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Nordfriesland Tageblatt

18. August 2017 | 03:24 Uhr

Michys brillante Märchenstunde

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Musiker Michy Reincke spielt im Charlottenhof in Klanxbüll ein Benefizkonzert für das Wilhelminen-Hospiz

Ein gern gesehener Stammgast trat am Freitagabend im Charlottenhof auf, wieder einmal zur Weihnachtszeit, wieder vor ausverkauftem Haus: Michy Reincke als Gast für die gute Sache. Mit dem Benefizkonzert unterstützte der Sänger, Komponist und Liedermacher das Wilhelminenhospiz in Niebüll, 2015 bereits zum vierten Mal. Christel Tychsen war natürlich auch vor Ort: „Er war öfter zu Gast im Charlottenhof, da haben wir ihn einfach mal gefragt – und er hat zugesagt“, erinnert sich die Hospiz-Leiterin. „Genauso“, bestätigte Michy Reincke lachend, „wir sind dem Hause sehr verbunden und machen es ausgesprochen gern.“ Und die Spenden kamen an diesem musikalischen Abend herein: Am Eingang kommentierte nach dem Konzert seine Managerin Yvonne Paulien strahlend mit der kleinen Nichte an der Kasse: „Es hat sich gelohnt.“

Michy Reincke fühlte sich an diesem langen Abend in seiner Rolle als Geschichtenerzähler beziehungsweise Storyteller sichtlich wohl. Als Begleiter am Piano fügte sich Martin Meyer still und leise ein. Der Hamburger, der einst mit Stefan Gwildis die Schulbank drückte, scherzte, erzählte lustige Geschichten aus dem Musikerleben und spielte seinen traurigen Weltverbesserlieder, „die ich manchmal selbst gar nicht mehr hören oder singen kann, weil ich einen Kloß im Hals habe“.

Der Hamburg-Uhlenhorster sang über Liebe, Verlust und Untreue, berichtete kurzweilig, wie er mit seiner Ex-Gattin nach Thailand reiste und raketenmäßig Neujahr feierte – und er glänzte mit wundervollen Textzeilen wie „Stromabwärts treibt mein schwarzes Herz“.

Natürlich wetterte der 56-Jährige zeitgemäß gegen Kühlschrankherzen, Konzerte und die USA – und wurde kurzfristig politisch. „Wie einst im Domino“, erinnerte sich ein Gast an das erste Reincke-Konzert, es muss in den 80-er Jahren gewesen sein, als das „Taxi nach Paris“ durch deutsche Hitparaden sprang.

Michy Reincke erzählte dann auch die köstliche Entstehungsgeschichte des Songs: „Ein Hamburger Taxifahrer hatte mich tatsächlich einmal komplett vergessen, als er vom Flughafen nach Hause wollte. Er erschrak mächtig, als ich mich bemerkbar machte und er schon fast daheim war.“ Auch die Geschichte von einer misslungenen Hochzeit in Amelinghausen hatte hohen Unterhaltungswert. Der Singersongwriter war auch als Entertainer eine Entdeckung.

Michy Reinckes Lieder kamen wie gewohnt musikalisch fein inszeniert über die Rampe. „Ich habe alle seine Platten und CDs“, berichtete Ilona aus Rodenäs. „Mir liegen vor allem seine hintergründigen Texte.“ Der echte Fan der ersten Stunde wurde von Michy Reincke eher zufällig auserkoren, ihn auf der Mundharmonika zu begleiten. Das klappte super, es gab Beifallstürme.

Höchstwerte an Unterstützung erzielte der Musiker wie gewünscht bei „Nächte übers Eis“, da tobte das Publikum. Routiniert schraubte der exzellente Unterhaltungskünstler den Erwartungshorizont wieder herunter, wurde pathetisch, dann wieder ironisch-humorvoll, aber nie langweilig. Der Musiker Reincke ist der Meister fürs scheinbar Seichte, das an Kitsch grenzt. Dennoch schafft er es, dass seine Lieder zum Nachdenken anregen, sie bringen die Zuschauer zum Lachen, zum weinen, machen das Herz mal leicht, mal schwer. Seine klugen Betrachtungen des Lebens, der Liebe und der Welt fanden auch im Charlottenhof ein begeistertes Publikum.

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