„Du“ statt „Sie“ : Nordfriesland: Das Duz-Dorf Rodenäs wird berühmt

Medien berichten über das kleine Dorf an der dänischen Grenze. Grund ist eine besondere Umgangsform.

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11. Dezember 2014, 17:03 Uhr

Rodenäs | In Rodenäs (Kreis Nordfriesland) geht es beschaulich zu. In der nördlichsten Festland-Gemeinde Deutschlands leben knapp 450 Menschen. Kühe grasen auf den Weiden, Urlauber genießen die frische Nordsee-Brise. Doch seit Kurzem erhält Rodenäs deutschlandweit Beachtung. Das kleine Grenzdorf wurde berühmt, weil jeder jeden einfach duzt.

Wenn man dem Rodenäser Bürgermeister ein „Hallo, Jörg“ zuruft, dann ist das völlig normal und üblich im Dorf. Einen guten Steinwurf weiter nördlich jenseits der Grenze gehört die „pronominale Anrede in der zweiten Person singular“ ohnehin zum normalen gesellschaftlichen Umgang. Und der vermeintliche Fauxpas, der im Grenzland keiner ist, brachte der Gemeinde Rodenäs bundesweite Internet-Popularität. Denn: Seit Oktober wurde die Homepage des Grenzdorfes von anfänglich 450 bis heute über 11.000 Besuchern angeklickt. „Wöchentlich kommen weitere 100 Klicks hinzu. Eine bessere Werbung für unser Dorf können wir uns nicht wünschen“, sagte Jörg Nissen , mit dem auch wir uns auf ein „Du“ einigten.

Grund für den Bekanntheitsschub war ein Bericht der Deutschen Presse-Agentur. Bei einer Recherche im Herbst anlässlich des „Tags der Sprache“ waren die Journalisten so beeindruckt von den duzenden Rodenäsern, dass sie einen weiteren Artikel über das Duz-Dorf schrieben. shz.de und andere Medien veröffentlichten den Beitrag oder nahmen ihn zum Anlass über Rodenäs zu berichten.

Auch die Deutsch-Gruppe der Universität von Portsmouth in Großbritannien twitterte über das kleine Du-Dorf. Die Briten kennen auch kein eigenes Wort zum Siezen. „You“ kann sowohl „Du“ als auch „Sie“ heißen.

Woher das Duzen kommt? Das war schon immer so, meint Jörg Nissen. In Rodenäs werden insgesamt fünf Sprachen gesprochen: Plattdeutsch, Hochdeutsch, Sønderjysk, eine Form des Dänischen, Dänisch und Friesisch, in dem man sich in der dritten Person anredet. „Da bleibt nicht mehr viel.“ Also duzen sich alle in Rodenäs. Das bestätigt auch Robert Langhanke. Er lehrt an der Abteilung für Niederdeutsch der Universität Flensburg. Ein Ursprung des Duzens sei die kulturelle Nähe zu Dänemark. Aber auch im Plattdeutschen werde das „Du“ häufiger verwendet - allerdings mit regionalen Unterschieden: So werde in Nordfriesland und an der Westküste schnell geduzt, in Angeln dauere es länger. Grundsätzlich gehe es in dörflichen Gemeinschaften schneller mit dem Duzen. Im Norden sei das Duzen besonders verbreitet.

Für Bürgermeister Jörg Nissen ergebe sich durch das „Du“ eine andere Ebene mit den Bürgern - beim Siezen könne man alles so weit wegschieben. Das gilt übrigens auch für den Schriftverkehr. „Ein Du macht mehr Vertrauen.“ Auch die Zugezogenen, die das Geduze am Anfang vielleicht merkwürdig fänden, stünden schließlich positiv dazu, da es auch Distanz reduziere. In Rodenäs gebe es ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Duzen oder Siezen, was ist besser?

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