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Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 10:45 Uhr

Kompromiss : Messe-Lösung soll Husum sichern

vom

Gleichberechtigte Partnerschaft mit Hamburg für zehn Jahre vereinbart.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 09:48 Uhr

Husum/Hamburg | Als einen "wirklich sehr guten Kompromiss für die Region" werten der Geschäftsführer der Messe Husum und Congress, Peter Becker, und der Aufsichtsratsvorsitzende der Husumer Wirtschaftsgesellschaft, Peter Cohrs, den Windmesse-Deal mit Hamburg. Danach werden die beiden Messegesellschaften von 2014 an gemeinsam alle zwei Jahre die internationale Leitmesse der Windindustrie in der Hansestadt veranstalten, während es von September 2015 an in den ungeraden Jahren eine nationale Windmesse in Husum geben wird. "Das ist das dickste Stück vom Kuchen", betont Cohrs mit Blick auf die Tatsache, dass der deutsche Markt für Windkraftanlagen mit Abstand der bedeutendste sei. "Wir haben nicht nur die Brosamen bekommen", sagt Becker.

"Das ist kein Abgesang, und wir werden nicht abgefunden", halten sie Kritikern der jetzt gefundenen Lösung entgegen. Per Handschlag besiegelt hätten die großen Hersteller der Branche die nächsten drei Veranstaltungen in Husum bis 2019 fest gebucht. Und mit 500 erwarteten Ausstellern halte man das Niveau von 2007. Mit der Vorjahresmesse (rund 1200 Aussteller) seien angesichts der Infrastruktur die Grenzen des Wachstums erreicht worden. "Mehr war nicht möglich", so Cohrs.

Vor dem Hintergrund, dass im Gegensatz zu den Gründerjahren heute Hunderte von Milliarden Euro in der Windbranche bewegt werden, hätten die führenden deutschen Anlagen-Hersteller vor zwei Wochen mit Unterstützung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bei einem Besuch in Husum eine klare Ansage gemacht: Einerseits wollen sie nur eine internationale Messe, und zwar 2014 in Hamburg. Anderseits möchten sie dort Husums Erfahrungen und Stärken eingebracht sowie genutzt wissen für eine mittelständisch orientierte Windmesse an der Westküste, die durchaus auch für dänische oder andere internationale Aussteller attraktiv sein kann.

So bestand nach Aussagen der beiden Husumer Messe-Vertreter die Gefahr, "dass wir am Ende mit nichts dastehen". "Wir hätten 2014 auch noch abwickeln können, nur danach wäre irgendwann nichts mehr gegangen", erklärt Becker. "Diese Situation mussten wir auflösen", sagt Cohrs. Und mit Blick auf drohende Parallel-Messen im kommenden Jahr: "Uns war klar, dass es den Crash nicht geben durfte. Dann hätte alles in Schutt und Asche gelegen."

Mit zwei Messegesellschaften gleichberechtigt unter einem Dach könnten die Partner ihre Stärken einbringen - Hamburg im maritimen Bereich und Husum mit seinem Charme und dem Know-how, "wie man vom Verkäufer zu den Kunden kommt". Mit der zunächst für zehn Jahre vereinbarten Partnerschaft - sie knüpfe an die "gedeihliche Zusammenarbeit" von 2008 bis 2011 an - ist für Husum Mitspracherecht, Wertschöpfung und eine langfristige wirtschaftliche Perspektive für das Nordsee-Congress-Centrum (NCC) und die Husumer Messegesellschaft verbunden. Auch die 35 festen Arbeitsplätze und Jobs für jeweils einige Hundert Messehelfer werden laut Becker durch die jetzige Lösung gesichert. Zurzeit wird in der Kreisstadt aber auch an einem Konzept gefeilt, um sich weitere neue Geschäftsfelder zu erobern.

Peter Cohrs ruft alle politischen Kräfte auf, den nun eingeschlagenen Weg mitzugehen und konstruktiv zu begleiten: "Es nützt nichts, mit Argumenten aus der Vergangenheit Wahlkampf zu machen." Wer annehme, die Politik habe die Interessen Husums oder Schleswig-Holsteins verkauft, der irre sich. Nicht die Politik entscheide über einen Messe-Standort, sondern die Wirtschaft. Cohrs: "Landesregierungen können Prozesse begleiten, aber die Entscheidung fällt die Industrie."

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