Lokalgeschichte : Meister und Fan des Niederdeutschen

„Wattvertellen“, ein Auswandererschicksal oder ein Streifzug durch lokalhistorische Gezeiten: Hans Otto Meier hat ein Faible für das Schreiben

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10. Januar 2015, 05:00 Uhr

„Minsch, hol fast, wat de Natur di gifft. Noch is Tiet, dat dat so blifft.“ Mit diesen Worten rundet Hans Otto Meier, pensionierter Schulmeister aus Fahretoft, Gedanken ab, die ihm immer wieder beim Blick über das Wattenmeer kamen. Er, Meister und Fan des Niederdeutschen, hat sie „op Platt“ fixiert und sie in einer 80-seitigen Broschüre unter dem Titel „Wattvertellen“ aufgeschrieben. Doch er hat jüngst noch mehr niedergeschrieben. In einem Roman schildert er ein Föhrer Auswandererschicksal. Und in Band 7 der Gemeindechronik zeichnet er auf, wie die Verkehrserschließung Dagebülls verlaufen ist.

Ein Faible für das Schreiben habe er schon immer gehabt, plaudert Meier aus der Schule. A propos Schule: Als es noch die Hans-Momsen-Schule gab, hat er sie eine Zeit lang geleitet und war zuletzt Rektor der Hauptschule Westerland. In der Freizeit als Schulmeister war er auch „permanent kommunikativ gefragt“, musste viel erzählen, tat das zuweilen auch pointenreich und hatte sogar unter den Senioren dankbare Zuhörer. Ihn interessierte die Heimatgeschichte ebenso wie die Natur. Und als Lehrer sah er sich schnell dem kulturellen und Dorfleben aktiv verbunden.

Das Plattdeutsche zog sich wie ein roter Faden durch seine schriftstellerische und Chronikarbeit. Zuweilen schrieb er auch Theaterstücke für Kinder. Eines seiner bekanntesten „Drehbücher“ war das eines Open-Air-Spiels am Bottschlotter See, das an die Sturmflut von 1634 erinnert.

Im Heft „Wattvertellen“ spiegeln sich in Prosa und Epik sowie in Platt gefasste Impressionen wider, die ein amphibischer Naturraum wie das Wattenmeer ausübt. „Twischen Ebb und Floot“ heißt sein Roman, der das Schicksal eines Auswanderers schildert – eine fiktive Handlung zwar, doch in vielen Facetten authentisch belegt, wenn es um Orte, Schiffe, die technische Evolutionen und geschichtliche Abläufe aus der Mitte des 19. Jahrhunderts geht. Ob wahr oder fiktiv: Der Bogen, den Meier über eine schicksalhafte Epoche zieht, ist „spannend straff gespannt.“

Mit Nennung des Ortsnamens Dagebüll verbinden sich Gedanken und Erinnerungen an den Hafen, die „Kleinbahn“, den Badestrand, die Lorenbahn nach Oland mit Käp’tn Magda, Sturmfluten und an manchen Eiswinter. Obwohl reichlich mit Daten und Fakten in Worten und Bild gespickt: 100 Seiten Verkehrserschließung sind 100 Seiten hoch interessanter Lesestoff durch „lokalhistorische Gezeiten“ – und zuweilen auch noch durch das eine oder andere Augenzwinkern gewürzt. Zu haben sind diese Veröffentlichungen im Eigenverlag des Verfassers und beim Nordfriesischen Heimatverein Dagebüll.
 

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