Baupläne : Mehr Wohnfläche für Niebüll?

Auf dieser Brachfläche am Bahnhof könnten bald dreistöckige Gebäude entstehen.
Auf dieser Brachfläche am Bahnhof könnten bald dreistöckige Gebäude entstehen.

Durch eine neue baurechtliche Kategorie könnte bald die Brachfläche am Bahnhof genutzt werden. Mit einem neuen Planverfahren werden die Möglichkeit überprüft.

shz.de von
19. Juli 2018, 07:00 Uhr

Niebüll wächst und wächst und braucht neue, bezahlbare Wohnungen. An vielen Ecken wird abgerissen und neu gebaut. Nur die Brachfläche am Niebüller Bahnhof an der Rathausstraße, das so genannte Thordsen-Silo-Gelände, wartet schon lange auf ihre Bebauung. Doch nun kommt Bewegung in die Angelegenheit. Eine abgespeckte Version des vier bis fünf geschossigen Neubaus kann von einem Planungsbüro vorentwickelt werden, da der Bauausschuss einem so genannten Angebots-Bebauungsplan zustimmte.

Nach dem Abriss der Silos im Rahmen der städtebaulichen Sanierung im Jahr 2008 hatte die Stadt das Gelände erworben und es später an die GeWoBa verkauft. Die Wohnungsbaugesellschaft wollte dort 60 Wohnungen unter anderem für Syltfahrer errichten. Der Bebauungsplan 53 wurde erlassen –doch es gab Probleme mit der zu erwartenden Lärmbelästigung. „Für die Mieter wäre Lärm von der Bahn und von der Straße zu erwarten gewesen“, so Bauamtsleiter Udo Schmäschke. „Dazu hätte Lärm von der Betriebshalle der „neg“ ( Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH ) möglicherweise das Wohnen beeinträchtigt.“ Der „Casus knacksus“ sei dabei der diskrimierungsfreie Zugang zu Bahnanlagen, der die Bahn verpflichte, die Gleise auch anderen Anbietern zur Verfügung zu stellen.

Andere Unternehmen hätten auch von der „neg“ Gleise mieten und diese eventuell auch nachts nutzen dürfen. „Angstgegner ist die so genannte Taigatrommel“, erläuterte Udo Schmäschke. „Eine legendäre russische Diesellokomotive aus den 60er Jahren, die heute noch fährt.“

Charakteristisches Merkmal dieser Lokomotive (die noch ohne Schalldämpfer geliefert wurde) war das laute Auspuffgeräusch, das ihr in der DDR zum Spitznamen „Taigatrommel“ verhalf.

Für die GeWoBa gestaltete sich in der Folge die Bauplanung schwierig, da die Schallschutzmaßnahmen sehr aufwändig gewesen wären. „Wir haben uns daran jahrelang gerieben“, so der Bauamtsleiter. „Hier stand einst das 1:200-Modell, das für gut befunden und dann für die Bauplanung freigegeben wurde.“

Doch die Hemnisse folgten. Die Einlassungen der Eisenbahnaufsicht ergaben in einer Expertise, dass juristische Auseinandersetzungen zu erwarten warten. Damit lag das Bauprojekt jahrelang auf Eis. Nun gibt es neue Möglichkeiten durch den Begriff „urbanes Mischgebiet“ - entstanden aus dem Wunsch der Städte, die knappen Flächen zu verdichten, sprich zu bebauen.

Im aktuellen B-Planverfahren für das Bahnhofsgebiet Niebüll wird daher derzeit geprüft, ob die im Baurecht neu eingeführte Kategorie des urbanen Mischgebiets, das mehr Freiheiten für die Nutzung des Geländes gibt, angewandt werden kann. Bei dem jetzt neu vorgesehenen Angebotsbauplan hat der Bauherr ebenfalls mehr Freiheiten. Während im vorhabenbezogenen Bebauungsplan alles 1:1 umgesetzt werden muss, sind nun nur die Baufelder vorgegeben. Mit dieser Form des Bebauungsplans werden nun die baurechtlichen Voraussetzungen für eine weitere Planung geschaffen.

Das Gebäude soll zudem abgespeckt werden. Aus dem vier- bis fünfstöckigem Bau wird nun möglicherweise ein dreistöckiges Gebäude mit gewerblicher Nutzung zur Bahnseite hin. Voraussichtlich im September/Oktober wird vom Planungsbüro aus Flensburg im Auftrag der Stadt Niebüll eine erste Planung dem Auschuss vorgelegt.

Dieser Entwicklungsplan sieht zunächst nur die Möglichkeiten für das Gelände vor. Ein von der GeWoba zu beauftragender Architekt kann anhand der Vorgaben erkennen, wie das Haus entworfen werden soll. Das gesamte Procedere mit Einbeziehung der GeWoba wird zirka ein Jahr dauern. Am Ende muss die Stadtvertretung über das Vorhaben entscheiden. Mit einem Baubeginn wird es demnach noch dauern - es können bei gründlicher Beratung, Beschlussfassung, und Auftragsvergabe drei Jahre werden.

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