater, der Freund abgebildet. Aber auch die Nachbarn sind zu sehen. Verstorbene bleiben so in guter Erinnerung, Malen als Seelenarbeit.

„Toscana pur“ von Carmen Hansen, Christta Tiedemanns „Meeres-Impression“ oder Wolfgang Pfeiffers „Blaue Pferde“ zeigen wie alle Bilder ein großes Farbverständnis, eine konkrete Bildauffassung und Präzision in der Technik. „Immer wieder gehen die Künstler mit viel Konzentration an ihr Werk. Sie brauchen – und haben viel Geduld“, sagte Sonja Jappsen. Das setzt Kräfte frei, ersetzt sogar Medikamente. Eine Künstlerin, die noch vor kurzer Zeit komplett demotiviert im Bett lag, findet offensichtlich über die Kunst ins Leben zurück. Zeigt immer mehr Neugier, hat plötzlich Kraft.

Die Künstler hatten viel Vergnügen, während der Vernissage die eigenen Kunstwerke zu erklären, zu berichten, wie die Inspiration „angeflogen kam“.

Die Kunsttherapie wird in ihrer Finanzierung nicht von den Sozialbehörden oder Krankenkassen übernommen, und die Stiftung ist dringend auf Spenden und Eigenfinanzierung für die Unterhaltung des Kunsttherapeutischen Angebotes angewiesen. „Aus diesem Grunde suchen wir Firmen, Sponsoren oder auch Privatpersonen, die sich an der Finanzierung dieser kreativen Beschäftigungsmöglichkeit beteiligen wollen“, so Brigitte Deeg.

Die besondere Ausstellung in Niebüll ist noch bis zum 28. Dezember im Autohaus Klaus & Co, Bahnhofstraße 15, zu sehen.

 

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erstellt am 18.Okt.2014 | 07:15 Uhr

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